Volunteer-meeting in Kumasi – 22. Oktober

Heute konnten wir nicht arbeiten gehen, weil uns SYTO für ein Treffen mit anderen Freiwilligen nach Kumasi gerufen hat. Deshalb sind wir heute morgen von Mampong mit dem Trotro nach Kumasi gefahren. Von dem Trotro-Platz in Kumasi mussten wir dann noch ein Taxi finden, das uns zu dem Büro bringt. Tamara und Rabea meinten sie wissen Bescheid, weil sie schon letzten Samstag dort waren, als ich krank war. Tamara fragt mich, wieso ich meine große Tasche mitnehme und ob ich mein Geld nicht ihr geben will. Ich winke ab und sage nein, weil ich will meine Kamera mitnehmen. Später wird sich noch herausstellen, wieso ich unbedingt diese Tasche mitnehmen musste. Auch wenn ich es zu diesem Zeitpunkt noch nicht gewusst habe.
Bis nach Kumasi war auch alles kein Problem. Wir haben das Trotro gefunden und 4,60 Cedi, also etwas mehr als einen Euro für eine zweistündige Fahrt gezahlt. Doch in Kumasi wurde es dann kompliziert. Tamara hält einen Taxifahrer an und fragt ihn, ob er uns zum Militärmuseum fahren kann (das Museum ist nicht weit vom Büro). Er schaut sie nur dumm an und fragt „where?“. Tamara winkt ab und sucht das nächste Taxi. Doch auch dieser Fahrer kennt das Museum nicht.
Dann fragen wir einen dritten und fragen auch nach weiteren Punkten in der Nähe von unserem Treffpunkt. Doch weder die DHL-Filiale (ja hier gibt es überall DHL Stationen, anscheindend ist Deutschland für seine Zuverlässigkeit bekannt) noch den Vodafone-shop kannte der Taxifahrer. Er fragt uns, ob wir den Namen von dem Museum aufschreiben können. Und in diesem Moment greife ich in meine Tasche. Ja genau in dieser Tasche sind alle meine wichtigen Dokumente, die ich laminiert habe. Ich hole einen gelben Zettel raus und gebe ihn dem Fahrer. Ich zeige auf die Adresse von dem SYTO Büro in Kumasi und frage ihn ob er uns dahin fahren kann. „No problem“. Rabea fängt an zu lachen, als wir im Auto sitzen „Du lässt uns hier durchfragen und hast die Adresse in der Tasche, du bist echt witzig“. Naja, ich dachte, die beiden kennen sich aus. Deshalb habe ich mich zurückgehalten. Ich weiß, wir sind hier in einer 1,5-Millionen-Einwohner-Stadt, aber wenn mir jemand sagt, dass er weiß wie wir ankommen, dann vertraue ich der Person, sofern mir mein Orientierungssinn nicht helfen kann. Wie auch immer. Ich weiß jetzt wieso ich heute morgen unbedingt diese Tasche mitnehmen musste. Wie hat Rabea gesagt „du hast einen sechsten Sinn“. Dank meiner Tasche und meinen zu hause gemachten Vorkehrungen sind wir pünktlich im Büro angekommen. Mit pünktlich meine ich eine halbe Stunde zu früh. Planen ist hier relativ schwer, weil man nie weiß, wie schnell man durch den Verkehr kommt.
Im Büro hat dann noch ein Deutscher (Sandro) auf uns gewartet. Er war zusammen mit einem Iren in einer Gastfamilie, doch der ist mittlerweile wieder zurück in Irland. Sandro ist jetzt traurig, weil er niemand mehr hat, der mit ihm Bier trinkt. Dumm gelaufen.
Dann kamen noch zwei Belgierinnen und wir mussten vom deutschen ins englische wechseln. Wir (jetzt 2 Schweizerinnen, 2 Belgierinnen und eben 2 Deutsche) haben uns über unsere Erfahrungen ausgetauscht und das kommende Wochenende geplant. Gemeinsam. Mal schauen was das wird. 8 Europäer werden wir sein. Ob die Ghanaer mit so vielen Obrunis auf einem Haufen klarkommen?
Eric kommt herein, er ist der Koordinator unserer Organisation für die Ashanti-Region. Er hat Christine mitgebracht. Sie ist heute von Accra hergefahren und stellt sich vor. Wie aus Frankreich? Wieso spricht sie englisch? Ich dachte alle Franzosen können kein Englisch, oder wenn dann schlecht und mit starkem Akzent. Sie spricht relativ gut und man hört keinen französischen Akzent heraus. Irgendwas stimmt da nicht. Aber sie meint sie kommt aus Toulouse.
Zuerst gehen wir alle gemeinsam essen, denn es ist Mittagszeit. Wir möchten zahlen. Die Kellnerin bringt uns die Quittung von 86 Cedi, das sind gerade mal 20€! Und wir haben zu siebt gegessen und jeder hatte ein Trinken. Und ihr müsst wissen die Portionen hier sind so groß, dass ich nicht alles essen kann. Ja ihr habt richtig gehört. Zu viel Essen auf einem Teller für mich. Gibt es tatsächlich. Ja ich lasse es stehen. Ja ich weiß, die Kinder in Afrika hungern und ich lasse etwas übrig. Aber wenn ich satt bin, bin ich eben satt! Und gestern habe ich den Reis einpacken lassen und mein kleiner Bruder hat ihn heute in die Schule mitgenommen „my sister gave it to me“. Wie auch immer. Auf jeden Fall kam die Kellnerin mit der Rechnung. Und ja das Essen war billig. Schön und gut. Aber können wir getrennt zahlen? „Oh no, I don’t have change!“ Sie geht wieder. Ja wir sitzen in einem Restaurant. Aber in Ghana hat niemand Wechselgeld. Wirklich NIEMAND. Und wir haben heute das Kleingeld erst im Trotro gelassen und dann dem Taxifahrer gegeben, der ebenfalls kein Wechselgeld für einen 10-Cedi Schein hatte. Es ist wirklich ein Problem. Und dann haben die ja noch Preise mit Kommastellen. Die Cent-Stücke heißen hier Pesseos. Und Münzen hat absolut niemand. Keine Ahnung wieso die überhaupt existieren. Ich habe meine erste Münze nach einer Woche in Ghana bekommen. Erst. Davor habe ich immer 50 Pesseos dem Verkäufer gelassen. Er konnte mir ja nicht rausgeben. Wir fragen Eric wieso nie jemand in Ghana Wechselgeld hat. Er fängt an zu lachen. Laut zu lachen. Lachen ist auch eine Antwort. Auf jeden Fall haben wir nun im Restaurant versucht passend zu zahlen. Alle haben es irgendwie hinbekommen. Nur die Französin und ich hatten noch einen 20-Cedi Schein. Wir waren der Meinung die Bedienung sollte es nun schaffen uns auf 12 Cedi herauszugeben. Sie hat erst das Geld von den anderen genommen, dann unseres, ist zur Theke gelaufen und hat uns das Rückgeld gegeben. Geht doch. Wieso so ein Theater. Wir fragen sie wieso sie kein Wechselgeld hat. Schließlich bekommt sie von allen Gästen genug Geldscheine. Sie lacht nur. Das ist wohl ein Phänomen hier. Und aufklären wird uns wohl auch keiner. That’s africa.
Danach sind wir noch in ein kleines Lokal gegangen. Einige sandige rote Treppen herunter, zwischen Blechdächern entlang und durch einen Bambus-Vorhang hindurch. In der Vitrine stehen viele alkoholische Getränke. Vier Mal Cola bestellt. Gibt kein Wasser. Nein auch kein Cola light. Dann gehen wir hinter das Haus, gehen 5 Holzstufen hoch und setzen uns auf einen Mauervorsprung. „Why do we sit here?“ „Because it isn’t aloud to smoke inside“ Ja rauchen ist in Ghana in der Öffentlichkeit verboten. Und nicht gern gesehen. Deshalb muss man sich verstecken. Und wieso habe ich immer Raucher als Freunde? Ich glaube, weil es zu viele gibt. Zu viele Raucher.
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Rabea, Tamara und ich sagen um kurz nach 3, dass wir jetzt gehen müssen. Ja es dauert bis wir mit dem Taxi an der Trotro Station sind. Und danach dauert es immer noch. Und wir sollen im Hellen ankommen. Werden wir eh nicht schaffen. Weil es um 6 dunkel wird. Und sehr schnell stockdunkel. Und man nie weiß wie schnell man aus Kumasi rauskommt und was für Fahrzeuge man vor sich hat. Wir holen das Gepäck von der Französin. Einen kleinen Rucksack, eine Laptoptasche und drei Koffer! DREI!!! Trolleys. Weiß sie, dass sie hier in Afrika ist und keine asphaltierten Straßen erwarten soll? Ich glaube nein. Jeder von uns packt ein Stück und wir steigen in das Taxi. Im Trotro wird es dann noch lustiger. Die haben grundsätzlich keinen Platz für Gepäck und wenn, dann sind Rucksäcke immer noch besser zu verstauen, weil man sie quetschen kann. Ihre Hartschalenkoffer bereiten auch unserem erfahrenem Fahrer Kopfzerbrechen. Mit vielen Seilen und einer komplett offenen hinteren Tür passen die Koffer in den Van. Christine macht sich Sorgen. Wir beruhigen sie „they know how to do it, they always pack it like that“. Auch wenn wir noch nie eine Tür so weit offen gesehen haben. Aber wir müssen sie ja beruhigen. Sie ist neu. Aber der Fahrer steigt zwei Mal in Kumasi mitten im Verkehr aus und kontrolliert das Gepäck. Wohl nur um sicher zu gehen, ob er nachher mit 120 über die Landstraße fahren kann.
Stellt euch vor. Wir kommen mit samt dem Gepäck heile in unserer Familie an. Und es gibt sogar Wasser und Strom. Den Luxus hatten wir anderen drei nicht bei unserer Ankunft. Sie soll sich glücklich schätzen.
Wir sitzen alle zusammen. Mavis begrüßt unser neues Familienmitglied: „We are a big family. Now we are nine. My first daughter is Tamara, then I got twins, Anne and Rabea, because they arrived together, then you came into my family. The next daughter is Rejoice, then Kathy and the last is my son David. And now we are all one family!“

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Veröffentlicht in Ghana

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