Volta-Deltaregion – 11.+12. Februar

Da bin ich wieder. Am Meer. Die Wellen brechen vor meinen Augen und eine leichte Meeresbrise weht. Ich höre nichts anderes als das Rauschen der Wellen. Ich grabe meine Zehen in den Sand.
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Am Dienstag haben Marie und ich den Nationalpark verlassen und sind über Cape Coast und Accra in die Volta-Deltaregion gereist. In Cape Coast haben wir ein weiteres Mal ein Luxus-Trotro erreicht, das uns nach Accra gebracht hat. Dort sind wir 10 Minuten mit dem Accra-Trotro gefahren, um zu einer anderen Trostation zu gelangen. Nach Sogakope soll es jetzt gehen. Der Trofahrer hält an und erklärt uns, dass wir die Straße hochlaufen müssen. Dann sind wir da. Durch die freundlichen Ghanaer ist alles ganz einfach. Auch wenn man sich in der überfüllten Millionenstadt Accra befindet. Der Trofahrer aus Cape Coast hat uns in das Tro gesteckt, das durch Accra tourt und dem haben wir nur gesagt, dass wir nach Sogakope wollen. Er hält nicht an einer der üblichen Stationen, sondern in der Kreuzung, damit wir den Weg nicht verfehlen. Mit unseren Rucksäcken quetschen wir uns durch die Menschenmenge. Ich laufe immer noch mit der Ghanaflagge am Rucksack herum. Dadurch ruft niemand „obruni“ hinter uns. Die Leute rufen „madame Ghana“, „black star“ oder einfach nur „Ghana“ hinter mir. Und Lächeln dabei. Ist sympathischer.
Gegenüber von dieser Bank soll die Station sein? Ich sehe nichts. „Where to, where to?“ Ein Mann stürmt auf mich zu. „Sogakope!“ „Come“ antwortet er mir und rennt durch die Menschenmenge. Ich konnte noch herausfinden, dass wir die letzten zwei Plätze besetzen. Das bedeuter keine Wartezeit. Also nichts wie hinterher. Ist Marie noch hinter mir? 5 Männer stürmen auf mich zu. „Where to, where to?“ „Lomé? Come here!“ Schreien sie auf mich ein und versuchen mich in die Richtung ihres Wagens zu zerren. Ich schlage wild um mich und befreie mich aus der Männertraube. Zwei Männer gehen daraufhin wild aufeinander zu. Aaaah. Lasst mich hier durch. Marie hinter mir lacht sich kaputt. Nicht witzig. Der alltägliche Wahnsinn an den Trostationen. Schlussendlich erreichen wir das Tro und ergattern wie gesagt die letzten beiden Sitze. Es kann losgehen. Nachdem unser Gepäck auch noch im Kofferraum verstaut wurde. Oder besser gesagt hinter dem Kofferraum. Die Türe wird nicht ganz verschlossen und Seile halten alles zusammen. Alles völlig normal.
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Nur unser Taxifahrer übertreibt etwas im Feierabendverkehr in Accra. Bei einem fast Crash fällt eines seiner Rücklichter ab. Aussteigen. Einsammeln. Weiterfahren. Nach einer Stunde Fahrt durch Accra und seine Außenbezirke rasen wir über die Straße. Und überholen alles was uns in den Weg kommt. Mittlerweile haben wir keine Probleme mehr mit ihren Überholmaneuvern. Wir freuen uns, wenn der Fahrer nicht schleicht, sondern schnell unterwegs ist. Wir verbringen eh viel zu viel Zeit auf Ghanas Straßen. Aber ja, Augen zumachen hilft ab und an.
Wir passieren eine Brücke. Wow, der Voltafluss ist mächtig. So breit!
„You want to go out here?“ Äh,  Sogakope. Keine Ahnung wo. Ich war hier noch nie. „Main station?“ Ist das nicht der letze Halt? Ach das Tro fährt weiter bis nach Lomé? Das ist die Hauptstadt Togos direkt an der Grenze zu Ghana.
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Steckdosen sind rar. Eine pro Zimmer. Was man so alles aus einer Steckdose machen kann.
Wir verbringen die Nacht in Sogakope bevor wir uns am nächsten Morgen wieder auf den Weg machen. Wir wollen die Landzunge zwischen Meer und Lagune entlang fahren. Next stop: Anloga. Das habe ich einfach mal aus der Karte herausgepickt. Wir bekommen die letzten beiden Plätze in einem Shared Taxi nach Keta/Anloga. Shared Taxis fahren eine vorgegebene Strecke und fahren ebenfalls erst los, wenn sie voll sind. Voll ist relativ. In unserem Taxi sitzen jetzt auf dem Beifahrer zwei Erwachsene.
Die Landschaft sieht etwas aus wie bei uns im Norden. Trockenes Grasland und grüne Bäume. Desto mehr wir nach Süden fahren, desto grüner wird es. Das Taxi biegt nach Osten ab. Palmen bestimmen die Landschaft.
Anloga. Kein Strand in Sicht und auch keine Lagune. Wollen wir hier raus? 2 haben bereits das Taxi verlassen. „Do you come to Keta?“ Wieso nicht. Wir bleiben einfach sitzen und fahren weiter.
An uns fliegen Dörfer vorbei. Dann erscheint auf der linken Seite die Lagune. Mit Inseln. Und Palmen. Und Fischerbooten. Kann man auch gut vom Taxi aus genießen.
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Wir erreichen Keta. Wo wollen wir aussteigen? Fahr noch weiter. Keta ist lang. Ich entdecke Strand auf meiner Rechten. Stoooooop. Hier. Jetzt. Dankeschön.
image Fort Prinzenstein
Vor uns erstreckt sich der weite Ozean. Neben uns eine verfallene Festung. „Fort Prinzenstein“. Klingt deutsch. Ich schieße ein paar Fotos. Siehst du die Strohdächer da vorne am Strand? Sieht nach einer Lodge aus. Lass uns da doch hingehen. „It looks expensive.“ Meint Marie. Mal schauen. So stapfen wir durch den Sand auf die Anlage zu. Palmen.
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„How much is one night?“ „25 Cedi per person“ wirklich? Das ist nichts. Wir schauen uns die Hütte an. Sie steht direkt im Sand. Palmenwedel bilden die Wände. Stroh wird als Dach verwendet. Gefällt mir. „You want two?“ Ähm nein, wieso? Also 25 Cedi für beide. Noch besser.
image Unsere Strandhütte
Kann man hier baden gehen? Sieht ziemlich gefährlich aus das Meer. Ein Mann erklärt mir wo und wie. Wenn du da hinein gehst, kommt erst ein Graben. Da geht dir das Wasser bis zur Hüfte. Danach wird es wieder flacher. Aber geh nicht zu weit. „Do you can swim small?“ („Small small“ ist eine Redewendung der Ghanaer für „klein“, „bisschen“..) Selbstverständlich kann ich schwimmen. Ich gehe ins Wasser. Nach drei Schritten geht mir das Wasser bis zur Schulter. Wow, das ging schnell. Langsam und ängstlich wage ich mich Schritt für Schritt vor. Die Wellen werfen mich immer wieder zurück. Nach ein paar Schritten geht es tatsächlich wieder höher. Wenn die Welle kommt, geht das Wasser mit trotzdem bis zur Brust. Ich bleibe stehen. Noch nie hatte ich soviel Respekt vor dem Meer wie hier. Ja sogar etwas Angst. Die Wellen sind einfach so gewaltig. Ich weiß, der Ozean ist hier offen bis zum Südpol. Und ein Bruchteil von seiner großen Kraft zeigt er mir hier. Am steil abfallenden Strand. An schwimmen ist hier nicht zu denken.
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An Frühstück ist da nicht mehr zu denken. Wieso kommen die Hunde immer  zu mir? Marie amüsiert sich über meine Angst vor Hunden und leert meinen Teller.
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Am späten Nachmittag begleitet uns ein Einheimischer in die Stadt Keta. Mit dem Taxi fahren wir hin. Ist etwas weit. Er zeigt uns ein teures Hotel. Als Weiße kann man hier immer problemlos an Türstehern vorbei laufen. Sieht schön aus. Brauche ich hier aber nicht. Mein Sand im Zimmer gefällt mir besser. Und was ist das? Ein Stück Strand wird mit Maschdrahtzaun abgesperrt. Speziell für die Hotelgäste. Maschendraht? Finde ich traurig. Dass man so was nötig hat. Zur Zeit sind keine Gäste zu sehen.
image Maschendraht am Strand
Auf dem Rückweg sage ich den beiden, dass ich den Weg am Strand zurück laufen werde. Byebye. Der Ghanaer fragt noch Marie ganz entsetzt „alone? You let her walking alone?“. Natürlich. Bin kein Baby mehr. Und ich bin hier in Ghana schon deutlich weitere Strecken gelaufen.
image Let’s walk.
image Kirche mit Meerblick.
image Keta’s Fischerboote
image Der Müll gehört dazu.
image Auf der Suche nach etwas Fressbarem.
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An Palmen und Fischerbooten führt mich der Weg zurück. Ein Schaf im Sand ist auch dabei. Die Füße im Meer. Barfuß im Sand. So kann ich stundenlang laufen. Es dauert aber kaum eine halbe Stunde. Und schon bin ich wieder zwischen den Palmen.
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Ich liege im Bett. Etwas Sand ist immer noch an meinen Füßen. Das Meer bestimmt die Geräuschkulisse. Gute Nacht.
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TRÄUME. Träume viel. Träume groß.
Und dann geh raus und mach deine Träume wahr.

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Veröffentlicht in Ghana

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