Fahrt an die Küste – 26. Dezember

Hier bin ich wieder.
wpid-img_7910.jpg Busua Beach
Am Strand. Umgeben vom Wellenrauschen. Vor mir das Meer. Unter mir der Sand. Hier fühle ich mich wohl. Das Meer entspannt mich unglaublich. Auch wenn die Fahrt aus der „upper east region“ bis in die „western region“ dank einem Flug von Tamale nach Accra nicht ganz so lang war, anstrengend war sie dennoch.
Gestern Nachmittag habe ich mich auf den Weg gemacht. Mit meinem 11 Kilo leichtem Rucksack auf dem Rücken bin ich in Langbinsi zur Trostation gelaufen. Aber bevor ich dort ankommen konnte ist mir ein Kleinbus entgegen gekommen. „Walewale?“ Meine Richtung. Rucksack auf das Dach geworfen und eingestiegen. Wartezeit vermieden. Über die holprige, sandige Straße ging es zuerst nach Walewale. Dort bin ich in ein anderes Tro umgestiegen. Richtung Tamale.
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Ich schaue aus dem Fenster. Alles schwarz. Riesige abgebrannte Flächen.
Einige Zeit später direkt an der Straße Feuer. Eine richtige Feuerwand besser gesagt. Wir wechseln die Straßenseite. Dennoch spüre ich die Hitze der Flammen. Keine Menschen weit und breit. Fragt mich nicht nach den Ursachen für das Feuer oder den Löschmethoden. Ich habe schon einige Male mit Ghanaern darüber gesprochen, aber nie wirklich eine zufriedenstellende Antwort bekommen. Das Entstehen von den Bränden ist das eine. Ja passiert bei uns auch. Aber das Löschen? Wie denn, wenn man gerade genug Wasser zum Trinken hat?
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Die Gegend hier im Norden ist trocken. Seeeehr trocken. Ich kann mir schon vorstellen, dass einige Brände durch Zigarettenkippen und eben Unachtsamkeit entstehen. Aber einige sind auch gelegt. Da sieht man quasi quadratische abgebrannte Flächen.
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Aber wie machen die das? Einmal habe ich zwei Männer mit Tüchern auf Flammen einschlagen gesehen. Sah ziemlich lächerlich aus, da es eine riesige Feuerwand war, das war einmal. Sonst sieht man nie Menschen in der Nähe. Aber auch keine Feuerwehr. Gibt es so was überhaupt.
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Und deshalb nochmal: wie stoppen sie diese Brände? In der Nacht? Wenn es kühler wird? Ich weiß es nicht. Es ist quasi das ganze Land hier, das von schwarzer Asche geprägt ist. Meistens ragen daraus noch Bäume hervor. Wie die überleben ist mir auch ein Rätsel.
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So gelange ich am Abend des 25. Dezember nach Tamale. Mit dem Rucksack auf dem Rücken und dem Regencape über den Rucksack gezogen (keiner kann so einfach etwas aus dem Rucksack greifen) mache ich mich zu Fuß auf den Weg zu Nafiza.
wpid-img_7887.jpg Kreuzung in Tamale
wpid-img_7888.jpg Motorbikes an der Ampel
wpid-img_7893.jpg eine von vielen Moscheen in Tamale
Die Gastmutter von der Norwegerin wartet schon mit Pfannkuchen auf mich. Wooow. Was für eine Überraschung! Wie komme ich am Besten morgen früh an den Flughafen? „Oh I don’t know if you will get a taxi at this time!“ Naja, irgendeine Möglichkeit muss es ja wohl geben dorthin zu kommen. Ich weiß, dass es ein Militärflughafen ist und dass er ziemlich außerhalb von Tamale liegt. Aber wenn sie ihn für Passagiere öffnen, müssen sie ja wohl auch die Verkehrsanbindung gewährleisten oder? Ihr Sohn bietet mir an mich mit dem Motorbike hinzufahren. Ich müsste halt das Benzin zahlen. Wow gerne.
Also am nächsten morgen mich hinten auf das Bike draufgesetzt und im Dunkeln losgefahren. Ja um 6 Uhr ist es noch dunkel. Und Tamale schläft noch. Bis auf den Muezzin, der schreit schon kräftig. Wir überholen ein anderes Motorbike. Der Mann darauf hält in der linken hand zwei Stangen, die auf dem Boden schleifen. Läuft. So wird hier transportiert. Es gibt immer eine Lösung. Bisschen frisch ist es. Der Ghanaer vor mir hat einen Pulli an. Ich ein Top. That’s life. Etwas friere ich schon. Aber es geht schon. Wir fahren die eeeeeeeeewig lange ganz gerade Straße Richtung Walewale. Bis das Schild „airport“ kommt. Links abbiegen. Nach einiger Zeit kommt eine Straßensperre. Militärposten. „Where are you going?“ fragt der Mann mit dem Riesengewehr den Mann der auf dem Motorbike eine Frau mit Rucksack transportiert. Komische Frage. Glaub ich möchte auf dem Militärgelände wandern. Und ein paar Ausgrabungen machen. Hoffe das stört euch nicht. „What is in your bag?“ Diese Frage ist jetzt an mich gerichtet. Du willst jetzt wohl nicht, dass ich alles aufzähle? „Clothes“ antworte ich schnell. Es scheint eine zufriedenstellende Antwort gewesen zu sein, denn wir dürfen weiterfahren. Ohne weitere Zwischenfälle erreichen wir das kleine Gebäude. Ich bedanke mich und gehe hinein. Da bin ich jetzt gespannt, ob die mich ohne meinen Pass fliegen lassen. Ja, den behält meine Organisation in Accra bei sich. Kann ich nix machen. Und da ich auf keinen Fall 25 Stunden Bus fahren wollte (das wäre die Strecke Langbinsi-Busua gewesen), musste ich das Wagnis eingehen den Flughafen ohne Pass zu passieren. No risk no fun. Irgendwas verrücktes musste ich ja wieder tun. Wird sonst langweilig. Und stellt euch vor. Meine laminierte Passkopie hat der Herr an der Theke ohne mit der Wimper zu zucken entgegen genommen und mir mein Ticket ausgehändigt. Musste auch meine Buchung nicht vorlegen. Hatte eh online gebucht und kein gedrucktes Ticket. „Check-in time 7:07“. Alles klar. Ich setze mich. Da zwei weiße! Mit Rucksäcken. Sind bestimmt Deutsche. Hab mich mit ihnen später unterhalten. Es waren Österreicherinnen. Die ersten Österreicher, die ich in Ghana treffe. Die zwei anderen Weiße im Flieger waren tatsächlich Deutsche. Wir laufen zum Flugzeug. Ein sehr kleines Flugzeug. Zwei Zweierreihen. Das wars. Voll ist es auch nicht.
wpid-img_7894.jpg Der Norden Ghanas aus der Luft
Sobald wir in der Luft sind, gibt es einen Snack.Damit hätte ich nicht gerechnet.
wpid-img_7898.jpg mein Snack
Kaum fertig gegessen, landen wir schon wieder. Der Flug war etwas über eine Stunde. Kam mir aber wie 5 Minuten vor. Bin das schnelle Reisen einfach nicht mehr gewohnt.
wpid-img_7899.jpg Randbezirke Accras von oben
In Accra fahre ich mit den beiden Österreicherinnen in die Stadt rein, denn sie haben einen Taxifahrer bereits gerufen. Der steht zwar nicht direkt vor der Tür, verlangt aber auch nicht den völlig überteuerten Flughafentarif. Ich gebe den beiden noch ein paar Tipps, denn sie wollen in die Voltaregion, wo ich schon war. Danach steige ich in ein Trotro Richtung Takoradi. 18 Cedi für die Fahrt. 3 für dein Gepäck. Ja in allen Bussen in Ghana zahlt man für sein Gepäck extra, sofern es zu groß ist, um auf dem eigenen Schoß Platz zu haben. Durch die grünen Wälder der Küstenlandschaft und dem Meer auf der linken Seite, fahren wir Richtung Westen. Ein umgestürzter LKW und einige demolierte Autos sind auf der Strecke liegen geblieben. Abschleppen? Wird überbewertet. Die werden an Ort und Stelle zerlegt. Und alles was nicht verwertet werden kann bleibt liegen.
Hab ich schon erwähnt wie grün die Landschaft hier ist? Unglaublich. Und diese Palmen. Ich liebe sie. Doch eine ganz andere Landschaft im Vergleich zum Norden. Wir passieren einige Polizeikontrollen. An einer werden wir herausgeholt und der Fahrer bekommt einen Strafzettel. Ich glaube wegen etwas Licht. Lächerlich. Wir haben voll das moderne Tro. Die Fenster lassen sich problemlos öffnen und schließen. Die Schiebetüre ist wirklich zu, wenn man sie schließt. Die Außenspiegel sind noch dran. Die Hupe funktioniert. Aber du gibst Abzug wegen dem Licht. Ich werde aus ihnen einfach nicht schlau. Aus den Ghanaern.
Das ist jetzt das dritte Auto das einen platten Reifen hat. Innerhalb von 5 Minuten. Alle auf der gegenüberliegenden Fahrbahn. Komisch. Was ist dort vorne? Oh ganz viel Glas. Jetzt macht alles Sinn. Während wir vorsichtig vorbeifahren sehe in einen Haufen an Getränkekisten am Straßenrand liegen. Uuuh es stinkt nach Bier. Der LKW, der seine Ladung verloren hat, hatte Bier transportiert. Ah da steht er ja. Ja er steht. Was hat der gemacht? Keine Ahnung.
wpid-img_7904.jpg maskierte Menschen an Weihnachten
Ohne weitere Zwischenfälle erreichen wir Takoradi. Dort steige ich in ein anderes Trotro Richtung Agona um. Es fängt an zu regnen. Regen!!! Wow, lange nicht mehr gesehen. Bei mir in Langbinsi bekommt man ja nicht mal Wolken zu sehen. Von Regen ganz zu schweigen. Kreisverkehr? Hier muss ich raus. Na danke. Im Regen. Aber es ist schön. Regen. Ich mag Regen. Zumindest hier in Ghana. Der Regen hält mich auch vorm Verhandeln nicht ab.
wpid-img_7906.jpg die Straße nach Busua
So komme ich kurz vor Sonnenuntergang in Busua an.
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Was ist hier los? Sooo viele Menschen?! Was machen die hier alle? So viele Europäer! Ich höre schon wieder zu viel deutsch. Nach kurzem Warten bekomme ich auch meine Hütte. Danach renne ich sofort ins Meer. Geschafft. Ich bin angekommen. Im Wasser.

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Veröffentlicht in Ghana

2 Gedanken zu “Fahrt an die Küste – 26. Dezember

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