Fahrt ans Meer – 3. Dezember

Sie sind mir ans Herz gewachsen. Meine beiden Schweizerinnen. Wie Schwestern haben wir alles geteilt. 2 Monate zusammen verbracht. 24 Stunden am Tag. 7 Tage die Woche. Unsere Launen aneinander ausgelassen, uns getröstet und gemeinsam gelacht. Uns gegenseitig geholfen. Gemeinsam mit der fremden Kultur auseinandergesetzt. Hindernisse gemeistert. Endlos erscheinende Busfahrten überstanden. Manchmal den ganzen Bus zum Lachen gebracht. Gemeinsam auf den unebenen Straßen auf und ab gehüpft und die Augen zugemacht wenn der Busfahrer mal wieder gefahren ist, als gäbe es kein Morgen mehr. Taxifahrer abgezockt. Und uns aufgeregt, wenn sie uns abgezockt haben. Nervennahrung ausgetauscht. Doch diese Zeit geht nun zu Ende. Ein letzter gemeinsamer Ausflug ans Meer und dann müssen sich unsere Wege trennen. Tamara fliegt weiter Australien, ich hoffe, wir haben sie darauf gut vorbereitet. Rabea fliegt weiter nach Thailand. Und ich ziehe in Norden. Von nun an muss jeder von uns seinen eigenen Weg meistern. Und ich bin mir sicher, dass wir das schaffen. Denn die gemeinsame Zeit hat uns stärker gemacht! Danke für alles ihr zwei!
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Gestern Nachmittag sind wir in Mampong gestartet. Mit Tamaras 80 Liter Rucksack. Denn es wird ihr letzter Ausflug in Ghana sein. Am Samstag geht ihre Weltreise weiter und sie fliegt über Dubai nach Australien.
Wie gewohnt sind wir mit dem Trotro nach Kumasi gefahren und haben dann ein Taxi gesucht, dass uns an die Asafo-Bus-Station bringt, von wo wir einen Bus nach Takoradi nehmen wollen. Wie immer streiten die Taxifahrer untereinander wer als nächstes an der Reihe ist. Während wir sie das untereinander ausmachen lassen checken wir ab wer uns den günstigsten Preis bietet. Dann steigen wir in das Taxi unserer Wahl und fahren los. Am Asafo entdeckt Tamara einen kleinen Reisebus auf dem „Takoradi“ steht. Das Taxi hält direkt davor. Während ich dem Taxifahrer das Geld gebe, frage ich den Mann, der meine Autotür aufreißt, ob er noch 3 Plätze frei hat. Ja, hat er. Was für ein Glück!
Wir steigen in den Bus und kaufen schnell noch Proviant auf der Straße und durch das Fenster im Bus heraus, denn eine lange Fahrt steht uns bevor.
Um 18 Uhr fahren wir los. Das ist viel zu früh. Klingt komisch, ist aber wahr. Ich hatte damit gerechnet, dass wir lange warten müssen, dass sich unser Bus füllt und wir gegen 9 Uhr starten. Dann wären wir gegen 3 Uhr in der Nacht in Takoradi und könnten mit dem ersten Tro Richtung Busua Beach fahren. Aber wir haben einen fast vollen Bus erwischt und mussten nicht wie erwartet 3 Stunden warten bis er sich füllt. Naja passiert. In Takoradi müssen wir uns dann was überlegen. Aber erst mal die Busfahrt überstehen.
Ja ich reise wieder in der Nacht. Und ja davon wird in Ghana eigentlich abgeraten. Allerdings ist es bequemer. In meiner ersten Zeit in Ghana wollten wir eigentlich nicht im Dunkeln reisen, sind aber immer im Dunkeln heimgekommen, weil es so früh dunkel wird. Um 6 geht die Sonne unter und um halb 7 ist es stockfinster. Da kommt man zwangsläufig immer im Dunkeln an. So haben wir dann angefangen beabsichtigt mit Nachtbussen zu reisen. Das hat den einen Vorteil, dass man sich die Übernachtungskosten für eine Nacht spart und zum anderen die Tage sinnvoller nutzen kann, als nur in Fahrzeugen zu sitzen.
Tamara und ich sitzen nebeneinander und fangen mit unseren Fressattacken an. Ja was soll man sonst im Bus machen außer essen? Schlafen, ja, ist aber ziemlich unbequem hier und absolut keine Beinfreiheit. So schlagen wir die ersten beiden Stunden Fahrt damit tot. Und mit Lachen. Wir haben viel Spaß miteinander. Ich werde sie definitiv vermissen. Beide, denn Rabea reist nächste Woche ab.
Irgendwann schlafen wir beide doch ein.
Ich wache auf und schaue raus. Es ist stockdunkel. Aber ich sehe Palmen am Straßenrand. Und dahinter – was ist das weiße? Sind das wirklich Wellen? Ja, wir aind schon an der Küste!
Eine Stunde später steigen wir in Takoradi im Regen aus dem Bus aus. Und nun? Es ist Mitternacht. An der Station liegen nur ein paar schlafende Menschen in Decken gehüllt. Hier fährt in den nächsten Stunden kein Trotro in unsere Richtung. Sollen wir in Takoradi übernachten? Eigentlich habe ich darauf keine Lust. Wir entscheiden uns ein Taxi zu suchen. Wir laufen an die Hauptstraße. Wo sind die vielen Taxis, wenn man sie braucht? Wir finden eines, aber der Taxifahrer möchte uns nicht zu unserem Preis fahren. Wir sind bis auf 40 Cedi hoch, das sind umgerechnet 10€. Für eine Stunde Fahrt. Wir winken ab und warten auf das nächste. Der hatte zwar kurz nen Aussetzer und wollte 100 Cedi, hat uns aber dann doch für 40 Cedi durch die Nacht gefahren. Nach den ersten Hundert Metern stelle ich fest „Scheibenwischer werden überbewertet“, denn ich sehe nichts durch die durch den Regen nasse Scheibe. Nach einem Kilometer fährt der Taxifahrer an den Rand, steigt aus und putzt die Frontscheibe mit einem Tuch. Geht auch so. Zum Glück ist sie nicht wieder nach 5 Minuten nass. Ich hänge den Kopf zum Fenster raus, um etwas zu sehen. Die Straße führt mitten durch den Wald. Wir fahren immer wieder durch kleine Dörfer. Alles ist dunkel. Niemand ist zu sehen.
Kurz bevor wir am Strand ankommen, rufe ich in unserem Hotel an und frage, ob wir auch jetzt schon kommen können. Ich glaube, ich habe den Mann aus dem Bett geklingelt, aber er ist gekommen und hat uns eine Hütte geöffnet. Zwei Betten mit je einem Moskitonetz.
Schlafen. Jetzt.
„Where is the bathroom?“ Mit meiner Zahnbürste im Mund und der Taschenlampe in der Hand laufe ich durch das Gras zu den Waschanlagen. 5 Meter vor mir das Meer. Ich laufe hin. Lege meine Hand ins Wasser. In den Sand. Ja, hier sind wir richtig!
Gute Nacht!

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2 Gedanken zu “Fahrt ans Meer – 3. Dezember

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