Marktbesuch in Mampong – 12. November

Mittwoch ist Markttag in Mampong. Ihr habt schon öfter gehört, dass ich über einen Markt gelaufen bin. Der Grund dafür ist ganz einfach. Die Märkte hier sind wie bei uns die Supermärkte. Man kann alles kaufen. Und es gibt sie überall. Ja jeden Tag findet man Stände an denen man Vieles kaufen kann, aber auf einem Markt ist alles zentriert. Deshalb habe ich mich heute in meiner Mittagspause auf den Weg zum Markt gemacht.

Ich komme aus dem Waisenhaus und laufe auf die Hauptstraße. Die Autos können hupen so viel sie wollen, ich nehme kein Taxi. Die drei Kilometer bis in die Stadt schaffe ich auch zu Fuß. Und bisschen Sport tut mir eh gut. Den Weg kenne ich mittlerweile gut, denn ich laufe oft in die Stadt. Ob, um ins Internetcafé zu gehen oder etwas Obst zu kaufen. Alles in der Stadt. Wir wohnen etwas nämlich etwas außerhalb.
Ich laufe die Straße hoch und sehe den Markt. Die Menschen neben mir rufen mich „weiße Frau“. Das bin ich ja schon gewohnt. Aber es fallen noch mehr Wörter, die ich zum Glück nicht verstehe. Viele lachen. Ihr müsst euch das so vorstellen. Ihr seid in der Stadt, seht einen Schwarzen und ruft „Schwarzer“, zeigt auf ihn und alle anderen machen mit. Unvorstellbar? Ihr würdet gleich verhaftet werden, weil ihr euch rassistisch verhalten habt? Möglich. Ich fühle mich sogar schlecht, dass ich das Wort „Schwarzer“ hier in meinem Text verwende. So wurden wir in Deutschland erzogen. Das ist so lächerlich. Jaa ich weiß man soll niemand auf seine Hautfarbe reduzieren, aber das passiert mit mir hier jeden Tag. Ja ich soll das locker sehen. Hab ja eigentlich kein Problem damit. Sie nennen mich so, weil sie meinen Namen nicht kennen. Also bleibe ich die „weiße Frau“ für sie. Schlussendlich ist es einfach eine Tatsache. Ich bin weiß. Sie sind schwarz. Mehr nicht. Aber es ist verrückt wie unterschiedlich damit auf den beiden Kontinenten umgegangen wird. Auf der einen Seite steht das europäische, vermeintlich fortschrittliche Deutschland indem es ein Tabu für jedes Wort um die schwarze Person gibt. In der Schule wurde mir das Wort „maximal pigmentierter“ eingetrichtert. Dieses Wort finde ich viel schlimmer als das simple „schwarz“. Und auf der anderen Seite steht das afrikanische Ghana. Dort wird mit dem Finger auf die Weißen gezeigt und vom Kleinkind bis zum Erwachsenen schreien alle hinter einem. „Obruni, obruni“ – das ist hier Alltag! Es ist das, was ich bisher kennen gelernt habe. Ich komme damit wirklich klar, ich drehe mich meistens um und winke, dann lächeln die Menschen. Aber ich lasse mir jetzt nicht mehr verbieten über schwarze Menschen zu schreiben.

Zurück zum Thema. Markt. Links und rechts von mir Stände mit Stoffen. Ich laufe weiter. Ich möchte Obst kaufen. Ein Mann auf der Straße mit einem Megaphon. Er schreit hinein. Ich verstehe nichts. Einige Menschen bleiben stehen und hören zu. Ich laufe weiter. „Obruni look here!“ Ja danke, aber ich brauche keine Plantaines. Ich laufe nun zwischen Ständen hindurch. Eine Frau grüßt mich, ich grüße zurück und frage ihr wie es ihr geht. Auf Twi. Sie lacht und freut sich. Eine andere zeigt auf ihre auf dem Boden ausgebreiteten Artikel. Seife, Wäscheklammern, Tomatensoße, Taschenlampe, Batterien und noch vieles mehr. Nein danke, ich brauche nichts. Ich laufe weiter. Zwischen Fischständen hindurch. Puh es stinkt. Frauen schreien in alle Richtungen. „Obruni“ höre ich von allen Seiten. Ja ich kann verstehen, wieso die anderen nicht mit auf den Markt wollten. Es ist nicht jedermanns Sache. Eine Frau packt mich am Arm und zeigt mir ihren Stand. Nein ich kaufe keinen geräucherten Fisch. Ich laufe weiter. Vor mir eine Frau mit einer großen Schüssel auf dem Kopf. Ich entdecke darin Seife. „Sorry how much is this?“ Ich kaufe ein großes Stück. Die Frau strahlt „God bless you!“ Wieso? Ich habe nur Seife gekauft. Naja, sagt man wohl so. Ich packe die Seife in meine Tasche und laufe weiter. Ananas, ich will eine Ananas. Am besten zwei. Ihr könnt euch gar nicht vorstellen wie sehr ich sie liebe. Ananas sind hier viel saftiger. Und viel leckerer. Aber das letzte Mal habe ich auf dem ganzen Markt keine einzige gefunden. Ich quetsche mich durch die Menschenmenge. Ah dort die grünen gestapelten Früchte. Orangen. Ich laufe hin. 5 auf einem Stapel, das heißt ein Stapel für 1 Cedi. Niemand hinter dem Tisch. Eine Frau entdeckt mich und ruft jemand anderes. Eine ältere Frau kommt. Drei gelbe und zwei rote bitte, ja für einen Cedi zusammen. Die Frau packt sie in eine Tüte. Ich geb dir den einen Schein. Sie bedankt sich, strahlt und sagt „God bless you!“ Ohoh ich weiß nicht, ob der liebe Gott so erfreut darüber ist mich, Atheist, so oft segnen zu müssen. Bin unschuldig. Ich laufe weiter. Ok ich glaube hier bin ich falsch. Berge voller Yam und Plantaine. Die Frauen kaufen ganze Säcke voll und transportieren die auf ihren Köpfen. Faszinierend was für ein Gewicht man auf seinem eigenen Kopf tragen kann. Vor mir zwei Frauen, vollbepackt auf dem Kopf. Sie bleiben hängen. Ja wenn das Zeug auf dem Kopf so weit herausragt ist das kein Wunder. Aber bei keiner von beiden fällt etwas herunter. Ich drehe um und laufe in eine andere Richtung. Ah ein Auto, was macht das hier zwischen den Ständen. Ich springe zur Seite, damit es mir nicht über den Fuß fährt. Ich laufe langsamer und betrachte einige Stoffe. Eine Frau spricht mich an, nimmt meine Hand und zieht mich näher. Ich muss sie mir anschauen. Sie zieht einige heraus. Nein da gefällt mir keiner. Ich erkläre ihr, dass ich mir erst vor paar Tagen ein Kleid schneidern lassen habe. Sie lächelt. Ich bedanke mich und laufe weiter. Vor mir eine Frau mit einem Karton voll Äpfel. „Sorry, please can I have some?“ Ich kaufe 6 Stück für 9 Cedi, die Frau packt sie in eine Tüte und sagt „God bless you!“ Hilfe, ich glaube der liebe Gott ist nur mit mir beschäftigt. Ich kaufe noch ein paar Eier und eine Kokosnuss. Kokosnüsse sind eigentlich grün, wusstet ihr das? Aber nur wenn sie frisch geerntet sind. Rund, dick und grün. Das trocknet später alles zur der bei uns bekannten harten braunen Schale zusammen. Aber immer noch keine Ananas gefunden. Ich mache mich auf den Rückweg. Daaa. Wirklich? Ein Berg voll Ananas!! „How much is one?“ -„4Cedi“ – „can I please have 2 for 6?“ Ich kaufe 2 große Ananas für 7 Cedi. Die Frau quatscht noch kurz mit mir und bedankt sich. Ich habe mittlerweile einies zu tragen. Da vorne noch mehr Ananas. Ich würde am liebsten die ganze Schubkarre mitnehmen. Ja ich liebe Ananas wirklich. Aber so richtig erst seit ich hier bin. Sie haben einen ganz anderen Geschmack, als bei uns, viel intensiver.
Jetzt brauche ich aber ein Taxi, mit dem Zeug kann ich nicht zurücklaufen. Taxi? Sonst haltet ihr doch immer neben uns? Ihr wollt uns doch jeden Meter kutschieren. Hallo? Drei volle Taxis fahren an mir vorbei bis endlich einer anhält. Für einen Cedi geht es heim. Mein ganzer Markteinkauf mit 5 Eiern, 2 Ananas, einer Kokosnuss, 5 Orangen, 6 Äpfeln (das teuerste, 2,50€), zwei großen Stücken Seife und der Taxiheimfahrt hat nur 7€ gekostet!!
Ich mag die Märkte hier!

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Veröffentlicht in Ghana

2 Gedanken zu “Marktbesuch in Mampong – 12. November

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