Fahrt an den Bosomtwi-See – 25. Oktober

Übers Wochenende fahren wir an den Bosomtwi-See. Ein See nicht weit von Kumasi entfernt indem man angeblich schwimmen kann. Ich freue mich.

Es ist 5:57 Uhr als wir im Trotro Mampong verlassen. Bis jetzt ging alles recht schnell. Auf den Straßen in Mampong laufen am rechten und linken Straßenrand Studenten entlang. Die meisten joggen, einige laufen langsam. Fast alle in Schuluniform. Es werden immer mehr. Heute ist Samstag! Machen die das zum Spaß? Es sind geschätzt 500. (Habe später meine Gastmutter danach gefragt und sie hat mir erklärt, dass die Studenten das jeden Samstag machen. Ihre Fitness trainieren. Samstags um 6 Uhr. Vorbildlich). Wir verlassen Mampong. Nur noch einzelne Jogger kommen uns entgegen. Der Fahrer nimmt das Radio heraus und verbindet zwei Kabel. Er steckt es wieder rein. Dreht an zwei Knöpfen. Und? Es funktioniert. Da kommt Musik. Er sucht noch den richtigen Sender und konzentriert sich wieder auf die Straße. Wir lauschen afrikanischen Gesängen. Die Frau neben mir setzt ihre Tochter zwischen unsere Füße. Sie ist vielleicht 7. Eine Hand auf meinem Knie, eine auf ihrem.
Die kurvenreiche Straße durch die bewaldeten Hügel beginnt. Unser Fahrer drosselt die Geschwindigkeit etwas. Wir fahren über eine Unebenheit. Krrrrrrr. Etwas kratzt am Boden. Wir bleiben stehen. Der Fahrer steigt aus und läuft hinter der Auto. Zwei weitere Männer steigen aus. Der Fahrer holt etwas unter meinem Sitz hervor und geht wieder nach hinten. Ich schaue nach rechts – Wald. Ich schaue nach links – Wald. An uns fahren die Fahrzeuge vorbei, die wir kurz zuvor überholt haben. Der Fahrer und die anderen Männer steigen wir ein. Wir fahren wieder los. So schnell kann man eine Panne reparieren? Na dann gute Weiterfahrt.
Ein Minivan vor uns. Wir überholen. Ein Auto vor uns. Wir beschleunigen und überholen. Haben wir die meisten PS oder wieso können wir alle Fahrzeuge überholen? Ein LKW vor uns. Von hinten sieht man nur Säcke. Vermutlich gefüllt mit Holzkohle. Sie ragen über die Maße des LKWs hinaus. Wie überholen. Links sehe ich zwei Jungen auf einem Karren sitzen. Ein Esel zieht die beiden am Straßenrand. Wir überholen noch einige Fahrzeuge. Dann eins kurz vor einem Hügel. Ich sehe nichts. Wir hupen. Na dann kein Problem. Das entgegenkommende Fahrzeug müsste uns gehört haben. Gott sei dank kam keins. Der Beifahrer dreht sich um und schaut mich an. Er blickt direkt in mein entspanntes Gesicht. Er lächelt. Und sagt mir damit „keine Angst, wir haben alles im Griff“.
Wir fahren weiter. Ein Warnschild auf der anderen Straßenseite. Ein LKW steht quer. Ferndiagnose? Geplatzer Reifen wegen Übergewicht. Kommt vor.
Da ein Straßenschild! 50 steht da. Unsere Tachonadel erreicht in dem Moment die Zahl 120. Alles im Wagen vibriert. Ich fühle mich wie in einem Auto bei 200. Wobei da bin ich angeschnallt und habe die Fenster geschlossen. Hier nicht. Ich höre der Musik zu. Die Frau neben mir singt mit. Das Mädchen hebt den Kopf. Ich schau es an. Sie lächelt mich an und legt den Kopf wieder auf das Knie.
Wir bremsen ab. Eine Unebenheit auf der Straße. Rechts von uns biegt ein Auto auf die Straße. Eine Frau am Steuer. Hier in Ghana keine Seltenheit. Wir sind sogar einmal mit einer mitgefahren. Die ist sogar noch aggressiver gefahren. Der einzige Unterschied zu den männlichen Fahrern ist, dass sie nebenbei wie ein Wasserfall gequatscht hat. Die Männer am Steuer sind eher ruhiger und neben die gesamte Umgebung wahr. Sie auch. Aber sie ist eben ein Frau und kann nebenbei noch reden.
Wir kommen nach Kumasi. Der Verkehr wird dichter. Immer öfter hält der Wagen an und Leute steigen aus. Wir kommen zum Stehen. Rückstau von der Trotro Station. Ich frage die Frau neben mir, ob es noch weit ist. Sie sagt nein. Ich sage dem Fahrer, dass wir aussteigen wollen. Die Frau sagt wir sollen auf Wertsachen aufpassen, es gibt hier viele Diebe. Ich bedanke mich und steige aus. Wir laufen zwischen den Ständen und den Autos durch die Menschenmenge. Wir kommen am Platz an. Viele Männer kommen auf uns zu. Tamara läuft ziemlich gestresst vor uns. Sie möchte nicht mit denen reden. Dabei wollen sie uns nur helfen. Ich antworte einem. Er zeigt in die andere Richtung. Alle laufen mir hinterher. Ich frage noch einen Mann, er zeigt weiter in die Richtung. Wir laufen zwischen Straßenständen hindurch. Tamara fragt mich, ob ich mir sicher bin. Klar doch. Ich sehe zwar nur Kleidung und Lebensmittel aber dahinter sind Trotros. Da will ich hin. Ich biege ab. Ein Mann fragt mich wohin und zeigt dann auf den Wagen vor mir. Ich frage wieviel und sage den anderen sie sollen einsteigen. Geschafft. Relativ schnell füllt sich das Trotro und wir tuckern durch das Verkehrschaos in Kumasi. Wir fahren durch Dörfer und über Felder. Immer wieder hält der Wagen an und Leute steigen aus. Dann hält der Fahrer und sagt wir müssen hier raus. Hier? Ich sehe keinen See. Wir sind mitten in einem Dorf. Wir müssen mit einem Taxi weiter. Sofort kommt einer, der uns fahren will. 3 Cedi für jeden. Wir sind einverstanden. Die Fahrt geht los. Eine abgelegene Straße. Mitten durch den Wald. Tamara sagt „jetzt sind wir wirklich im Busch“ und lacht. Sie hat Recht. Der Taxifahrer hupt andauernd. Die Straße ist sehr eng und man sieht nicht um die Kurven. Da ist der See! Ich sehe ihn. Wunderschön. Nach einigen Kurven kommen wir in ein Dorf und er hält an. Wir sollen raus. Da geht’s lang sagt er und zeigt auf einen Weg in den Wald hinein. Also gut, wir zahlen und machen uns auf den Weg.
wpid-img_5924.jpg
Es geht auf und ab zwischen Palmen, Bananenstauden und hohen Bäumen hindurch. Es ist bewölkt, aber stickig heiß. Ich atme schwer, obwohl wir kaum Höhenmeter machen. Zwei Kinder kommen uns entgegen. Sie lachen und berühren unsere Hände. Wir kommen in ein Dorf. Links Richtung See ein Schild „Paradies Resort“, rechts zwei Kinder vor einem Brunnen, die Wasser pumpen. Dahinter viele Hütten aus Stein. Krasse Gegensätze. Wir laufen durch das Dorf.
wpid-img_5940-1.jpg.jpeg
Ich traue mich nicht meine Kamera herauszuholen. Zu große Armut. Da stehen einige Frauen. Ich gehe auf sie zu und frage nach der „Green-Ranch“. Sie sprechen kein englisch, rufen aber einen jungen Mann. Er zeigt weiter auf den Weg geradeaus. Wir laufen weiter. Schweigend nebeneinander. Wir kommen heraus und laufen zwischen großen Gräsern und hohen Bäumen hindurch. Es wird heißer. Die Sonne kommt heraus. Wir passieren noch ein Dorf. Nach etwa einer Dreiviertelstunde entdecken wir das Schild. Geschafft.

Advertisements
Veröffentlicht in Ghana

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s