Marketday – 15/1/15 – 15. Januar

Markttag. Das Highlight in der Woche in unserem Dorf. Alle drei Tage ist Markttag. Auch Lena und ich gehen gerne auf den Markt. Aber am liebsten nur zu zweit. Dann bummeln wir gemütlich zwischen den Ständen durch, bewundern die farbenfrohen Stoffe, schauen, ob es neue Perlenenketten gibt, weichen Motorbikes aus, bleiben an kuriosen Ständen stehen und fragen die Verkäufer was dies oder jenes ist und wofür es genutzt wird. Und manchmal beobachten wir einfach nur das rege Treiben. Wenn eine Ghanaerin mitkommt, zum Beispiel eine Krankenschwester aus der Klinik, wo Lena arbeitet, dann läuft das anders ab. „What do you need?“ Zuerst fragt sie uns, was wir kaufen wollen und zieht uns dann in einem Tempo über den Markt. Hier kannst du ein Schloss kaufen, hier Kekse, da den Stoff und dort die Sojabohnen. Wenn alles gekauft wurde geht es wieder zurück. Natürlich bin ich ihr auch dankbar, weil sie das ein oder andere Mal einen guten Preis ausgehandelt hat, den ich als weiße Frau nie bekommen hätte. Denn hier in Ghana hängt der Preis davon ab wer du bist. Einheimische Frauen bekommen in der Regel den niedrigsten Preis. Denn Frauen haben normalerweise kein Geld oder nur das, was die Männer ihnen zum Einkaufen geben. Arbeiter, vor allem Männer, zahlen einen etwas höheren Preis, denn sie verdienen etwas und haben somit Geld. Und dann kommen wir Salamingas von denen mindestens der doppelte Preis verlangt wird. Ja, es ist offensichtlich, dass wir Geld haben. Allein deshalb, weil unsere Haut weiß ist. Manchmal ist das ziemlich anstrengend, weil man permanent das Gefühl hat abgezockt zu werden. Andererseits denke ich manchmal, dass dieses System eigentlich ziemlich gerecht ist. Jeder zahlt das was er sich leisten kann.
Zurück zum Markt. Heute wollte ich mal wieder entspannt über den Markt laufen. Da Lena wieder mit Hamdia darüber laufen wollte, habe ich mich allein aufgemacht. Kurz vor dem Markt begegnet mir Salima, eine meiner Schülerinnen. Sie verkauft Tomaten. Ich kaufe welche für 50 Pesseos. Sie füllt mehr und mehr in eine Tüte. Really? So viele? Ok, die Frau auf dem Markt hat mir das letzte Mal wesentlich weniger dafür gegeben. Ich laufe weiter. Kurze Zeit später merke ich, dass Salima und Sueba (auch meine Schülerin) mir folgen. Sie führen mich hier und dorthin, sagen „buy this“ und kaufe jenes. Manches kaufe ich. Aber müsst ihr nicht schauen, dass ihr euer Zeug vom Kopf verkauft? Ich bleibe an einem Stand stehen und schaue was dort alles auf dem Tisch liegt. „What do you want to buy?“ Sobald man hier irgendwo stehen bleibt, glauben die Leute sofort, dass man etwas kaufen muss. Dabei muss man erst mal stehen bleiben um alles sehen zu können was sie ausgebreitet haben. So viel ist das. Ich erkläre der Frau, dass ich nur gucken will. „You do windowshopping?“ Ich bejahe ihre Frage und muss lachen. Hier, in diesem Dorf ohne wirkliche Fenster, auf dem Markt mit Holztischen gefüllt bis zum umkippen kennen die Leute das Wort „windowshopping“. Es klingt falsch. Aber ja, das mache ich hier auf dem Markt.
Ich kaufe noch ein kleines Täschchen, welches die Frau mir bei letzten Mal für 4 Cedi verkaufen wollte, für 2 Cedi. Nur, weil die beiden Mädchen für mich gefragt haben. Ganz schön praktisch.

Später am Abend…
Ich liege auf meiner Matratze und mache es mir für die Nacht gemütlich. Stromausfall. Es ist stockdunkel. Ich schalte mein Handy aus, weil das Licht zu viele Tiere anzieht. Aaah was ist das? Der Baum hinter der Mauer leuchtet plötzlich hell auf! Feuer!
Erster Gedanke: gleich brennt das Haus!
Dann verfinstert sich mein Blick.
Zweiter Gedanke: Surazu verbrennt die Sägespäne.
Ich stehe auf und schaue nach. Selbstverständlich. Richtig getippt. Das Feuer lodert hell. Direkt unter dem Baum. Die Sägespäne, die heute beim Bau der Schulbänke entstanden sind hat Surazu angezündet. Ich versteh das nicht. Zwischen dem Baum und der Mauer vom Hof. Hätte man das ganze nicht etwas weiter weg verbrennen können? Nein, hätte man nicht. Denn da lagen die Holzspäne. Und alles wird immer an Ort und Stelle verbrannt. Für mich unerklärlich. Und abartig gefährlich. Das Land ist so trocken und dieses vertrocknete Gras, das die Landschaft prägt, brennt wie Zunder. Unerklärlich wie die Leute hier immer alles abbrennen ohne dass es größere Schäden gibt. Unerklärlich wie diese Brände, die manchmal ganze Felder einnehmen, einfach stoppen. Ohne Feuerwehreinsätze. Und ohne Regen. Unerklärlich.
But „It’s Ghana!“

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Veröffentlicht in Ghana

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