Mit Eskorte an Palmenstränden entlang wandern – 30. Dezember

Nach dem Frühstück bin ich heute direkt mit meinem Rucksack auf dem Rücken zum Kap gelaufen.
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Cape three points. Ghanas südlichster Punkt. Ein Leuchtturm auf einem Felsen. Palmenmeer ringsherum. Der weite Ozean vor mir.
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Links von mir die weiten Buchten, die ich gestern entlang gelaufen bin. Rechts von mir eine weitläufige Bucht, die ich heute entlang laufen werde. Und der dichte Wald. Das letzte Stück echter Küstenwald in Ghana.
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Na dann man los. Die Treppen wieder hinunter. Nichts für Leute mit Höhenangst. Und ab ins Dorf zurück. Wo kann ich hier Wasser kaufen. 4 Packungen Wasser gelauft und los. Durch die verwinkelten Wege zwischen den kleinen Hütten hindurchgelaufen. Der Strand vor mir.
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Ich liebe es. Barfuß. Im Sand. Im Meer. Mit dem Rucksack auf dem Rücken. Da vorne muss ich dann nur den Weg hoch finden. An den Felsen kann ich die Landzunge nicht überqueren. Da vorne kommen immer wieder Einheimische aus dem Busch heraus. Den Weg muss ich auch nehmen. Eine Frau fragt mich wo ich hingehen will und sagt mir dann, dass dodt ein Buschpfad entlang geht. Den will ich nehmen. Ich fange an meine Joggingschuhe wieder anzuziehen. „Don’t put them on – there is water!“ Ah tatsächlich. Dort im Wald gleich ist ein kleiner Bach. „Hurry, you can go with my sister!“ Ich durchquere das Wasser, ziehe meine Schuhe an und folge der Frau. Baby auf dem Rücken. 4 Fufu Stampfer auf dem Kopf. Sie kann kein Wort englisch. Spricht aber ununterbrochen in ihrer Sprache mit mir. Es geht bergauf. Sie zieht ihre Flipflops aus und läuft barfuß weiter. Wow. Auf den kleinen Steinen muss das doch wehtun. Ich laufe in Joggingschuhen.
Sie hält sich mit einer Hand an den Grashalmen am Rand vom Weg fest. Ich hinter ihr. Sie rudert mit den Armen. Ich stütze sie von hinten an ihrer Schulter. Sie murmelt etwas. Klingt wie danke. Ich lache. So laufen wir durch den Wald. Der Pfad wird immer enger. Meine Unterschenkel werden komplett aufgekratzt. Lange Hose wäre gut gewesen. Pech, Augen zu und durch. Mittlerweile bleibe ich ab und zu auch mit meinem Rucksack hängen, weil das Gebüsch vielleicht 10 Zentimeter Platz lässt für den Weg. Gu wenig für mich. An einer Kreuzung versucht sie mir etwas zu erklären. Ich soll dort lang. Alles klar. Danke. Ich gebe ihr einen Cedi. Sie stellt ihre Stöcke ab und folgt mir den Weg. Immer wieder ruft sie etwas laut. Keine Antwort. Wir kommen an eine Lichtung. Hier wird etwas verbrannt. Mitten im Wald. Eine andere Frau. Die beiden unterhalten sich angeregt. Dann kommt ein Kind hinzu. Ein Junge. Er trägt ein Bündel Holz auf dem Kopf. Wow, jemand der englisch spricht. Er sagt zu mir „follow me“. Also drehe ich mich um und laufe denselben Weg wieder zurück. Eine andere Frau und ein Kind schließen sich an. An der Kreuzung versucht mich der Junge zu überzeugen, dass ich mit ihm zurück nach Cape three points laufen soll. Aber nein, von da komme ich. Aber in meine Richtung soll es gefährlich sein. Aha. Und wenn ich mit der Frau wieder weiterlaufe? Ja, is ok. Er läuft noch einige Meter mit und sagt mir dann, bevor er umdreht, dass ich mein Geld in die Schuhe stecken soll. Bitte was? Ein Kind sagt mir das? Wow. Also packe ich all mein Geld in BH, bedanke mich bei dem verantwortungsbewussten Jungen und folge wieder der Frau. Sie brabbelt ununterbrochen. Ich hänge meinen Gedanken nach. Ist wohl gut, dass sie spricht. Dann denkt niemand, dass hier ein Ausländer unterwegs ist. Ein Mann kommt uns entgegen. Auch er versucht mich erst zum Umdrehen überzeugen bevor er seinen Ast ablegt und mich begleitet. Ich überhole die Frau. Der Mann hat ein ordentliches Tempo drauf. Auch hier ist der Weg eng. Er schlägt immer wieder mit seiner Machete einige Äste ab. Nach einer halben Ewigkeit öffnet sich die Fläche vor uns. Wow. Wald. Nur Wald. Auf und ab. Wir biegen nach links ab und laufen den Berg hinab. Ich höre Wellenrauschen. Endlich. Endlich wieder das Meer. Und endlose Sandstrände. Atemberaubend. Und wieso sollte ich hier nicht lang dürfen? Ein Dorf liegt vor uns. Der Mann meint ich soll von hier ein Tro nach Cape three points nehmen. Aber ich will doch laufen. Wieso kann ich nicht laufen? Da am Strand? Ein Mann kommt uns entgegen. Die beiden unterhalten sich. Dann sagt der Mann, dass der andere mich begleiten wird. Er geht jetzt zurück. Alles klar. Mein neuer Begleiter fragt mir wieso ich nicht mit dem Auto fahre. Habe ich nicht genug Geld? So sehe ich wahrscheinlich aus. Ich will einfach am Strand entlang laufen. Es gibt nichts Schöneres. Wieso versteht mich keiner? Andere Männer kommen hinzu. Einer meint, dass dort vorne Leute oft überfallen werden. Ob sein Freund mich begleiten darf? Wenn er Zeit hat gerne. Natürlich hat er Zeit. Also laufe ich mit dem Mann am Strand am Dorf vorbei. Vor einem kleinen Hügel schließen sich weitere drei Männer an. Wir gehen den Hügel hoch. Links von mir eine kleine Ruine. Es geht wieder bergab. Vor mir sehe ich gerade noch drei Männer in der Kurve verschwinden. Der eine Mann erklärt mir, dass das die bösen Männer sind.
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Nachdem ich den nächsten Strandabschnitt bewundert habe und meine „Eskorte“ nach Erlaubnis gebeten habe meine Kamera herausholen zu dürfen um ein paar Fotos zu machen, hake ich nach. Die drei angeblichen Vebrecher laufen nun in großen Abstand vor uns im Palmenwald. Diese drei sind also die, die Touristen überfallen? -Yes. Und alle wissen das? -Yes. Und wieso macht die Polizei nichts? -Die kommt nicht in dieses Dorf. Die Straße ist zu schlecht. Alles klar. Man muss nicht alles verstehen. Ich denke an die Männer vor mir. Die kleiden sich genauso wie meine Begleiter. Wer garantiert mir, dass meine Begleiter nicht Verbrecher sind? Mein Bauchgefühl.
IMG_8483 meine Begleiter
Einer der Männer unterhält sich mit mir. Smalltalk. Den ich auswendig kenne.
„Are you married?“
„No“
„Why?“
Keine Ahnung wieso. Weil ich noch jung bin. Weil ich erst studiert hab. Spar dir deine Frage. Odsr ich dreh den Spieß um. „Are YOU married?“
„No.“
„Why?“ frage ich und lache.
Er zögert erst und dann „because I want to marry you“. Ja nee, ist klar. Hat wohl nicht funktioniert mein Spiel. Blöd. Danach versuchen es noch die anderen drei Männer mit Heiratsanträgen bei mir während wir an diesem traumhaften Sandstrand entlang laufen. Ich im Wasser. Mit dem Rucksack auf dem Rücken. (Selbstverständlich wollten alle den Rucksack für mich tragen. Bin aber groß und kann das selber.) Die Männer laufen oberhalb im trockenen Sand. Links von mir das weite Meer. Rechts von mir der Palmenwald. Einer der Männer sagt, dass er jemand aus Princesstown angerufen hat. Der wird mich am Ende vom Strand abholen. Oh, danke. Ja die Verbrecher sind nämlich da in den Büschen. Interessant. Also werde ich am Ende von dem Strandabschnitt erneut übergeben. Ich bedanke mich bei meinen netten Männern und laufe weiter. Ob ich auf die Festung will? Ist ne deutsche Festung oder? Ja wieso nicht. Kann man da schlafen? Ja! Na dann nix wie hin. Kurz bevor der Weg ins Dorf „Princesstown“ führt, biegen wir links ab und laufen den Hügel hinauf.
wpid-20141230_213530.jpg Groß-Friedrichsburg
Und auf die Festung hoch. Ein älterer Mann sitzt dort. Mit Brille. Er sieht deutsch aus. Er heißt Hans. Während mein Begleiter den Besitzer dieser Unterkunft versucht zu erreichen, unterhalte ich mit schon mit dem Mann angeregt. Er ist in 3 Jahren durch 24 Länder Afrikas gereist. Wow. Interessante Geschichten.
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Die Aussicht von der Burg? Atemberaubend! Die Sicht Richtung Westen bringt einen weiteren endlosen Strand zum Vorschein. Unterbrochen von einer Flussmündung. Wir laufen durch das Dorf dorthin. Ein deutscher Junge sitzt unter einer Palme. Kannst du auf unsere Sachen aufpassen? (Meine Kamera einem Fremden anvertraut). Und schon schwimmen wir durch dieses Delta. Die Strömung ist ganz schön stark. Aber man kann fast die komplette Strecke durch stehen. Am anderen Ende laufen wir weiter. Er fragt wie es mir gefällt. Wie es mir hier gefällt? Moment. Links von mir das Meer. Unter mir feinsandiger Strand. Rechts von mir Palmen so weit das Auge reicht. Vor mir der endlos weite Strand. Ähm, ja wirklich traumhaft. Oder besser gesagt – mir fehlen die Worte! Die Deutschen haben sich echt eine traumhafte Lage für ihre Festung ausgesucht. Es ist übrigens die einzige Deutsche in Ghana. Wurde selbstverständlich auch als Slavenburg verwendet. Aber die Lage – fantastisch!
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Nur das Meer ist für mich nicht optimal. Vom Schwimmen kann man hier echt nur träumen. Also richtig schwimmen meine ich. Die Wellen sind riesig. Kurz vor dem Ufer muss eine tiefe Abbruchkante im Wasser sein. Auf dem Rückweg laufe ich etwas ins Meer hinein. Das Wasser geht mir bis zur Hüfte. Eine Welle kommt. Die Welle reißt mir den Boden unter den Füßen weg und das Wasser geht mir nach der Welle bis zum Hals. Ich kämpfe mit der nächsten Welle wieder Richtung Ufer. Der Sog hinaus auf’s Meer ist extrem. So etwas habe ich noch nie erlebt. Hans meinte nachher, er hatte sich schon auf eine Rettungsaktion vorbereitet. Ich musste lachen. Nein, ich war mir der Gefahr bewusst. Ich wollte nur das Meer spüren. Die Kraft des Ozeans. In solchen Momenten wird einem bewusst wie klein man ist. Und man spürt die Natur. In vollen Zügen.
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So sitze ich jetzt hier auf der Burg, schaue hinunter auf den Strand und sehe die Sonne untergehen. Neben mir die Matratze. Ja ich schlafe draußen. Wurde mir zugewiesen. Perfekt für mich!
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Ich denke zurück. Was für ein Tag. Überfallen wollten mich welche. Auch wenn Hans meinte, dass sie vor mir Angst gehabt hätten. You never know. Und erst vor kurzem wurden hier Touristen überfallen. Mir hat dieser Tag wiedereinmal gezeigt wie freundlich die Menschen hier in Ghana sind. Auf der gesamten Strecke an der Küste entlang von Cape three points bis nach Princesstown wurde ich von Einheimischen begleitet. Für nichts. Einfach nur, weil sie mich vor ihren Landesgenossen beschützen wollten.
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Danke!

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Veröffentlicht in Ghana

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