Husbands in Ghana

„Oh, I missed a call!“
„Who was it?“
„My husband“
„Which one?“
„What do think?“
„The military guy!“
„Of course him!“
Ja, mittlerweile scherzen Marie und ich darüber. Aber manchmal kann es echt nerven.
Ich habe manchmal das Gefühl, dass Ghanaer das Wort Freundschaft nicht kennen. Wenn ich hier einen Mann kennenlerne ist es egal, ob wir 5 Minuten quatschen, 2 Stunden irgendwo entlang laufen oder ich mit ihm gar nicht rede, einen Heiratsantrag habe ich immer hinterher. Ich habe schon endlose Diskussionen hinter mir, in denen ich allein oder mit anderen Volontären versucht habe den Männern klarzumachen, dass wir niemanden heiraten, den wir nicht kennen. „But I know you!“ Ja, da ist das zweite Problem. Wenn sie dich einmal gesehen haben, dann meinen sie schon dich zu kennen. Da hilft es nichts, dass ich erkläre, dass man Jahre braucht, um eine Person wirklich zu kennen. Und das Problem ist, dass sie uns einfach nicht verstehen. Oder nicht verstehen wollen. Ich bin ehrlich und erkläre ihnen offen, dass ich kein Interesse habe. 5 Minuten später „but you know, I like you so much!“. Sorry, ich dich nicht.
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Selbst wenn ich aufhöre ihnen auf die Nachrichten zu antworten, kapieren sie es nicht. Sie schreiben weiter und weiter und führen eine einseitige Kommunikation.
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Denn das zweite große Problem ist, dass die Männer hier in Ghana es nicht gewohnt sind eine Abfuhr zu kassieren. Die Frauen machen alles für sie. Wenn ein Mann jemand heiraten will, dann tut er es. Es gibt für eine Frau nichts schöneres, als einen Antrag zu bekommen, meinen Männer. Eine Meinung einer Frau zu diesem Thema existiert nicht. Das ist alles im Leben was du erreichen musst als Frau: Heiraten und Kinder bekommen. Und wehe du kannst nicht mehr als 3 Kinder kriegen. Dann holt sich der Mann gleich eine zweite Frau. Deshalb sind die Männer so überfordert, wenn sie hier kontra bekommen. Wenn ich mich ihren Wünschen widersetze. Wie kann ich nur einen Antrag ablehnen? Dazu noch von einem reichen Ghanaer? Er verspricht mir für mich zu waschen. Da musste ich laut loslachen. Der hat noch nie im Leben eine Seife in der Hand gehabt, um seine Kleider selbst zu waschen. Aber so eine Lüge von sich geben. Schrecklich. „But why you don’t want to marry me?“
Ja, das nächste Problem, das einige haben ist, dass sie tatsächlich glauben, dass wir Weiße nach Afrika auf „Brautschau“ kommen. Really? Ja, das glauben sie wirklich.
„You don’t want to marry a black person? Is that the reason?“
„No, I told you that I will not marry NOW. Neither a black nor a white man!“
Unerklärlich. Aber wieso? WEIL HALT!
Und ja, das mit dem Handynummer geben würdet ihr vielleicht als dumm ansehen. Aber nicht nur am Anfang helfen sie einem wirklich weiter. Sie bringen dich näher in die Kultur. Zeigen dir ihr Land. Vor allem die Männer haben mich durch das Land geführt. Ohne sie hätte ich viele Erfahrungen nicht machen können. Eine Frau zeigt dir vielleicht mal in welche Richtung du laufen musst. Ein Mann nimmt dich aber ins nächste Dorf auf seinem Motorrad mit. Er lebt die ghanaische Gastfreundschaft. Ja, es liegt vielleicht auch daran, dass die Frauen im Land entweder zu Hause bei den Kindern sind oder Essen auf ihren Köpfen tragen und verkaufen. Denn gastfreundlich sind auch die Frauen. Aber sie haben halt die Familie zu versorgen. Der Mann kann sich eher mal Zeit nehmen. Denn er hat ja nichts zu tun. Ob verheiratet oder nicht. Ob bei der Arbeit oder nicht.
Und so kommt es, dass ich Männer im ganzen Land habe. In dem Land, in dem nur Männer mehrere Frauen haben dürfen. Und die Frauen absolut kein Sagen haben. Marie und ich haben uns mittlerweile ein Spaß daraus gemacht und so entstehen Konversationen wie oben. Der Soldat von dem in der Konversation die Rede ist, ist zugegeben der erste Mann mit dem ich mich hier länger unterhalten habe und der mir keinen Antrag gemacht hat. Er hat wirklich nur von „you are my friend“ geredet. Ich traue keinem Ghanaer der so etwas sagt, aber trotzdem sympathisch. Deshalb habe ich ihn als „my husband“ in Gesprächen mit Marie erklärt. Ab und an braucht man Ausreden in Ghana.

Gestern wollten Marie und ich in Accra das Finale des Afcon (Afrikameisterschaft) anschauen. Die Frage war nur wo. Wir haben beide Freunde in Accra, die wir hätten fragen können. Da war einmal Desmond, der mich im Oktober ins Stadion geschleust hat und von dem die Konversationen (Screenshots) stammen. Allerdings wollte ich ihn ungern fragen, weil ich ihn dann zwangsläufig die restliche Woche an mir gehabt hätte und er Marie für ihre restlichen 4 Monate stalken würde. Also war er raus. Marie kennt auch so einen Kandidat. Gabriel, er macht ihr fast täglich Liebeserklärungen. Die Konversationen sehen ähnlich aus wie meine mit Desmond aus. Auch raus.
Dann war da noch Peter, von Nigeria. Die Hälfte seiner Familie lebt in Kanada. Er hat ein westlicheres Denken als die anderen. Also hat Marie ihn nach einem guten Platz gefragt. Und die Antwort kam prompt. Epo’s. Das ist nicht weit von unserem Guesthouse. Am Nachmittag machen wir uns auf den Weg. Einen Stopp legen wir bei „Pinocchio“ ein, einem italienischen Restaurant. Und Eistheke. Wooooow. So große Auswahl. Und richtiges Eis. Nicht das Tütenzeugs was es auf der Straße zu kaufen gibt. Selbstgemachte Waffeln. Natürlich selbstgemacht. Wo soll man denn Waffeln in Ghana kaufen. Und das Eis war auch selbstgemacht. Ich nehme Mangoeis. Sooo gut.
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Wir verlassen das Restaurant und laufen auf die Straße. Marie flucht. Am anderen Ende der Straße kommt Gabriel uns entgegen. Wo schaut ihr das Spiel? „I will join you.“ Mmmh. Verdammt. Den bekommen wir nicht mehr los. So laufen wir mit ihm in die Sportsbar und ich weiß schon nach 5 Minuten wieso Marie ihn nicht fragen wollte. Naja, eine gute Sache hat es doch. Er zahlt den Eintritt. Ich setze mich bewusst zwischen ihn und Marie. „So you are free?“ „No, I’m married since two years! You don’t see my ring?“ Habe mir vor ein paar Wochen einen Ring auf dem Markt in Langbinsi gekauft. Und an den Mittelfinger gesteckt. In Ghana heißt das verheiratet. Rettet mich in dieser Situation. Marie spielt freundlich mit. Nach einer Weile fragt Gabriel mich „can we please change seats, so that I can talk to Marie?“ Aufgebracht reagiere ich „you don’t want wo talk with me?“ So habe ich Marie gerettet und konzentriere mich selber auf das Spiel an der Leinwand. Manchester gegen Fulham wenn ich es richtig sehe. Interessiert mich eigentlich nicht. Marie und ich wir regen uns auf, dass immer mehr Weiße in die Bar kommen. Wir wollten doch mit Ghanaern feiern. Naja, passiert.
Jemand setzt sich an unseren Tisch und begrüßt erst Marie, dann mich. „I think we know each other“. „Äh, yes“. „Merde“ entwischt es mir. Marie lacht. Ja, der Mann ist Desmond. Jetzt haben wir beide Stalker an der Backe. Wie ist das möglich in der Zweieinhalb-Millionenstadt Accra? Wieso kommen die an denselben Ort. Public Viewing in Accra. Verdammt. Und der, mit dem wir uns treffen wollten erscheint noch nicht. Natürlich, „he doesn’t give a shit about this match.“ Er ist ja Nigerianer.
So erkläre ich Marie’s „husband“, dass er nächste Woche nicht mit uns reisen kann und Marie lehnt Desmonds Angebot ab mit ihm zu reisen. Wieso die immer reisen? So viel Geld oder was? Und nein, ich reise lieber alleine. Ja, Marie kommt auch mit, ich weiß aber noch nicht, ob ich sie dabei haben will. Meine Ironie versteht keiner außer Marie. Ist in Ordnung. Sie lacht und der Rest ist entsetzt. Passiert.
Das Spiel beginnt. Desmond fragt Marie, ob wir Plätze tauschen können, so dass er mit mir reden kann. „Sorry, but I am watching the game. I do not talk for now!“ Gut, dass ich das nicht spielen muss, weil ich mit den black stars seit Beginn der Meisterschaft mit voller Begeisterung und Leidenschaft mitfieber.
Marie zeigt mir ihr Handy „I love you so much“ schickt ihr Gabriel, der neben mir sitzt. Ich zeige ihr mein Handy “ I like you so much and I thank whatever brought you to Ghana“. Puuuuh. Das wird ein harter Abend. Vielleicht brauche ich doch Alkohol. Bis jetzt war es kein Problem für mich darauf zu verzichten, aber das heute kann hart werden.
„Anne, he is looking at you all time“. Schön für ihn, ich schau das Spiel. Ghana spielt besser.
„Relax, they will score a goal!“ Der Mann auf der anderen Seite von mir beobachtet mich. Ja, sorry, so fieber ich halt mit. „Relax, take a beer, it will help you!“ Ich trinke nicht. „What? That’s not good.“ Passiert.
Irgendwann blende ich die Männer um mich herum aus und konzentriere mich voll auf das Spiel. Ja, Ghana hat es versäumt in der regulären Spielzeit zu gewinnen und die Elfenbeinküste hat das Elfmeterschießen gewonnen bei dem meine Nerven am Boden waren.
„Are you for real? You are like crying?“ Ja, sorry. Ich habe das Land Ghana in 4 Monaten in mein Herz geschlossen. Und die Fußballmannschaft schon länger unterstützt. Und ja, ich kann nicht verlieren. „I never saw you like that. So sad like now. You are always relaxed, no stressed at all. But now? Really?“ Ja, passiert 😀
Auf jeden Fall haben uns die Männer nach dem Spiel in Ruhe gelassen. Die Männer, die mehr auf uns als auf das Spiel geschaut haben. Wir haben mehr mitgefiebert als die beiden. Aber die Stimmung in der Sportsbar war gigantisch. Die Stimmung beim Elfmeterschießen – unbeschreiblich. Auch wenn ich nicht in der Lage war mit ihnen im Takt mitzuklatschen. Ich bin zwar nicht die musikalischste, aber klatschen kann ich eigentlich. Die Ghanaer haben aber einen ganz anderen Takt als wir bei sämtlichen unserer Lieder. Ich mag ihre Musik. Vielleicht kommt der Takt eines Tages doch in meinen Körper.

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Veröffentlicht in Ghana

4 Gedanken zu “Husbands in Ghana

  1. Ich hinke mal wieder hinterher mit dem lesen, aber die klingen ja nach richtigen Gentlemännern nach der alten Schule…ernsthaft ich habe mich richtig amüsiert (auch wenn es für dich sicher nicht ganz so amüsant war) 😀

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    1. Haha ja kann ich mir denken. Meistens amüsier ich mich auch nur, aber manchmal habe ich einfach keine Lust mehr auf die Gespräche. Nach 5 Monaten. Immer dasselbe…

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      1. Glaube ich dir. In Mauritius waren aber auch nur solche weird guys. Dort haben mich alle Kellner angemacht und einer meinte noch zu mir, dass ich sexy tanzen würde, ob ich die ganze Nacht hierbleiben würde, denn er hätte bald Feierabend und seine Wohnung sei hier in der Nähe…Jaaa… wenn ich ein ONS möchte, brauche ich nicht nach Mauritius fliegen, ich bin zum Erholen da, Verdammt! xD

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