Erster Tag im „Mampong babies home“ – 16. Oktober

Wie war die erste Nacht in Mampong? Heiß! Hier im Landesinneren haben wir ein anderes Klima als in Accra. Dort hatten wir die Meeresbrise. Hier nicht. Die Durchschnittstemperaturen liegen ganzjährig über 27 Grad. DURCHSCHNITT. Nicht vorstellbar für Europäer. Aber ich spüre es. Und in Accra habe ich auf ein Moskitonetz verzichtet. Das ist hier nicht denkbar. Unter dem Netz sind gefühlt nochmal 5 Grad mehr. That’s Africa.

Das erste was ich heute morgen machen wollte war duschen. Ja es gibt kein fließend Wasser, weil ein Rohr kaputt ist. Aber Richard, unser Vater im Haus, hat welches im Eimer gebracht. Ich wusste gar nicht mit wie wenig Wasser man sich duschen kann. Es war aber so schön kalt und sehr erfrischend.

Tamara, die Schweizerin, die seit einer Woche bei unserer Gastfamilie ist, zeigt uns den Weg zum Waisenhaus. 10min laufen wir. Erst auf Straßen aus roter Erde, dann auf einer asphaltierten Straße, der Hauptstraße. Wir sind da. Eine Frau begrüßt uns. Sie fragt mich wieso ich mein Gepäck mit habe. Ich erkläre ihr, dass dort Kleidung, Schuhe, Kuscheltiere und Zahnpasta für die Kinder drin ist. Sie möchte die Kleider sehen. Sie sortiert die Kleider. Gibt mir einen Stapel in die Hand. Diese Kleider ziehen wir den Kindern heute an. Wir gehen in ein anderes Gebäude. Voll mit Säuglingen und Kleinkindern. Die jüngsten sind Zwillinge und wahrscheinlich 2 Monate alt. Der älteste ist 2 Jahre alt. Einige Kinder rennen auf uns zu. Sie lachen. Sie wollen hochgehoben werden. Es sind noch fünf weitere Volontäre hier. Es sind 5 Däninnen. Sie sind nur noch eine Woche da. Jeder hat ein paar Kinder um sich herum und auf dem Schoß. Es ist Spielzeit. Es wird nicht gespielt wie in Deutschland. Die Kinder rennen durch den Raum oder kommen einfach zu uns und wollen nur Zuneigung. Sie wollen umarmt werden. Ich liege auf dem Rücken. Habe einen schreienden Jungen zu mir gerufen. Er liegt auf meinem Bauch. Sein Atem beruhigt sich langsam. Die kleine neben mir quengelt. Ich reiche ihr meine Hand. Sie spielt mit meinen Armbändern. Drückt meine Hand an ihren Körper. Sie lächelt. Kurze Zeit kein Geschrei. Ich spüre den Herzschlag von dem Jungen auf meinem Bauch. Er liegt einfach nur da. Die Hände um mich geschlungen. So friedlich.

wpid-dsc_0192.jpg

Es ist Fütterzeit. Eine Frau bringt einen großen Kessel ins Zimmer. Milch? Wahrscheinlich, gemischt mit was anderem. Die Größeren bekommen eine Tasse in die Hand gedrückt. Sie sitzen auf dem Boden. Andere werden auf die Matte gelegt und bekommen ein Fläschchen in die Hand. Sie können das alleine. Die anderen müssen gefüttert werden. Jede Volontärin hat eines von den Kleinsten auf ihrem Schoß und füttert den Säugling.

Eine Frau kommt herein. Sie trägt auf dem Kopf einen Eimer mit heißem Wasser. Es dampft noch. Aber sie trägt ihn souverän. Kein Tropfen auf den Boden. Die Kinder werden gewaschen. Zwei sind fürs Ausziehen zuständig. Dann wäscht eine ghanaische Angestellte die Kinder in einem Becken. Sie singt. Danach nehmen zwei andere Volontäre sie in Empfang, trocknen und pudern die Kleinen. Sie werden ins Bett gelegt und zwei weitere sind fürs Anziehen zuständig. Es geht recht zügig. Dafür, dass es 20 Kleinkinder und Säuglinge sind.

Unsere Zeit ist vorbei. Die Kinder schlafen jetzt und wir haben Pause. 5 Stunden lang.

Wir laufen zurück. Tamara spricht nur schweizerdeutsch. Ungewohnt für Rabea und mich. Wir sprechen untereinander nur englisch. Naja jetzt muss ich wohl auch noch schweizerdeutsch lernen.

 

Mittagspause. Rabea und ich wollen Früchte kaufen. Mavis, unsere Gastmutter fährt mit uns ins Zentrum. Mit dem Taxi. Die Taxifahrt kostet 1 Cedi. Umgerechnet ungefähr 20 Cent. Mit dem Geld kann ich in Deutschland ein Taxi nicht mal anschauen. Wir sind da. Überall Verkaufsstände. Wir kaufen Papayas, ich Bananen und Rabea noch Äpfel und Karotten. Alles frisch. Sehr frisch. Wir setzen uns auf eine Bank. Vor uns eine Plastiktüte mit Fleisch. Viel Fleisch. Einige Kilo Fleisch. Und viele Mücken. Sehr viele. Ich genieße meine Banane. So fruchtig. Sie schmeckt viel süßer als erwartet.

Am Nachmittag gehen wir wieder ins Waisenhaus. Die Kinder stehen schon in den Betten und warten auf uns. Kein Erwachsener bis jetzt im Raum. Wir holen die Kinder und kümmern uns gefühlt um 5 gleichzeitig.

wpid-dsc_0177.jpg

Zurück in der Gastfamilie. Alle schauen fern. Ebola Präventions Sendung. Sie wird alle halbe Stunde zwischen die anderen Sendungen geschaltet. Aufschlussreich. Informativ.

Nachrichten. In der einheimischen Sprache – Twi. Richard klärt uns auf. Das Land hat ein Energieversorgungsproblem. Deshalb wurde ein neues Vorgehen präsentiert. 12 Stunden Strom. Die nächsten 24 Stunden kein Strom. Immer wieder. Glaub so was nennt man bei uns Sparpläne.

Ich komme nach dem Duschen ins Wohnzimmer. Cathy, die kleine Schwester, nimmt meine Haarbürste, steht hinter mir auf sem Sofa und kämmt meine Haare. David möchte auch. Mavis, die Mutter, verbietet es ihm: „David, some things are for girls, others for boys. That’s nothing for you.“ Könnt euch ja vorstellen wie das in meinen Ohren geklungen hat. Kathy fängt an meine Haare zu flechten. Ich gebe David die Haarbürste und sage Mavis, dass es ok für mich ist. Verschiedene Kulturen treffen aufeinander.

 

Klick. Stromausfall. Eigentlich soll der Strom erst morgen früh abgeschaltet werden. Aber das heißt nicht, dass er bis dahin problemlos läuft.

Ich geh ins Bett. Schlüpfe unter das Moskitonetz. Es ist heiß. Verdammt heiß.

Gute Nacht!

Advertisements
Veröffentlicht in Ghana

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s