Motorbiketour durch die Voltaregion – 6. November

wpid-img_6426.jpg Ich sitze hier auf meinem Lieblingsplatz, auf dem Geländer vom Balkon und genieße die angenehme Luft während die Sonne am Horizont verschwindet. Ich strahle. Ein wunderschöner Tag liegt hinter mir. Ich fühle mich so stark, obwohl ich eigentlich keine Kraft mehr habe und todmüde bin. Ich lächel.
wpid-img_6731-1.jpg Rabea, Tamara, Hilde und ich
Heute morgen sind wir nach dem Frühstück gestartet. Hilde, die deutschsprechende Besitzerin des Hotels, gab uns den Tipp mit „motorbikes“ zu den Wasserfällen zu fahren. Hilde ist Ghanaerin, hat in Heidelberg BWL studiert und ist vor 18 Jahren nach Ghana zurückgekommen. Seitdem führt sie das Geduld-Hotel in Hohoe. Ja Geduld sollen die Gäste von Anfang an mitbringen. Wenn man mit Geduld kommt, dann kann man auf dem Balkon beobachten wie das traditionell ghanaische Gericht „Fufu“ zubereitet wird und anschließend das schmackhafte Abendessen genießen. Hilde fährt uns an diesem Morgen mit ihrem gebrochenen Fuß in ihrem eigenen Auto in die Stadt. Sie verhandelt für uns mit den 3 Männern, die uns später auf ihrem Motorbikes mitnehmen und sagt ihnen sie sollen uns Helme geben. Der Mann im roten T-Shirt sagt zu mir „you come with me“, alles klar. Wir bedanken uns bei Hilde, sie umarmt uns und wünscht uns viel Spaß.
Ich schwinge mich hinten auf das Motorbike und schon gibt er Gas. Wir verlassen Hohoe und der Asphalt hört auf. Rote Schotterpiste.
wpid-img_6221.jpg Ah mein Sitz ist gut gepolstert. Wir fliegen über die Straße. Der Fahrer weiß genau wo die tiefen Löcher sind und wechselt immer richtigen Moment die Straßenseite. Neben mir hohes Schilf. Hinter mir sitzen Tamara und Rabea zusammen auf einem Motorbike und danach kommt Christine, die Französin, auf dem letzten Bike. Wir geben Gas. Die Bäume fliegen nur so an uns vorbei. Ich drehe mich um. Nichts als Straße. Wo sind die anderen. Wohl langsamer. Ich schaue wieder nach vorne. Rechts grün. Links grün. Und in der Mitte die rote Straße. Wunderschön. Vor uns Wasser auf der Straße.
wpid-img_6405.jpg Wir bremsen und fahren mitten durch. Wie auch sonst. Danach wird wieder beschleunigt. Ich schaue auf den Tacho. 60km/h. Etwa das schnellste was wir heute gefahren sind. Auf dieser Schotterpiste auch eine Leistung. Wir fahren durch ein Stück Wald hindurch. Wow ist das angenehm kühl. Wir werden langsamer und passieren ein Dorf. Die anderen holen uns ein. Kinder rennen auf die Straße und lachen. Wir winken und sie winken zurück. Es ist ein sehr armes Dorf. Flache Häuser. Alles wird draußen zubereitet. Wir bleiben stehen. Die beiden anderen kaufen Benzin. Eine Frau am Straßenrand füllt eine Flüssigkeit in eine Flasche und gibt diese mit einem Trichter dem Fahrer.
wpid-img_6204.jpg „Tankstelle“
wpid-img_6205.jpg Er füllt das Benzin ein und wir fahren weiter. Ich hole meine Kamera heraus. Ja das ist kein Problem. Wenn ich auf einem Pferd sitzen und gleichzeitig Fotos machen kann, dann geht das auf dem Motorbike auch.

wpid-img_6208.jpg Wir fahren wieder zwischen hohen Pflanzen durch. Eine Frau kommt uns entgegen. Mit einer Schüssel auf dem Kopf. Sie lächelt, als wir an ihr vorbeifahren. Ein Fahrrad am Straßenrand. Der Besitzer? Ich sehe nur Gebüsch. Ich bewundere die Landschaft. So viel grün. Unten Gebüsch und immer wieder ragen einzelne hohe Bäume heraus. Oder Palmen. Da vorne Berge! Oder so was ähnliches. Hügel. Schließlich erreicht kein Berg in Westafrika 900 Meter. Wir werden wieder langsamer. Ich schaue auf die Straße. Große Pfütze. Wir fahren rechts daran vorbei. Kurze Zeit später sagt mir mein Fahrer ich soll die Kamera gut festhalten. Die Straße besteht nur aus Wasser. Wir fahren links daran auf einem schmalen Pfad vorbei. Es geht ordentlich auf und ab. Tamara und Rabea mussten absteigen, um nicht herunterzufallen. Wir fahren weiter. Äste ragen über die Straße. Rechts von mir sehe ich einen einzeln stehenden Hügel. Ich schließe die Augen und spüre den Fahrtwind auf meiner Haut. Es ist warm. Angenehm warm. Nicht so drückend heiß wie zu hause in der Ashanti-Region. Wieder kommt uns eine Frau mit einer Schüssel entgegen. Sie ruft uns etwas zu. Wir fahren am linken Straßenrand. Mein Fahrer zieht den Kopf ein. Danke. Ast ins Gesicht geknallt. Passiert. Wir erreichen ein Dorf. Holzzäune um ein Haus herum. Kleider auf einer Schnur aufgehängt. Ich schaue nach links. Blechdächer. Verrostete Blechdächer. Dahinter erheben sich die Berge. Wir verlassen das Dorf und hüpfen über die Piste. Ja stellenweise ist es wirklich sehr uneben. Aber danach kommt wieder ein Stück, wo beschleunigt wird und die Haare im Wind flattern. Wir erreichen ein Dorf und kommen unter einem blühenden Baum zum Stehen.
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„There is the office“. Was für ein Büro. „Do you need a guide?“ A guide wofür bitte. Um den Hügel hochzulaufen? Das schaff ich auch ohne Karte und ohne Hilfe. Ja es ist der größte Berg Westafrikas, aber trotzdem nein danke. Ah ja Eintritt zahlen. Eintritt wofür? Um in die Berge zu dürfen alles klar. Wir zahlen das Geld, kaufen Wasser und verabschieden uns. Die Fahrer warten auf uns bis wir den Berg erklommen und den Wasserfall gesehen haben.
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Wir laufen los. Nach dem Dorf erreichen wir ein Schild. Nach rechts geht es zum Wasserfall, nach links den Berg hoch. Wir laufen links. Ein schmaler Pfad zwischen Maispflanzen durch.
Im Gras fliegen Hunderte von Schmetterlingen. Wow. So große und so bunte. Wunderschön. Die meisten aber zu flink für meine Kamera. Wir erreichen den Fuß des Berges und kommen in den Wald. Nicht mehr so drückend heiß wie in der Sonne. Das ist gut. Es geht bergauf, steil bergauf. „Anne wie war das, es geht nicht senkrecht bergauf“ fragt mich Tamara. „Nein Tamara, das ist auch nicht senkrecht, senkrecht ist eine Wand.“ Ja Tamara ist nicht gerade begeistert von unserer Idee den Berg zu erklimmen. Rabea liebt die Berge und will wie ich von oben die Aussicht genießen. Es wird plötzlich sehr laut. Was für ein Geräusch ist das? Sind das Vögel? Frösche? Insekten? Wir wissen es nicht. Es kommt von oben aus den hohen Bäumen. Nach der zweiten Kurve bleiben Rabea und ich stehen und warten auf Christine und Tamara. Vielleicht wollen die gar nicht hoch. Wir diskutieren kurz und dann gehen Christine und Tamara wieder herunter und machen sich auf den Weg zum Wasserfall. Rabea und ich steigen weiter auf. Lianen hängen herunter. Gut zum Festhalten. Es ist anstrengend. Mir läuft der Schweiß herunter. Ich bin klitschnass. Bei solchen Temperaturen bin ich noch nie gewandert. Aber es ist so schön. Überall Schmetterlinge. Ein waagrechter Ast über dem Weg. Ich häng mich dran und schaukel. Wir steigen über umgefallene Bäume und laufen in vom Wasser ausgewaschenen Wegen. Der Wald wird heller. Die hohen Bäume hören auf und wir laufen auf dem Kamm entlang. Die Sonne brennt. Ich drehe mich um. Wow was für eine Aussicht. Eine weite Ebene. Überall Wald. Und zwischendrin kleine Dörfer. Auf der anderen Seite die Berge. Nur Wald. Keine einzige Hütte zu sehen. Wir laufen weiter und klettern über einige Schieferplatten auf den Gipfel. Noch gigantischer die Aussicht. Eigentlich bin ich platt und schweißgebadet. Aber die Aussicht übertrifft alle Erwartungen.
wpid-img_6288.jpg Ein Mann der etwas tiefer unter einem Baum im Schatten sitzt erklärt uns, dass auf der anderen Seite der Bergkette Togo ist. So nah sind wir an der Grenze? Ich trete an den Rand und blicke nach Togo.
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Wow eine kühle Brise weht herauf. So erfrischend.
wpid-img_6283.jpg Einige Fotos später machen wir uns an den Abstieg. In unseren Turnschuhen nicht ganz einfach, aber möglich. Im Wald wird es plötzlich ganz laut. Wir bleiben stehen und lauschen. „Ich könnte ewig zuhören“ sagt Rabea, ich stimme zu und wir laufen weiter. Auf dem Weg zu dem Wasserfall laufen wir zwischen Kakaobäumen durch.
wpid-img_6301.jpg Die sehen so toll aus. Rabea und ich bleiben stehen und machen ein Foto. Plötzlich schreit Rabea. Ich renne zu ihr. Eine große Ameise beißt sich in in ihren Fuß. Ich greife nach meinem Stofftaschentuch und entferne sie auf den zweiten Anlauf. Dann schreit sie wieder. Am anderen Fuß beißt sich eine durch den Socken. Nachdem ich auch die entfernt habe laufen wir schnell los. Rabea hat richtig Schmerzen. So was habe ich noch nicht gesehen. Wir sind beide verschreckt von dem Vorfall und legen ein Tempo vor. Zum Glück hatte ich dieses Tuch in der Hand, sonst hätte ich nicht gewusst wie ich das Viech entfernen soll. Irgendwann beruhigen wir uns und stellen fest, dass wir richtig im Urwald sind.
wpid-img_6316.jpg Riesige Bäume. Herunterhängende Lianen. Und Schmetterlinge. Ich sehe vor uns einen gelben Fleck. Als wir näher kommen, stellen wir fest, dass es Hunderte von gelben Schmetterlingen sind.
wpid-img_6309.jpg Sie fliegen zwischen unseren Beinen herum, als wir näher kommen. Nach etwa einer halben Stunde erreichen wir den Wasserfall und treffen die anderen.
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Sie sind fast erfroren. So erfrischend. Das Wasser spritzt ans Ufer.  Die Linse von meiner Kamera ist nach 3 Sekunden nass. Auf dem Rückweg nehmen wir noch eine Kakaofrucht mit. Der Italiener in dem Hotel in Kumasi letztes Wochenende hat uns gezeigt wie man die isst.
Wieder angekommen im Dorf schwingen wir uns auf die Motorbikes und machen uns auf den Rückweg. Über eine andere Straße.
wpid-img_6371.jpg Die Sonne geht langsam unter. Ich schließe meine Augen und genieße die Rückfahrt. Wir fahren an Reisfeldern vorbei. An einem Fluss stehen viele Menschen und füllen alle möglichen Behälter mit Wasser. In einem Dorf rennt eine Gruppe Kinder mit uns mit, schreit und winkt uns zu. Wir winken zurück. Aus den grünen Feldern ragen immer wieder einzelne Bäume heraus. Die Landschaft sieht im Sonnenuntergang so schön aus. Wir fahren durch eine Pfütze. Vorne sehe ich Asphalt. Wir sind wieder in Hohoe.
Ein wunderschöner Tag geht zu Ende.

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Veröffentlicht in Ghana

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