Gegensätze liegen manchmal sehr nah aneinander – 28. Dezember

Heute habe ich mich auf den Weg nach Dixcove gemacht und gelernt wie nah Himmel und Hölle nebeneinander liegen können. Gestern bin ich von Busua aus nach Osten gelaufen und bin auf endlose Sandstrände gestoßen. Heute habe ich mich nach Westen aufgemacht und ein Fischerdorf gesehen.
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Über eine Brücke verlasse ich Busua und laufe durch den Wald Richtung Dixcove.
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Ein, zwei Kurven und 10 Minuten später sehe ich schon die ersten Häuser. Zunächst fällt mir der herumliegende Müll gar nicht so auf. Er ist hier ja überall gegenwärtig. Die Straße kommt auf einer Anhöhe aus dem Wald heraus. Ich habe das ganze Fischerdorf vor mir liegen.
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Rechts von mir kommen Gesänge aus der Kirche. Einige Nachzügler sind auf dem Weg dorthin. Ich laufe hinunter ins Dorf. Puuuh. Hier stinkt es schrecklich. Nicht nur nach Fisch, sondern vor allem nach Abfall. Müll. Überall liegt er. Im Sand. Im Fluss. Zwischen den Häusern. Mir wird schlecht. Also wirklich schlecht. Oh mein Gott so was habe ich wirklich noch nicht gesehen.
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Ich versuche zügig durch das Dorf durchzulaufen. Auf der anderen Seite steige ich über einige Felsen und setze mich hin. Ein Mann ist mir gefolgt. „Do you want to swim?“ Bist du verrückt? Schon mal ins Wasser geschaut? Sicher nicht. Ich fange an mich in Rage zu reden. Wie kann man nur den ganzen Müll ins Meer werfen. Der Mann unterbricht mich. „You know, around 12 o’clock in the night, the sea will take all of it and it aill go away!“ Are you serious? Ist das dein Ernst? Das ist nicht wirklich wie ihr hier denkt?? Hallooo? Geht’s noch? Gemerkt, dass alles wieder zurück kommt? Oder sich an den nachfolgenden Stränden ablagert? Oder von den Tieren gefressen wird, die ihr später angelt? Bitte nicht dein Ernst. Aber natürlich. Das ist euer Denken. Sonst würdet ihr es ja nicht einfach ins Meer werfen. Ich versuche zu erklären wieso man das nicht machen soll. „Are you married?“ Halloooo? Ich versuche grad was zu erklären?! Schon bemerkt? Sonst interessiert euch nichts. Nur, ob ich verheiratet bin. Was du nicht sagst. Du hast gehört, dass wir Weiße NICHT nach Ghana kommen um zu heiraten. Na so was. Kaum vorstellbar für dich. Aber nochmal. Du hast echt geglaubt, dass wir nur deshalb herkommen? So denken wohl viele. Jetzt verstehe ich wieso die immer so blöd fragen. Wieso ich noch nicht verheiratet bin? Bist du verheiratet? Nein? Wieso nicht? Na also. Dann frag mich nicht, wenn du selbst keine Antwort darauf hast. Du möchtest eine weiße Frau heiraten? Wieso? Damit du nach Europa kannst? „Yes“ Natürlich, wieso auch sonst. Weißt du eigentlich, dass das Geld in Europa nicht auf den Bäumen wächst und wird auch dafür arbeiten müssen? Nein? Dachte ich mich. Was arbeitest du? „Good Business“. Was genau? „Good business, do you also have good business in Germany?“ WAS VERSTEHST DU UNTER „good business? Du holst Gold aus der Erde. Und verkaufst es weiter. Das ist bei dir good business. Darf ich lachen? Aber schon gut. Ob wir in Deutschland Dollar haben? Nein. Ich geh dann mal wieder. „How can I meet you again?“. Gar nicht. Oder soll ich deine Worte nehmen? Wenn Gott will, dann treffen wir uns wieder.
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Ich laufe durch das Dorf zurück. Da, die Festung will ich mir anschauen.
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Angeblich aus der Sklavenzeit übrig geblieben. Sie wurde von den Briten erbaut. Wikipedia verrät mir, dass sie sogar Weltkulturerbe ist. Und dass darin ein Gasthaus eröffnet hat. Davon sehe ich zwar nichts, aber möglich. An der Mauer laufe ich entlang. Über einen Müllhaufen. Und gelange auf das Festungsgelände. Viele junge Männer halten sich hier auf. Vorne sehe ich kleine Häuser.
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Vermutlich damals von den Hausherren bewohnt worden. Da, ein Pool! Und was für einer! Selbstverständlich leer. Aber wow! In der Zeit haben sie schon solche mächtige Schwimmbäder gebaut? Sogar mit Hockern im Wasser. Direkt vor der Bar. Faszinierend.
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Die Landschaft hier unterscheidet sich radikal von dem dreckigen Fischerdorf.
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Blumen. Palmen. Büsche. Gras. Ja Gras. Kein Müll auf dem Boden, sondern Gras. Faszinierend.
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Kinder kommen auf mich zugerannt. Da ist eine Kirche? „Sister Akosua“. Ja ich mache ein Foto von euch. Kommt her, dann könnt ihr es euch ansehen.
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wpid-img_8284.jpg Ich laufe weiter.
Eine kleine Bucht. Kinder im Wasser.
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Direkt daneben – ein riesiger Müllberg. Ziegen und Hunde wühlen herum.
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Ich laufe daran vorbei und kletter über die riesen Steine weiter die Küste entlang. Zurück in Richtung Busua. Einige Männer kommen zwischen den Häusern hervor.
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„Where are you going?“ Lasst mich doch einfach mal in Ruhe. Ich will hier nur spazieren gehen. Oder klettern. Was auch immer. In den nächsten Bucht steige ich durch das Gestrüpp wieder hoch ins Dorf. Ich bin nassgeschwitzt. Ganz schön anstrengend hier in der Sonne. Auf der Straße zurück nach Busua fragt mich eine Frau, ob sie mit mir laufen möchte. Wow, das erre Mal, dass ich sowas nicht von einem Mann, sondern von einer Frau höre. Wir unterhalten uns ein wenig. Sie fragt mich was ich arbeite. Lehrer. „Oh, than please teach me. I never went to school. I know nothing. I only can speak.“ Das war nicht ganz der Wortlaut, aber der Inhalt war derselbe. Es war rührend. Sie hatte nie Geld für Bildung. Aber was kann ich machen? Morge ziehe ich weiter. Aber sie erste Person hier, die mich nicht nach Geld oder Essen fragt, sondern nach Bildung. Ein kleiner Lichtblick.

Zurück in Busua gehe ich schwimmen und treffe den Mann von gestern wieder. Prince Ismael. Der Sohn des Chiefs. „Come and play with us football!“ Er spielt in Takoradi Fußball. Professionell. Ich lache und stimme zu. „We play Germany against Ghana“. Witzbold. Soll ich allein spielen oder wie? Nein, er ist auch Deutscher. Natürlich. Also spielen wir so, ist gut. Es sind einige Erwachsene, ein paar Jugendliche und zwei Kinder. Zwei Stöcke begrenzen die Tore im Sand. Die sind so ca. 20cm entfernt. Wie soll man da denn bitte das Tor treffen? Es ist Ebbe und wir spielen im halb nassen Bereich. Mein erster Ballkontakt? Mit der Hand. Sorry, bin halt doch Handballer. Mein zweiter Ballkontakt? Ball kam aus dem Meer und ich bin darauf ausgerutscht. Haha läuft. Aber danach klappt es besser. Faszinierend wie die spielen. Glaub das Ziel ist nicht Tore zu schießen, sondern möglichst viel zu passen und die Gegner hin und her laufen zu lassen. Ismael hat das richtig drauf. Er läuft auf und ab und hin und zurück. Na gut, ich schau dann mal zu. Sieht gut aus. Aaah da der Ball. Verdammt, 5cm am Tor vorbeigeschossen. Sorry, aber das war echt gut! Das Tor ist halt verdammt klein! Es steht 6:0 für uns? Haha, also geht es doch ums Tore schießen. Aber wir spielen 4 gegen 6. Also die Gegner in doppelter Überzahl. Hilft nix. Die Nachmittagssonne brennt und meine Füße schmerzen. Sand reibt auf der Haut. Ich bin die letzte vor dem Tor. Ein Mann kommt auf mich zu. Und dribbelt vor mir hin und her. Ja Freund, ich kann dir den Ball so nicht nehmen, aber du wirst das Tor auch nicht treffen. Selber Schuld. Am Ende gewinnt Deutschland 8:0 gegen Ghana. Und jetzt ab ins Wasser. Bin nämlich von oben bis unten voller Sand! Und mir tun die Beine richtig weh. Habe einige Wutschüsse mit dem Schienbein und den Knie abgeblockt. Passiert.

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Veröffentlicht in Ghana

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