Mein erster Arbeitstag in Langbinsi – 10. Dezember

wpid-img_7548.jpg
da hocken sie in Reih‘ und Glied auf unserer Hauswand
IMG_7547
Was hat mein Gastvater mir gestern gesagt? Um 2 Uhr wird es sehr kalt werden. Und? Um halb drei bin ich frierend aufgewacht. Pulli geholt und wieder eingeschlafen. Er meinte heute morgen er hat die ganze Nacht nicht geschlafen wegen der Kälte. Zu dieser Zeit schlafen sie normalerweise nicht mehr draußen, also in der Trockenzeit. Aber ich. Bei mir zu Hause hat es heute angefangen zu schneien. Also werde ich die 10 Grad hier in der Nacht auch überleben. (Nehmt meine Temperaturangaben nicht zu ernst. Ich schätze nur, denn ich habe kein Thermometer.)
Nach meinem Frühstück bin ich mit Surazu, meinem Gastvater, zur Schule gelaufen, die quasi gegenüber ist. Die Schule ist für Waisen, aber auch für solche Kinder, die für die üblichen Schulgeldern nicht aufkommen können, denn sie ist kostenlos.
wpid-img_7566.jpg im Hintergrund: das Schulgebäude
Einige Kinder waren bereits mit kehren beschäftigt. Als sie mich kommen sehen, stürmen alle auf mich zu, rufen „auntie“ und umarmen mich strahlend. Hier wurde ich wohl schon erwartet.
Punkt 1 unserer Tagesordnung:
-Zähne putzen, das haben die letzten Volontäre mit mir eingeführt, als ich das letzte Mal hier war
Punkt 2 – Versammlung, wird von einem der älteren Kinder durchgeführt.
Danach verteilen die Kinder sich, entsprechend ihrer Klassenniveaus auf 3 Zimmer.
Ich nehme die Kleinsten. Heute ist sogar die eine Lehrerin da und auch sie nimmt einige Kinder in ein Zimmer. Mein Gastvater nimmt die anderen.
Ich habe 7 Kinder. Kindergarten heißt es. Kinder zwischen 3 und 6 Jahren. Ich schreibe mit ihnen. Jedes Kind ist auf einem anderen Level. Deshalb ist es schwer etwas vorne an der Tafel vorzumachen. Ich setze mich zwischen die Kinder auf den Boden. Über eine Stunde geht die erste Unterrichtsstunde. Danach gehe ich mit den Kibdern raus und werfe ihnen abwechselnd den Ball zu. Die größeren Kinder kommen dazu. Fußballspielen können hier alle, das weiß ich. Aber den Ball in die Hand nehmen? Am Ende fängt auch die kleine Asuma meinen Wurf. Danach lasse ich sie Fußballspielen. Sie spielen alle gemeinsam – Jungs wie Mädchen.
Nach der Pause mache ich mit ihnen noch eine Mathematikstunde, rechnen, zählen, Zahlen schreiben. Jeder das, was er kann. Asuma schläft auf dem Boden ein, sie ist vielleicht 3 Jahre alt. Ich lasse sie, denn sie sieht nicht so fit aus.
DSC_0369
Irgendwann kommt Surazu, Asuma glüht mittlerweile wie ein Ofen, und fragt mich ob ich ihr was geben kann. Ich hatte ihm zuvor das Paket mit Medikamenten gezeigt, welches ich von Tamara bekommen hatte. Ich sollte es hier spenden. Aber Surazu, ich bin keine Krankenschwester. Ich weiß nicht wofür die Tabletten sind. „Painkiller“, ja du bist lustig. Das ist euer Lieblingswort. Einfach gegen Schmerzen. Ich hole der Kleinen eine Tablette, die ich im Wasser auflöse. Sie trinkt es ohne das Gesicht zu verziehen. Ich gebe sie einem älteren Kind auf den Arm – ab nach Hause mit ihr.
Es ist schon nach 12, wir machen Schluss.
IMG_7570
Am Nachmittag räume ich noch mein Zimmer auf während ich auf den Anruf von Lena warte. Lena ist auch Volontärin und wohnt am anderen Ende von Langbinsi. Sie arbeitet in einer Krankenstation als Krankenschwester.
Lena kenne ich von meinem letzten Trio in Norden. Und stellt euch vor – sie ist Schweizerin. Was für ein Zufall!
Wir laufen gemeinsam über den Markt, denn heute ist Markt. Die erste Stunde versucht Lena sich mit Hochdeutsch bevor sie mich fragt, ob sie ihren Dialekt verwenden darf, denn hochdeutsch fällt ihrer schwerer als englisch. „liebendgern“ schießt es aus mir heraus. Mit dem schweizerdeutschen um mich herum, fühle ich mich gleich viel wohler. Wie zu Hause eben. Also in Mampong. So vermisse ich meine beiden Schweizerinnen nicht mehr so arg. Haha die haben es mir in Ghana irgendwie angetan.
Wir laufen an einem Fußballplatz vorbei. Ein Jugendspiel wird soeben ausgetragen. Selbstverständlich wimmelt es von Menschen. Ich kaufe zwei Orangen und mache mich im wunderschönen Sonnenuntergangslicht auf den Heimweg.
Es war ein schöner Tag.
Im Hof wird Fufu gestampft. Das wird nicht wie im Süden aus Plantain und Yam gestampft, sondern nur aus Yam. Denn hier im Norden wachsen keine Plantainstauden. Es schmeckt vorzüglich.
„Very good Cubra“ lobe ich meine Gastmutter.

Advertisements
Veröffentlicht in Ghana

Ein Gedanke zu “Mein erster Arbeitstag in Langbinsi – 10. Dezember

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s