Letzter Tag in der Voltaregion – 8. November

Heute sind wir wieder mit den Motorbikes in die Berge gefahren. Wir wollten diesmal zu einem Wasserfall laufen, bei dem man baden kann. Ja wieder baden. Ihr könnt euch gar nicht vorstellen was für ein tolles Gefühl das ist, wenn man keine richtige Dusche zu hause hat. Ja ich kann mich mit einem aus dem Duschkopf kommenden Rinnsaal waschen und ja ich kann mich mit einem Eimer Wasser duschen, aber mit dem ganzen Körper von Wasser umgeben zu sein ist etwas ganz anderes. Es macht einen glücklich. Einfach nur glücklich.
Auf jeden Fall sind wir heute wieder in einem Dorf angekommen, wo wir in ein Office geschickt wurden, bevor wir zum Wasserfall laufen durften. Diesmal stand sogar „Tourist office“ drauf. Touristenabzocke hätte es besser getroffen. Wir gehen in den Raum, indem 7 Männer sitzen. Wir setzen uns und ich gehe vor zum Officer, um uns zu registrieren. Erst trage ich meine Daten in das Buch ein und frage ihn dann wieviel wir zahlen müssen. Er sagt 45 Cedi. Bitte was? Ganz sicher nicht. Alle Männer im Raum lachen. Er holt die Preisliste hervor und zeigt auch eine Zahl. Ich zeige auf eine andere Zahl weiter oben. Wieder lachen alle. Nein wir wollen nur zum unteren Wasserfall. Ahja dann doch nur 10 Cedi. Nur. 2,50€, um 10min zu laufen. Ich würde sowas ja gerne zahlen, wenn ich wüsste sie säubern die Umgebung oder schützen den Wald. Aber nichts dergleichen. Das Geld ist nur dafür da, um den einen Angestellten zu finanzieren. Ihr braucht einen Guide! Nicht mit mir. Nein, wir waren noch nie am Wasserfall, aber wir brauchen trotzdem keinen Guide. Wieder lachen alle. Achja, für jeden Fotoapparat 5 Cedi. Nicht mit mir. Wir haben nur einen. Ich schaue die anderen streng an, die ihre Kameras in den Taschen haben. Ich zahle für meine Kamera, stehe auf und verlasse den Raum. Braucht ihr sicher keinen Guide? NEIN!!!
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Gestresst von der Situation lege ich ein Tempo vor. Rabea bremst mich im Wald aus und ich beginne wieder die Natur wahrzunehmen. Die vielen Schmetterlinge, die hin und her fliegen.
wpid-img_6661-1.jpg So viele bunte. Wir laufen an dicken Baumstämmen vorbei, steigen über dicke Wurzeln und gehen über Brücken ohne Geländer über den Fluss. Es wird immer lauter. In die Tiefe stürzendes Wasser.
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wpid-img_6633.jpg Ein schöner Wasserfall. Der so viel Wasser aufwirbelt, dass die Linse meiner Kamera nach einer Sekunde nass ist. Wirklich nach einer Sekunde. Mit Mühe und häufigem Abwischen bekomme ich ein paar Fotos hin, die mich einigermaßen zufriedenstellen. Die anderen sind in der Zwischenzeit ins Wasser gegangen. Ich folge ihnen nun. Ja, Hilde hat uns gesagt, dass immer einer bei unseren Sachen bleiben soll, aber hier ist niemand. Ich breite meine Arme aus und spüre das Wasser an meinem Körper abperlen. Vom Wasserfall wehen tausende von Wassertropfen herüber. Ich stürze mich in das kühlende Nass. Zwei kleine Jungen kommen zu uns ins Wasser. Wo kommen die her? Weiß ich nicht. Sie tauchen und springen direkt vor uns aus dem Wasser heraus. Wir lachen.
wpid-img_6625.jpg da sitzen die Verbrecher
Ich sehe Männer aus dem Wald kommen. Sind das nicht die, die vorher im Office saßen. Moment. Jetzt macht alles einen Sinn. Mädels ich geh raus aus dem Wasser. Während ich den einen Mann beobachte, wie er schnurstraks auf unsere Sachen zuläuft, stolper ich im Wasser über die pieksigen Steine. Vergiss es mein Lieber. Die letzten Schritte auf festem Boden renne ich fast und geschafft. Der Mann dreht ab. Natürlich. Organisiertes Verbrechen. Die Kinder vorausschicken, damit die vier Frauen abgelenkt sind und dann die Wertsachen klauen. Nicht mit mir. Die anderen kommen jetzt auch aus dem Wasser und die Kinder mit ihnen. Sie beäugen jeden unserer Gegenstände. Dann zeigt einer nach oben. Wow. Tausende von Vögeln kreisen am Himmel.
wpid-img_6630.jpg Sind es Falken? Adler? Gibt es hier überhaupt solche Tiere? Ich weiß es nicht. Es sieht auf jeden Fall gigantisch aus. Sie starten alle aus den Felswänden neben dem Wasserfall. Wir packen unsere Sachen zusammen und gehen. Ich mag diesen Ort hier nicht. So schön die Natur auch ist. Mit dieser Organisation, die dich nur ausnehmen will – schrecklich.
Mit dem Trotro fahren wir zurück nach Hohoe. Danach machen wir uns noch in ein Nachbardorf auf, denn Hilde hat uns zu einer Beerdigung eingeladen. Also der größte Teil der Zeremonie ist schon zu Ende, aber wir bekommen noch etwas zu Essen und drei junge Männer führen uns noch durch das Dorf und erzählen uns einiges über Bräuche. Sie zeigen uns ein Plakat. Ein Bild von der Toten. Ja es ist ein Plakat, auf dem ein Foto von der Frau zu sehen ist, die beerdigt wurde. Ihr Todesdatum ist der 12. September! Bitte was? Ja wir sind im November. Drei Monate zwischen Todestag und Beerdigung ist hier in Ghana eigentlich ein kurzer Zeitraum! Was? Ja, manche berühmte Leute werden bis zu 5 Jahren aufbewahrt. Krass. In einem Kühlhaus. Aber trotzdem! Einer von den dreien fragt uns wie lange die Menschen bei uns aufbewahrt werden. Ich sage ihm eine Woche und das ist lange. Normal nur 3-4 Tage. Die drei können sich das nicht vorstellen. Sie lachen. Dann fragen sie uns, ob wir in ein Kühlhaus gehen wollen. Um gottes Willen nein! Aber danke fürs Angebot. Stattdessen laufen wir zum Friedhof. „I love these trees“ sprudelt es aus mir heraus. „We call them ‚forget-me-not‘.“ Damit der Tote nicht vergessen wird. Wenn eine Familie kein Geld für einen Grabstein hat, dann beerdigt sie den Toten und pflanzt diesen Baum darauf.
wpid-img_6679.jpg An diesen Baum können die Angehörigen sich dann anlehnen und Kraft tanken. Ich mag die Bäume. Sie haben gelbe Blüten. Wir laufen auf dem Rückweg noch in einen Innenhof rein, wo einige junge Leute im Kreis tanzen und gleichzeitig Trompete spielen, trommeln oder andere Instrumente spielen.
wpid-img_6708.jpg Alle improvisieren. Bei der Musik bekomme ich gleich Lust zu tanzen. Eine ältere Frau kommt von wo auch immer tanzend auf mich zu. Ich fange auch an zu tanzen. Sie strahlt und lacht. Wir tanzen einige Minuten nebeneinander. Ein Mann stürzt sich in die Mitte des Kreises und macht einhändige Liegestützen. Die anderen jubeln. Danach macht ein anderer einen Handstand. So macht jeder ein Kunststück vor den anderen während alle jubeln, lachen und klatschen. Eine tolle Atmosphäre. Nach einer Weile verlassen wir die Gruppe wieder.
wpid-img_6692.jpg Eine Kokospalme
Auf dem Rückweg erklären uns die Männer noch was der Unterschied zwischen einer Plantain-Staude und einer Bananenstaude ist, während ich Kindern beim Fußballspielen zuschaue. Ein kleiner weißer, dreckiger Ball. Nackte Füße rennen über den roten Sand. Der Ball rollt zwischen zwei Steinen durch. Die Kinder jubeln.
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In diesem armen Dorf haben uns alle Erwachsenen herzlich mit „akwaaba“ begrüßt. Das heißt, dass sie uns willkommen heißen. Alle Kinder sind auf die Straße gelaufen und haben uns zugewunken. Uns wurden soviele bezaubernde Lächeln geschenkt. Es gibt nichts Wohltuenderes als ein von Herzen kommendes Kinderlachen. Ich nehme mir vor öfter zu lächeln.
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Veröffentlicht in Ghana

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