Mein Essen in Ghana und warum hier alle zunehmen

Meine Mutter hatte Angst, dass ihre Tochter in Ghana verhungern wird, weil sie eigentlich nichts anderes außer Fleisch liebt. Ja, ich übertreibe bisschen, aber so ähnlich war es.
Deshalb gibt es hier den Beitrag zu dem Thema „Essen in Ghana“. Für alle, die wie meine Mutter wissen wollen, was ich hier an Nahrung zu mir nehme und für alle, die wissen wollen womit man sich in Ghana ernähren kann.
Zunächst vorneweg. Es gibt in Ghana zwei Möglichkeiten sich zu ernähren. Die eine Möglichkeit ist, man geht in „teure“ Restaurants und Hotels und versorgt sich mit europäischem Essen. Dort bekommt man von Burger über Pizzen bis Salate alles. Allerdings zahlt man für ghanaische Verhältnisse viel dafür. Zwischen 6 und 10 Euro für eine Mahlzeit.
20150116_141210 Mein Luxus in Ghana: europäisches Essen
Die andere Möglichkeit ist ghanaisch zu essen. Das heißt nicht, dass man Essen auf der Straße kaufen muss. Man bekommt gute Mahlzeiten in Restaurants und zahlt 2-5€ für eine Mahlzeit mit Getränk. 2€ für Etwas ohne Fleisch, 4-5€ für die Mahlzeit mit Fleisch. Oder man bedient sich auf der Straße an den Ständen und zahlt 25-50 Cent für ein Essen.
Ich bekomme unter der Woche mein Essen ja in der Gastfamilie und ernähre mich somit die meiste Zeit traditionell ghanaisch. Am Wochenende gehe ich, wenn ich reise, gerne mal in ein Restaurant, um mal etwas Anderes zu essen oder, um wieder festzustellen wie Fleisch schmeckt. In meiner Gastfamilie hier im Norden gibt es kein Fleisch auf dem Speiseplan. Nicht aus irgendwelchen religiösen Gründen, sondern weil sie es sich schlichtweg nicht leisten können. Fleisch ist hier verdammt teuer. In meiner Gastfamilie im Süden gab es selten ein kleines Stück, aber seit ich Anfang Dezember in den Norden gezogen bin, gibt es absolut kein Fleisch. Auch Fisch nicht wirklich. Auch wenn die Suppen oft „fish-soup“ genannt worden, so schmeckt man lediglich den Fisch heraus. Zum Kauen ist da nichts dabei. Allgemein werden die Kaumuskeln hier wenig beansprucht. Das meiste Essen ist in teigähnlichem Zustand oder so lange gekocht, dass es so weich ist, dass man nicht mehr kauen braucht. Ich weiß, dass das lange Kochen sehr wichtig ist, damit alle Keime im Wasser abgetötet werden, aber dadurch verliert alles nicht nur an Konsistenz, sondern vor allem auch am Geschmack. Damit man dennoch etwas schmeckt wird hier alles gut mit Schärfe versetzt. Und manche von euch denken jetzt „aaah ich liebe scharf“, aber nein, nicht diese Schärfe. Sie überfordert jeden europäischen Magen. Wirklich. Auch meinen hat es in der ersten Woche zum rebellieren gebracht, so dass ich mich richtig krank gefühlt habe. Aber das war das einzige Mal hier in Ghana, dass ich „krank“ war. Denn der Magen gewöhnt sich an alles. Und Schärfe ist eigentlich gut für den Magen. Sie tötet alle Bakterien ab, die wir täglich einsammeln. Deshalb werden hier auch Kleinkinder mit scharfem Essen gefüttert.
Doch nun genug herumgeredet, hier die Bilder (ich entschuldige für die unscharfen Fotos, ich hatte aber nicht immer meine Spiegelreflexkamera bei der Hand):

Traditionell ghanaische Gerichte
1) Fufu
20150116_142757 Fufu – DAS Nationalgericht Ghanas
Fufu wird aus verschiedenen Zutaten zubereitet. Im Süden wird es meist aus „Yam“ (Süßkartoffel) und „Plantain“ (Kochbanane) zubereitet. Im Norden meist nur mit Yam oder mit Yam und „Cassava“ (Maniok, ähnlich wie Yam), da Plantain im Norden nicht wachsen und damit teurer und schwer zu bekommen sind. Dabei werden diese Zutaten mit einem speziellen Stampfer zu einem Teig gestampft. Hierbei wird eine bestimmte Technik verwendet.
Dieser Teig wird meist in einer Suppe oder Soße zubereitet, wie man es auch nennen mag. Dabei gibt es auch unterschiedliche Suppen, die serviert werden können. Mir ist vor allem die Fischsuppe und die Erdnusssuppe serviert worden. Dabei bevorzuge ich die Erdnusssuppe. In einem Restaurant wurde der Teig in einem extra Teller serviert. In Restaurants bekommt man Fufu auch mit Fleisch serviert. Ziege war vermutlich das traditionelle Fleisch, mit dem die Suppen zubereitet wurden. Ich bevorzuge Fufu mit Hühnchenfleisch.

2) Banku
20150116_142952
Sieht für euch vielleicht gleich wie Fufu aus, ist aber nicht dasselbe.
Banku wird aus Yam und Maismehl gemacht. Manche haben mir auch erzählt, dass Bohnen hineingehören. Banku wird ebenfalls gestampft, allerdings nicht so aufwendig wie Fufu, weshalb der Teig auch nicht so fein ist.

3) Red-Red
20150116_142128 Red-red
Red-Red wird aus frittierten Plantain und Bohnen zubereitet. Die frittierten Plantain haben einen süßlichen Geschmack und werden mit einem Bohneneintopf serviert. Die Kombination ist im Geschmack am Anfang ungewohnt, aber gut!

4) Boiled Yam
20150116_142006 gekochte Süßkartoffel mit Soße
Dieses simple Gericht besteht aus gekochtem Yam und einer Soße. Ich war der Meinung, dass es Tomatensoße ist bis zu dem Zeitpunkt als ich Tomaten vom Markt gekauft habe und festgestellt habe wie Tomaten wirklich schmecken. Sie bereiten diese Soße mit etwas Tomatenpulver oder Ähnlichem aus einer Konserve und viel Öl zu. Allgemein wird hier mit sehr viel Öl gekocht, womit so mancher europäische Magen auch seine Probleme hat.

5) Jollof Rice
20150116_141429 Jollof Rice with chicken
Ja, diese Fotos sind alle in Restaurants aufgenommen worden. Dieses Essen bekommt man so in keiner Familie. Aber da Ghanaer viel Reis essen und Jollof eine bestimmte Soße ist habe ich es hier mitaufgenommen in die traditionell ghanaischen Gerichte. Es ist mein Lieblingsessen Number one in Ghana – „Jollof Rice with chicken“. Auch wenn ich meine Portion so manches Mal nicht essen konnte, weil der Jollof Reis einfach zu scharf war. In meiner ersten Gastfamilie in der Ashanti-Region habe ich auch öfter Jollof Reis zubereitet bekommen. Zum Hühnchen, das ich in den Restaurants immer dazubestelle sage ich nur „ich hab noch nie so ein knuspriges Hähnchen gegessen“ (siehe Fotos linke Seite). Ein Traum.

6) Fried Rice
20150116_142057 Gebratener Reis mit Hühnchenfleisch
Gebratener Reis ist an jeder Ecke in Ghana zu bekommen. Meist sind kleine Stücke an Karotten und anderem Gemüse dabei. In Restaurants ist er meine zweite Wahl, wenn ich Angst habe, dass ich den Jollof Reis wegen der Schärfe nicht essen kann. Sowohl Jollof Reis als auch Fried Reis kann man in 1-Cedi-Portionen auf der Straße kaufen (25 Cent). Üblich ist hier, dass der Kunde sagt für wieviel Geld er einkaufen will. Die Portion für einen Cedi ist allerdings meistens groß genug.

7) Indomie
20150116_143420 Indomiiiiiiiiiiie
Indomie ist ein Fertiggericht, das im ganzen Land verkauft wird. Gerne werden noch gebratene Eier dazugemischt. Man kann es ebenfalls für wenig Geld auf der Straße kaufen. Ich liiiiiiebe Indomie. Das Bild sagt alles. FAST alles. Indomie sind scharfe Spaghetti, damit ihr wisst was ich meine.

Mein Frühstück
Frühstück in Ghana heißt Weißbrot mit Tee. Ja trockenes Brot. Und Weißbrot das so süß ist, dass du dich nicht wunderst wieso du zunimmst. Es gibt es ebenfalls an jeder Ecke günstig zu kaufen.
In Hotels bekommt man normalerweise zu dem Brot eine Mischung aus Spiegelei und Rührei serviert. Wenn es ein besseres Hotel ist, dann wird das Brot auch getoastet.
20150116_141555 Luxus Frühstück in Ghana
In meiner ersten Gastfamilie gab es zu den zwei Scheiben Brot (stellt euch keine deutschen Scheiben vor, die hier sind riiiiiesig) jeden zweiten Tag ein „Omelett“ dazu.
In meiner Gastfamilie im Norden bekomme ich nur Brot, bin aber auf die Idee gekommen im Supermarkt Marmelade zu kaufen. So schmeckt es nach noch mehr nach Zucker ich weiß. Und einmal habe ich mit einer Freundin eine Ananas gekauft. Dann gab es Marmeladenbrot und Ananas zum Frühstück (siehe rechtes Bild). Und Tee selbstverständlich. Der darf nie fehlen in Ghana.

Mein Mittagessen
Unsere Organisation verpflichtet unsere Gasteltern nur dazu uns Frühstück und Abendessen zu servieren. Für das Mittagessen dürfen wir uns selbst kümmern. In meiner Gastfamilie in der Ashanti-Region habe ich manchmal nichts zu Mittag gegessen, weil ich in der Hitze einfach keinen Hunger hatte. Irgendwann habe ich angefangen jeden Mittag mir eine Ananas mit den beiden Schweizerinnen zu teilen.
20150116_144740 Ananas schmecken in Ghana ganz anders.
Ananas haben wir überall bekommen. Egal wo wir gereist sind. Und mit meinem Schweizer XL-Taschenmesser habe ich sie auch überall zuschneiden können.
In meiner aktuellen Gastfamilie bekomme ich eine warme Mahlzeit zum Mittagessen. Genau wie Abends. Meistens ist ein Reisgericht.
IMG_8814Reis mit Soße
20150116_143016„Riceball“ also auch Reis mit Soße
Oder Wasserreis. Quasi Milchreis ohne Milch.
Oder es gibt Indomie.

Mein Abendessen
Zum Abendessen gibt es die oben aufgeführten Gerichte.
In meiner ersten Gastfamilie Fufu, Red-Red und oft entweder Reis oder Spaghetti mit Gemüse. Gemüse wegen Rabea. Weil sie Gemüse liebt. Ab und an eben auch Jollof Reis mit Gemüse. Daneben seht ihr Saft. Da hatte ich mir mal was gegönnt.
20150116_142852 Jollof Reis mit Salat und einem Würstchen
In meiner aktuellen Gastfamilie gibt es abends Fufu, Banku, Yam, Indomie, Riceball, Bohneneintopf (quasi Bohnen in Öl), „Milchreis“ oder Reis mit Soße.

Was ich sonst so esse
Was ich sonst so esse sind alles Lebensmittel, die ich auf der Straße kaufe. Von Frauen, die einen Teller mit Eiern oder eine Box mit Teigtaschen oder Orangen tragen. Und nein man stirbt nicht, wenn man das Essen auf der Straße kauft. Ein abgehärteter Magen hilft aber sich gegen die Keime zu schützen. Problem sind in Ghana nur Typhus und die Cholera-Epidemie. Aber auch das kann man heilen.
20150116_141812 Orangen
Ab und an kaufe ich mir auch aus Südafrika importierte Äpfel. Schmecken echt gut! Und fragt nicht seit wann ich so viel Obst esse 😀
20150116_142548 Teigtasche
20150116_142210 Eier
20150116_144933 Eis
20150116_141852 frittierter „Käse“
20150116_141710Kokosnüsse in allen Varianten: frisch, alt, geschält

Jetzt wisst ihr Bescheid 😉
Ach und ihr wisst ja – gegessen wird mit den Fingern. Aber nur mit der rechten Hand! Lediglich Indomie esse ich mit einer Gabel. Habe es noch nie probiert mit Fingern zu essen, weil ich immer eine Gabel dazu bekommen habe.
Immer noch Fragen offen zum Thema Essen? -> Rein in die Kommentare!

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2 Gedanken zu “Mein Essen in Ghana und warum hier alle zunehmen

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