Mein Geburtstag im Paradies – 27. Dezember

Also zunächst einmal danke liebes Wetter, dass du es endlich mal in meiner Heimat an meinem Geburtstag schneien lassen hast. Nur leider war ich weit weg von meinem geliebten Schnee.
Nämlich hier. Im Paradies.
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Ich wache auf. Licht fällt ins Zimmer. Wellenrauschen.
Ich stehe auf. Da ist das Meer. Erst mal eine Runde joggen gehen. Die Sonne ist schon am Horizont zu sehen. Aber die Luft ist noch angenehm. Es läuft sich gut im Sand. Danach ins Meer. Schön angenehm die Temperatur.
In der Hängematte den Blogeintrag vom Vortag geschrieben.
Ich habe ja schon gestern Abend festgestellt wieviele Menschen hier sind und da ich Menschenmassen nicht leiden kann, habe ich beschlossen in die nächste Bucht zu laufen. Am Strand entlang.
Ich packe nicht mehr als meine Kamera ein und mache mich auf den Weg. Das Meer umspült meine Füße. Der Himmel ist vom Dunst überzogen. Die Sonne brennt also nicht zu sehr. Ich bin am Ende vom Strandabschnitt angekommen.
wpid-img_7918.jpg Blumen im Sand
Und jetzt? An der Küste auf den Steinen weiter? Oder doch lieber die Anhöhe hoch. Es hieß man gelange über Steintreppen nach Butre. So heißt das nächste Dorf. Da sind Steine. Und da steht irgendwas. Ich kann nur „hell“ verstehen. Hölle klingt gut. Also mache ich mich an den Aufstieg. Ein paar Treppen passiere ich auch noch. Ein Mann arbeitet an dem Weg. Mit einfachem Werkzeug schlägt er die Treppen aus Stein. Harte Arbeit. Bei der Hitze. Nach einer kurzen Begrüßung verlangt er mir 2 Cedi für den Weg. Normal hasse ich solche Abzocke. Aber sonst sitzen die Männer, die das Geld verlangen auch in einem Büro und machen nichts. Aber der hier arbeitet wirklich. Ihm gebe ich gerne die verlangten 50 Cent. Er hat nicht mal richtige Kleidung. Er möchte mir den Weg zeigen? Ach ich glaube das finde ich auch so. Er macht das mit allen Gästen. Schon ok, ich möchte dich nicht vom arbeiten abhalten. Also erklärt er mir den Weg. Nach einigen Kurven drehe ich mich um und genieße den wunderschönen Ausblick auf die Bucht von Busua.
wpid-img_7926.jpg Die Bucht von Busua.
Danach laufe ich weiter. Hier entlang? Sicher? In den Wald rein? Vielleicht hätte ich ihn doch bitten sollen mir den Weg zu zeigen. Nein, ich lauf einfach mal los. Wird schon passen. Ah hier sind die Strommasten. Jetzt weiß ich was er mit „follow the line“ gemeint hat.
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Ich blicke auf die weiten Wälder im Hinterland. Grenzenlos grün. Faszinierend.
wpid-img_7948.jpg Wald soweit das Auge reicht
Dort vorne geht es bergab. Und – wow. Das ist dann wohl Butre. Daaaaas ist ein langer Strand. Und so viele Palmen.
wpid-img_7952.jpg Die Bucht von Butre
Ich laufe durchs Dorf. Kinder rufen hinter mir. Ich kaufe Wasser.
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Ein Mann spricht mich an. Ob ich eine Bootstour machen möchte? Dort kann ich Krokodile und Affen sehen. Idiot. Dafür ist es schon viel zu spät. Die kommen früh morgens raus. Aber sicher nicht in der Mittagshitze. Aber ich möchte trotzdem eine kleine Tour auf dem Fluss machen. 25 Cedi eine Stunde. Habe zwei Stunden für 30 Cedi ausgehandelt.
wpid-img_7966-1.jpg Kinder spielen im Meer
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Über eine Brücke geht es auf die andere Seite vom Fluss von wo aus wir starten. Ich setze mich nach vorne. Wow das schaukelt aber ordentlich. Ah was ist denn am Fuße von dem großen Baum?
wpid-img_7972.jpg das Flussufer
Die Müllhalde. Mitten in der Natur. Ja nichts ungewöhnliches hier. Vorne steht ein Junge im Wasser und wirft sein Fischernetz immer wieder aus. Am Ufer sieht man die Wurzeln der Mangobäume, die bis ins Wasser reichen. Vögel fliegen von einem ans andere Ufer. Ah, meine Mama wollte Fotos von Vögeln sehen. Bis jetzt habe ich hier nicht viele Vögel, abgesehen von Tauben, gesehen. Ein, zwei Ufertiere erwische ich.
wpid-img_8029-1.jpg ein Foto für meine Mama
Wir steuern gerade auf einen Baum zu. Das mit dem Steuern hat der Mann noch nicht gelernt oder? Ducken und ab durch den Busch.
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Wir fahren am Ufer entlang, denn dort ist die Strömung nicht so stark. Ich trinke mein Wasser leer und klemme das Plastik an meine Tasche. „You can throw it in the water!“ Was? Erst habe ich ihn nicht richtig verstanden. Aber ganz sicher nicht. Doch es ist ok, das Wasser trägt es dann. Und dann? Dann landet der Müll im Meer. Oh man. Immer dasselbe. Umweltbewusstsein ist hier wirklich ein Fremdwort.
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Ich entdecke einige Krabben, die die Wurzeln hinauf klettern. Grell leuchtend. Damit man sie gut erkennt. Der Mann paddelt in die Mitte vom Fluss und wartet, dass die Strömung uns dreht. „It’s time to go back“. Jaja, ihr macht nie etwas auf Zeit. Habt für alles alle Zeit der Welt. Aber wenn es um etwas mit uns geht, dann auf die Minute genau. Ich glaube ihm. Bin ohne Handy und Uhr unterwegs. Uhren stehlen uns nur die Zeit. Und stressen uns unnötig.
wpid-img_8011.jpg die Wurzeln der Mangobäume
Den Rückweg meistern wir in der Mitte vom Fluss. Die Strömung trägt uns. Bis ins Delta. Dann kommt uns die Flut entgegen. Das Meer treibt die Wellen den Fluss aufwärts. Er muss wieder paddeln. Zwei mal laufen wir auf Sand. Quasi mitten im Fluss. Er schiebt uns jedes Mal wieder raus. Angekommen am Ufer schaue ich hoch. Die Sonne ist noch nicht am höchsten Punkt. Ich habe also noch genug Zeit.
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Ich laufe durch den Sand ans Meer. Da vorne der Felsen. Bis dahin schaffe ich es bestimmt. Und von dort kann man bestimmt in die nächste Bucht schauen. Ich schlender durchs Wasser. Drei Männer kommen mir entgegen. Einer spricht mich an „I like to talk to you“. Wie ich diesen Spruch hasse. Er ist einfach dumm. Sprich, wenn du was sagen willst. Er dreht um und läuft mit mir mit. „What are you doing here?“ Siehst du es nicht? Ich laufe am Strand entlang. „Alone?“, nee nicht alleine. Siehst du da das Meer? Das begleitet mich. Und meine Kamera. Die ist mein Baby. Und mein treuer Begleiter. Begleitet mich überall hin. Also ich bin nicht allein. „I can walk with you“. Schön für dich. Ich bevorzuge es aber ohne dich weiterzulaufen. Ja wirklich. Ich mag Menschen wie dich nicht. Ich mag Leute nicht, die nur sagen was sie mit mir machen wollen aber nicht fragen können, ob ich das überhaupt auch will. Er dreht ab.
Ich genieße das Laufen im Sand. Barfuß. Den Sand spüren. Das Meer. Es gibt nichts schöneres. Ich liebe Strandspaziergänge.
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Da Muscheln. Große. Solche habe ich noch nie gesehen. Ich mache eine Pause und renne ins kühle Nass.
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Das Meer ist hier viel aufbrausender als in Busua. Größere Wellen. Und die Küste fällt steiler ab. Ich laufe weiter. Am Felsen angekommen beobachte ich die Vögel im Wind. Sie spielen mit dem Wind. Lassen sich treiben. Sie strahlen ein Gefühl von Freiheit aus. Frei fühle ich mich auch. Ich kann tun und lassrn was ich will. Ich muss auf niemand Rücksicht nehmen. Muss keine Kompromisse eingehen. Ich blicke auf das weite Meer. Und atme tief ein.
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Über die flachen Felsplatten gelange ich in ein winziges Fischerdorf. Drei reichere Ghanaer kommen mir entgegen und fotografieren mich. Ja macht nur. Bin ein lebende Touristenattraktion. Und nein ihr braucht mich nicht fragen. Schon ok.
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Im Dorf liegen einige Fischerboote am Ufer. Kinder spielen im Wasser. Ich laufe weiter. Wow jetzt erst sehe ich es. Über zahlreiche weitere Buchten erstrecken sich weitere Strände.
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So langsam habe ich Durst. Kann ich nicht eine Kokosnuss nehmen? Hab zwar keine Machete, aber irgendwie lässt sich die bestimmt öffnen. Unter der nächsten Palme entdecke ich sogar eine. Ich werfe sie auf die Steinplatten. Ein Sprung ist drin. Aber richtig öffnen kann ich sie nicht. Ich werfe sie noch einige Male auf den Boden bis quasi die ganze Flüssigkeit weg ist. Naja. Braucht noch Übung. Das Fleisch kratze ich mit einer Muschel heraus. Immerhin. Um eine weitere Kokosnuss zu bekommen laufe ich wieder Richtung Dorf. Dort sind mehrere Palmen. Keine großen. Also könnte ich ankommen. Mit einem Palmwedel versuche ich eine Kokosnuss herunterzuschlagen. Vergeblich. Der Palmwedel ist zu schwer und die Kokosnuss sitzt zu fest. Ein Einheimischer hat mich beobachtet. Oh nein. Der lacht mich bestimmt aus. „You want a coconut?“ Ich lache und sage ja. Er sagt mir ich soll mitkommen. Er hat welche. Wir laufen weiter in den Wald hinein. Auf einem schmalen Pfad entlang. Ein Wald nur aus Palmen. Faszinierend. Aus einer Hütte holt er seine Machete. Dann laufen wir weiter. Da ist das Meer. Wohl die nächste Bucht. Woooooow.
wpid-img_8157.jpgUnglaublich. Ein einsamer Strand. Palmen. Sand. Meer. Mehr nicht.
Mein lieber Freund klettert auf eine Palme hoch. So geht das also. Ok die ist aber groß. Geschickt klettert er hoch, schlägt einige Kokosnüsse herunter und rutscht wieder den Stamm hinab.
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Jetzt liege ich im Sand, schlürfe Kokosnussmilch und genieße die Ruhe. Die Palmen. Die Kokosnuss. Die Lage. Das Meer. Einfach alles. Atemberaubend. Danke für diesen Ort.
Ich schaue an Himmel. So langsam nähert die Sonne sich dem Horizont. Es ist Zeit sich auf den Rückweg zu machen. Aber als erstes gehe ich noch ins Meer. „You can swim?“ Haha selbstverständlich kann ich schwimmen. Er kommt auch ins Wasser. Auf dem Rückweg laufe ich der Sonne entgegen. In Butre kaufe ich noch zwei Orangen. Dann gehe ich den Berg wieder hoch und bewundere auf der anderen Seite den wunderschönen Sonnenuntergang über der Bucht von Busua. Ich mache eine Pause. Ja so langsam spüre ich den Tag. Die Füße tun weh. Die Schritte gehen nicht mehr so leicht wie am Morgen. Aber ich bin glücklich. Es war so ein schöner Tag. Ich war an wunderschönen Plätzen.

Nach dem Abendessen setze ich mich noch an das Lagerfeuer und unterhalte mich mit einem jungen Ghanaer. Jung. Ja er ist ein Jahr älter als ich. Er ist der Sohn eines Chiefs. Das sind die traditionellen Oberhäupter in Ghana. Gebildeter Mann. Interessante Ansichten. Entspannendes Gespräch. Das Feuer brennt herab und ich gehe schlafen. Heute werde ich gut schlafen. Da bin ich mir sicher.

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2 Gedanken zu “Mein Geburtstag im Paradies – 27. Dezember

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