Langbinsi way of life

19. Januar:
Es gibt Schulbänke für die Kinder! Dank einer kleinen Spende von meiner Oma konnte ich Bänke in Auftrag gegeben, habe den einheimischen Arbeiter unterstützt und den Kindern etwas Gutes getan. Die Schulbänke waren echt nötig, denn das Lernen auf dem Boden war kein Zustand. Nicht nur schlecht für den Zustand der Kleider, sondern auf für die Konzentration und die Gesundheit der Kinder. Auf dem Boden saßen sie nie in gesunden Positionen.
Erstaunlicherweise wurde diesmal extrem schnell gearbeitet. Ich hatte Surazu am Dienstag Abend zum Preis ausgefragt und ihm aber mitgeteilt, dass ich kein Geld habe und in die Stadt fahren muss, um am Geldautomaten Geld abzuheben, aber trotzdem hat er am nächsten Tag das Holz geholt und der Arbeiter hat angefangen zu bauen. Es war faszinierend so etwas in einem Land zu sehen, indem ohne Geld nichts läuft. Nach zwei Tagen waren die Bänke fertig. Unglaublich oder? Aber wahr.
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Die Kinder haben sich heute auf jeden Fall sehr gefreut „Thank you auntie!“ Und gemeinsam haben wir die Bänke in die Schule getragen.
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26. Januar:
Heute in der Mittagspause haben sie Kinder wie jeden Tag Fußball gespielt. Wasila hat sich verletzt und blutet. Kommt vor auf diesen Kieselsteinen. Marie fragt mich, ob ich die Wunde versorgen kann, wenn sie mir Verbandszeug bringt. Ist nicht gerade ihre Stärke sich eine Wunde anzuschauen. Und nachdem sie, wie ich, auch ein Problem mit einer Wunde hier in Ghana hatte, hat sie jetzt nach Weihnachten eine große Tasche mit Verbandszeug mitgebracht. Sogar Handschuhe waren drin! Also bin ich mit Wasila zum Haus gegangen und habe ihre Wunde versorgt. Surazu, mein Gastvater, wollte unbedingt, dass ich die Haut abschneide. Ich verstehe echt nicht wieso die hier immer an Wunden herumschneiden wollen. Habe ihm dann erklärt wieso man das nicht machen soll. Und wieso man nicht mit seinen dreckigen Finger in eine blutende Wunde langen soll. Was sagte Marie dazu „uuuh it’s really disgusting!“
image Arbeit als „Krankenschwester“
Danach habe ich angefangen die Rucksäcke von einigen Kindern auszubessern. Ja, Nähzeug habe ich und Löcher stopfen kann ich. Und fragt mich nicht was die hier mir ihren Rucksäcken machen. Die sind so zerstört. Mir soll kein Kind in Deutschland mehr sagen, dass ihr Rucksack zu alt und nicht mehr zu gebrauchen ist! Womit die hier herumlaufen! Eine andere Welt.
image Arbeit als Näherin
image Unterricht auf den neuen Bänken.
image The „big class“
Achja und dann war da noch Nicholas. Mein kleiner 3 jähriger Nachbar, der heute im Unterricht meinte einen Bleistift der Länge nach zerbrechen zu müssen. Aaah. Manchmal ist es echt schlimm. Die denken wir haben unendlich viel Geld und können dauernd alles kaufen. OF COURSE NOT. Also brauchte ich eine Strafe. Zunächst habe ich den gebrochenen Bleistift getaped (zusammengeklebt), was ich als Handballerin mit Allem mache und zweitens durfte er den restlichen Tag an einer Leine bei mir sein. Vielleicht findet ihr diese Strafe unmenschlich oder was auch immer. Aber hier ist es echt schwer die Kinder zu bestrafen, weil sie alles lustig finden, was wir uns ausdenken, denn es schmerzt nicht. Und da ich Schlagen ausschließe,  muss ich kreativ sein. Ich glaube die Strafe hat gewirkt. Am Anfang hat er noch gelacht, aber nicht mehr lange. Ich habe ihn noch nie so lange ruhig gesehen. Die ghanaische Lehrerin hat für mich übersetzt, damit Nicholas verstanden hat wieso er bestraft ist. Ich denke, er hat daraus gelernt.
image Nicholas an der Leine
Am Nachmittag sind Marie und ich ins Dorf gelaufen und auf dem Rückweg ist ein Auto verdammt nah an uns vorbeigerast. Und nicht nur an uns, sondern auch einer Mutter mit kleinen Schweinchen, die auf der Straße waren. Eines wurde mitgenommen. Bääm. Erst hat es noch gezappelt, doch als wir näher kamen war es schon tot. Tja, so ist das Leben. Letzte Woche konnte ich einem Babyhuhn zuschauen beim Sterben (weiß immer noch nicht warum, Surazu meinte „it’s because of the weather“), heute einem Schwein. Und ich bin jedes Mal sogar nah hin gegangen, um genau hinschauen zu können. Ghana härtet ab. Falls ich vorher noch nicht abgehärtet war.

Achja und dann war da noch Magid. Und Wusah. Magid kam heute mit einem kahlgeschorenen Kopf in die Schule. Marie und ich, wir mussten so lachen. Und wollten wissen wer das gemacht hat. In dieser Familie ist zur Zeit Wusah (13/14 Jahre alt) der Älteste im Haus. Der Vater ist gestorben, die Mutter in Kumasi, um Geld zu verdienen. Wäsche waschen oder sonst einen Service bei den reichen Familien im Süden verrichten. Der neue Mann der Mutter, hat ihren gemeinsamen Sohn, Godwin (3 Jahre alt), zu seiner Familie ins Nachbardorf genommen. Wusah ist also mit Magid, seinem Bruder, und mit Avugi (wurde von beiden Elternteilen verstoßen) allein im Haus. Wecken, Wasser holen und erhitzen, Essen besorgen, kochen und was man sonst noch so machen muss erledigt dieser Junge. Marie sagt immer er sieht so alt aus. Natürlich. Er hat Verpflichtungen auf sich, die manche europäische Männer nicht mal mit 20 tragen können. Er ist ein Vater, eine Mutter und er ist eine verdammt gute Mutter. Achja, Schüler ist er auch. Und schon dran gedacht, dass er auch noch ein Kind ist? Ja, so viel zu Wusah und Magid. Wusah hat uns dann aufgeklärt. Nach der Schule hat er Tommy zu sich genommen. Ist ein Junge aus seiner Nachbarschaft. Tommy hat er den Kopf gewaschen und dann „geschoren“. Anders kann man es nicht nennen.
image Allzweckgegenstand: die Rasierklinge
Ich wusste ja, dass die Ghanaer Rasierklingen für alles mögliche verwenden wie Nägel schneiden, aber dafür? Really? Zum Haare schneiden? Naja, Wusah hat es uns demonstriert. Und er hat es verdammt gut gemacht. Ohne einen Tropfen Blut. Auch, wenn Tommy ab und an etwas skeptisch dreingeschaut hat. Mein Kumpel in Deutschland schneidet sich öfter, obwohl er einen Rasierer verwendet zum Glatze rasieren. Wirklich, Wusah hat das erstaunlich gut gemeistert! Auch, wenn eine Glatze an einem Kind einfach komisch aussieht.
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Neue Schuhe für meine Gastschwester. Als ich sie aus meiner Tüte geholt habe, war ich geschockt von der grellen Farbe. So etwas gibt es hier nicht. Durch den Sand gibt es keine kräftigen Farben. Deshalb auf diesem Foto festgehalten: neue scheinende Schuhe auf dreckigen, sandigen Kinderfüßen.
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Veröffentlicht in Ghana

5 Gedanken zu “Langbinsi way of life

  1. Hallo Anne,
    einen schönen Blog hast du und mächtig Abriet scheint es in Afrika ja auch zu geben.
    Ich muss sagen, dass ich mir nicht all deine langen Artikel durchgelesen, sondern eher die Bilder angeschaut habe, aber die gefallen mir echt gut.

    Viel Spaß noch da drüben und bring ein wenig von dem schönen Fotowetter mit 😉

    lg Julia

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