Flusssafari auf dem schwarzen Volta – 25. Januar

Heute ist die Bootsfahrt auf dem Fluss „black Volta“ zu den Flusspferden dran.
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Um 7 Uhr verlassen wir das Camp und laufen los. Durch das trockene Land geht es bei Sonnenaufgang in Richtung Grenze. Grenze? Ja, der schwarze Volta bildet im Westen die Grenze zu Burkina Faso. Es ist kalt. Wirklich kalt. Ich habe meinen Pulli in Langbinsi vergessen und friere in meinem Top. Meine Hände und Füße sind ganz kalt. Ich glaube das ist das erste Mal, dass ich in Ghana kalte Hände habe. Wir bleiben bei ein paar Häusern stehen. Unser Guide verschwindet kurz und kommt kurz darauf mit den Info zurück, dass der Mann, der uns im Boot fahren sollte, krank ist. Wir sollen diesen Weg nehmen, er führt direkt zum Fluss. Er kommt nach. Alles klar. Hannah und ich laufen weit vor der restlichen Gruppe. Wir lauschen dem Vogelgezwitscher. Aus allen Richtungen hört man sie. Ganz unterschiedliche Töne. Es ist so entspannend. Ruhig.
20150125_190030 Bewässerung in Ghana
Schau mal da! Kleine Pflanzen, umrandet von Mauern aus Sand! Das sieht so aus, als würden sie diese Pflanzen hier gießen! Schau wie grün die sind. Das passt gar nicht ins Umfeld. Und tatsächlich ich hatte Recht. Kurz darauf kommen uns Frauen entgegen, die große Schüsseln mit Wasser auf dem Kopf tragen und mit einer Schöpfkelle zwischen den Pflanzen hindurch gehen und diese begießen. Hannah lacht. Das erste mal, dass wir in Ghana so etwas sehen. Pflanzen gießen.
20150125_190100 Das grüne Flussufer
Wir laufen weiter. Vor uns eine kleine Anhöhe. „Ich glaube dahinter ist der Fluss“ sage ich zu Hannah. Sie antwortet „Kann gut sein so grün wie die Büsche hier sind“. Wir hatten Recht. Vor uns erstreckt sich der breite Volta. Wie eine andere Welt. Das Ufer grün. Richtiger Uferwald. Ein schmaler Streifen, aber es ist Wald.
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Auf dem Fluss ist ein Fischer, der seine Netze einholt. Am Ufer gegenüber, in Burkina Faso, liegen viele Fischernetze im Gras. Gras. Das klingt so komisch. Hier sehe ich normal nur trockene Halme. Aber dort ist wirklich Gras. Zwei Frauen kommen ans Ufer und füllen ihre Schüsseln. Vermutlich nehmen sie dieses Wasser zum Gießen. Das Wasser aus dem Fluss ist nicht gut zum Trinken, aber reicht völlig, um die Pflanzen zu begießen. Es kommen immer mehr Frauen ans Ufer und füllen ihre Schüsseln. Der Mann in unserer Gruppe tritt einen Schritt vor und fragt eine Frau, ob er ihr helfen soll die Schüssel auf den Kopf zu heben. Die komplette Gruppe der Einheimischen fängt an zu lachen. Hat er das grad wirklich gefragt? Nicht wirklich? Was denkt der sich? Die machen das tagtäglich. Bitte! Hannah und ich drehen uns um, weil wir loslachen müssen. Echt peinlich. Eine Frau im Wasser stehend fängt an zu sprechen. Wohl die Chefin. Danach heben die Frauen nach und nach die Schüsseln auf den Kopf und machen sich auf den Weg.
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Irgendwann erscheint auch unser Guide. Wo ist der andere Bootsmann? Das fragst du uns? Du hast das organisiert. Er fährt mit einem Bootsmann auf die andere Seite vom Fluss. Als er zurückkommt ist auch der andere Mann da, wir verteilen uns auf die beiden Boote und fahren los. Wir gleiten über das Wasser. Aus dem Handy des Bootsmanns klingt traditionelle Musik. Ich atme tief ein. So entspannt. Diese Landschaft. Fantastisch. Und das Wasser. So ruhig. Nur langsam fließt das Wasser und ganz ohne Wellen, flussabwärts. Wir halten in der Nähe vom Ufer und warten auf das zweite Boot, in dem auch unser Guide sitzt. Die Musik verstummt. Als das andere Boot näher kommt sagt der Guide „there is a hippo!“ Was wo? Ich drehe mich um und tatsächlich. Etwa 20 Meter von uns entfernt liegt es in der Mitte vom Fluss an der Wasseroberfläche. Man sieht nur seine Augen bevor es wieder untertaucht.
20150125_190457 Flusspferde unweit vom Boot
Kurz darauf taucht ein kleineres auf. „It’s a mother with his baby“. Wow! Etwas später taucht noch ein drittes auf. Ich lege meine Kamera zur Seite und beobachte das sanfte Treiben. Immer wieder taucht der Kopf eines der Flusspferde auf und verschwindet kurz darauf wieder. Dann bleibt es still. Nur das Klicken der Kameras der beiden Holländerinnen ist noch zu hören. Sie müssten jetzt an die 100 Bilder von sich haben. In derselben Position. Sitzend im Boot. Ich schüttel nur den Kopf. Hannah lacht. Ja, ich liebe es zu fotografieren. Aber ich habe kein Aufmerksamkeitsdefizit wie die beiden. Schminken sich mitten im Busch und machen einen Fotokrieg auf dem Fluss. Wie ein Modelshooting. Ich kann nur den Kopf schütteln. So unpassend ist das hier.
Ich genieße die Aussicht. Und dann endlich auch die Flussgeräusche. Das Klicken verstummt. Wow. So viele unterschiedliche Tiergeräusche. Von beiden Seiten des Flusses. Von Ghana. Von Burkina Faso. Hier wurde mal eine natürliche Grenze als Staatsgrenze verwendet. Vernünftig. Die Vögel stört die Grenze nicht. Sie fliegen von einem Ufer an das andere. Und geben ein Konzert.
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Wir setzen uns wieder in Fahrt, denn weit vor uns haben wir die Tiere wieder entdeckt. Die Flusspferde sind weiter geschwommen. Während unser Bootsmann uns mit kräftigen Paddelschlägen voran bringt, sehen wir sie unsere drei Flusspferde spielen. Sie spritzen mit Wasser und eins reißt das Maul auf. Dort angekommen beobachten wir die Tiere noch eine Weile, bevor wir uns auf den Rückweg machen. Weiter flussabwärts gibt es eine große Gruppe an Flusspferden. Die ist aber zu weit weg für uns. Hier in dem Reservat leben etwa 30 Flusspferde. Die Männchen werden um die 3000kg schwer. Unvorstellbar diese Masse. Und unberechenbar diese Tiere. Sie gelten als die gefährlichsten Tiere Afrikas. Es gibt öfter tödliche Unfälle von Menschen mit Flusspferden als mit Raubkatzen. Vor allem Mütter mit Kindern sind aggressiv, wenn man eine Grenze überschreitet.
20150125_191202 Hannah und ich
Wieder zurück an Land wird ein abschließendes Foto gemacht bevor wir uns auf den Rückweg machen. Verdammt ist es heiß. Ja, sobald die Sonne richtig draußen ist, brennt sie auch schon wieder. Unerbärmlich. Zurück in der Unterkunft sagt uns der Guide, dass das Motoking uns um 10 Uhr abholen wird. Das ist in einer halben Stunde. Hannah und ich fluchen. Durch die ganzen Verzögerungen heute morgen sind wir so spät dran und wir haben einen weiten Rückweg. Erst nach Wechiau, dann Wa, dann Tamale, dann Walewale und bis nach Langbinsi werde ich heute wohl nicht mehr kommen. Ich soll im Dunkeln nicht reisen? Sorry, aber das ist unmöglich. Ja, es ist ein weiter Weg aus der upper west Region bis fast in das Gebiet der upper east Region, wo ich wohne.
In Wa fahren wir um 14:30 Uhr los. Hannah und ich rechnen mit 5 Stunden bis Tamale, „also halb 8 in Tamale“. Auf den Schlag um 19:30 Uhr kommen wir in Tamale an der Trostation an.
Die Nacht habe ich dann in Walewale verbracht, weil wir dort um 23 Uhr ankamen und eine Weiterfahrt nicht möglich war.

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