„Because of the weather“ – Harmattan-season im Norden Ghanas

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Hab heute beim Abendessen mich bei Surazu über meine Kinder beklagt. Darüber, dass sie spät kamen. Und nein, ich beklage mich hier nicht über die fehlende deutsche Pünktlichkeit. Es geht nicht um 5 Minuten. Ich wollte hier echt nicht stressen oder so. Oder die überpünktliche Deutsche spielen. Nein sicher nicht. Aber nach zwei Wochen Warten wollte ich mal bei meinem Gastvater nachhaken.
– Wann fängt die Schule an?
– Um 8 müssen die Kinder im Klassenzimmer sein.
– Um 8 waren Miftaw und Magid da.
Lachen
– Um 9 habe ich mit 11 Kindern die Zähne geputzt und danach mit 13 Kindern die Versammlung gemacht.
Lachen
– Dann habe ich angefangen zu unterrichten. Um 10 Uhr waren es 20 Kinder.
Lachen
– Das ist nicht lustig! Ist ganz schön schwer so zu unterrichten!
– „You know, it’s because of the weather!“
Die Ausrede sollte man mal in einer deutschen Schule bringen. Die Sonne scheint den ganzen Tag, aber ich komm 2 Stunden später. Das Wetter ist Schuld. Ein Versuch wäre es wert. Nein sicher nicht.
Zurück in meinen Alltag. Anderes Land – andere Welt.
Hier sterben die Hühner der Reihe nach „because of the weather“.
Hier leiden alle bei 30 Grad und mehr an einer Erkältung „because of the weather“.
Hier sieht man monatelang weder Wolken noch blauen Himmel „because of the weather“.
Hier stehe ich vor den Einheimischen auf „because of the weather“.
In der Regenzeit wachen die Leute hier zwischen 5 und 6 Uhr auf. Da beginnt der Tag dann mit duschen und, wenn etwas da ist, Frühstück. Aber jetzt, in der dry-season (hier auch gerne cold-season genannt), wachen sie erst gegen 7 Uhr oder später auf. Nein, Wecker gibt es hier nicht. Man steht auf, wenn man wach ist. Auch ich. Ich stehe seit 90 Tagen auf, wenn ich aufwache. Ich habe noch nie verschlafen. Also, dass ich zu spät in die Schule gehe. Aber hier gibt es eh kein „zu spät“. Der Tag beginnt, wenn man aufsteht. Die Arbeit beginnt, wenn man da ist. Die Schule beginnt, wenn man da ist. Und wenn man in der Trockenzeit zwei Stunden später aufwacht, dann ist man halt auch zwei Stunden später in der Schule. So ist das halt. Da kann mir auch Surazu nicht weiterhelfen. Während dem Gespräch hat er die meiste Zeit gelacht und wenn er nicht gerade gelacht hat, hat er „it’s because of the weather“ gesagt. Ja, das hab ich jetzt verstanden. Auf jeden Fall habe ich heute bis 13 Uhr und nicht wie normalerweise bis 12 Uhr unterrichtet. Hab ihm erklärt „you know, it’s because of the weather“!

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Veröffentlicht in Ghana

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