Salat für Anne – 3. Februar

Letzten Freitag gab es bei unserer Gastmutter in Tamale so gutes Essen. Jollof Reis mit Salat und einem Ei. SALAT. Mit Sauce. Richtiger Salatsauce.
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Normalerweise bekommt man hier in Ghana, wenn man Salat möchte, ihn mit Ketchup oder Mayonnaise serviert. Wir haben sie nach der Sauce gefragt und ihre Tochter hat für uns eine gekauft. Ich weiß nicht wo, aber sie kam mit einer Flasche zurück. Mit dem guten deutschen Heinz. Heinz Salatsauce in Afrika. Was es nicht alles gibt.
HIMG-20150202-WA0004Hier wird die Sauce mit Karottenstücken probiert.
Somit konnten wir heute uns einen leckeren Salat zubereiten. Kohl, Tomaten, Zwiebeln und Knoblauch sind die Zutaten hierfür. Und zwei gekochte Eier für jeden.
Das Zubereiten des Salates war wie schon bei den „Spaghetti al dente“ auf primitiver Ebene. Den Kohl waschen? Womit? „Can you bring me please my bucket?“ fragt mich Marie. Was willst du? Ach deinen Eimer, den du immer zum Duschen verwendest. Ja wieso nicht. Ist ja auch nur Wasser drin. Ich fülle etwas Wasser hinein und gebe ihn ihr. „Oh the water is so clean“ sagt Marie lachend. „Stop complaining“ antworte ich ihr und sage ihr damit, dass sie aufhören soll sich zu beschweren. Ja, wir zwei verstehen uns sehr gut. Wir haben denselben Sarkasmus. So ist das Leben hier im Busch einfacher. Manch andere habe aber Probleme, wenn sie mit uns beiden zusammen sind. Könnte schon mal vorkommen, dass eine von uns ein Wort sagt und wir danach 5 Minuten lachen. Man erlebt hier halt doch einiges. Und wir verbringen 24 Stunden am Tag miteinander. Da lernt man den anderen kennen. Wie man sonst niemand kennenlernt.
20150203_192831 Marie wäscht den Salat im Eimer.
In der Zwischenzeit schneide ich die Tomaten, Zwiebeln und den Knoblauch. Ich schaue in unsere Schüssel. Ich schneide alle Zwiebeln, die wir haben hinein, ok? „Yes!“ Marie und ich, wir vermissen etwas rohe Zwiebeln. Oder Zwiebeln allgemein. So etwas gibt es in dem ghanaischen Essen nicht. Und wenn es doch drin ist, dann ist es so zerkocht, dass man nichts mehr schmeckt. Deshalb haben wir jetzt einen Berg Zwiebeln im Salat. Und viel Knoblauch. Ich lache und zeige Marie die großen Knoblauchstücke. Tja, Knoblauchpresse gibt es hier nicht. Und auch kein Schneidebrett. Und auch kein Schneidemesser (nur ein 30 Zentimeter Messer). Und auch keinen Tisch. Deshalb wird improvisiert.
20150203_192808 Ziemlich geschmacksintensiv wird der Salat.
„Can we put our mattress outside?“ fragt Marie Surazu, unseren Gastvater. Natürlich, aber ich fege erst. Bitte was? Seit wann ist das eine Arbeit für einen Mann. Normalerweise fegen die Töchter den Hof. Oder Marie und ich. Dann lachen aber alle. Aber Surazu? Ein Mann? Für uns Weiße werden wohl gern Traditionen über den Haufen geworfen.
20150203_192844 Mein Gastvater erledigt Frauenarbeit.
Wir kochen noch ein paar Eier. Für jeden zwei. Und ich mische die Sauce mit dem Salat. „And now you boil it?“ fragt mich Surazu. Marie und ich lachen. Nein, wir essen es roh. Marie hat schon mit mir geschimpft, weil ich während dem Zubereiten so viele Kohlblätter gegessen habe. Ein bisschen naschen gehört halt dazu. Aber da hat Surazu schon komisch geschaut. Wie kann ich das roh essen? Und nein, wir kochen den Salat nicht. Dann ist der Geschmack ja weg. Er kann rohen Salat nicht essen. Dann muss er sich übergeben. Komisch die Ghanaer. Können scharfes Essen zu sich nehmen, welches jeden europäischen Magen zerfetzt, aber Kohl? Roh? No way!
Aber Kubra, die Gastmutter, und Asganda, der jüngste Sohn von Surazu mit seiner zweiten Frau, bedienen sich gerne von unserem Salat. Auch, wenn sie etwas komisch schauen. Ungewohnter Geschmack.
20150203_192733 Kubra – meine Gastmutter
20150203_192745 das jüngste Familienmitglied
Danach setzen Marie und ich uns auf unsere Matratze. Dinner ist fertig.
20150203_192658 Unser Schlafplatz im Innenhof
20150203_192609 Das Abendessen ist fertig.
Ich glaube, es ist gut, dass wir draußen schlafen. So kann der Geruch von Zwiebeln und Knoblauch verfliegen. Aber ich habe den Salat genossen. Ja, ich weiß, eigentlich bezeichne ich Salat immer nur als Deko. Aber hier ist nunmal alles anders. Auch mein Essen.f

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Veröffentlicht in Ghana

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