Das Leben in der ghanaischen Gastfamilie

Meine Gastfamilie nimmt uns drei Mädchen als volle Familienmitglieder auf. Sie kümmern sich um uns wie um die eigenen Töchter, wenn wir krank sind und sagen ihren eigenen Kindern „bring it to your sister“, wenn sie uns meinen.

Wer ist also unsere Familie?
Mavis, die Mutter. Eine liebevolle energiegeladene Frau. Ich fühle mich bei ihr nicht nur deshalb so wohl, aber sie schreit gerne durch die ganze Wohnung, so dass man sie im ganzen Haus hört. Wie bei mir zu hause eben.

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Richard, der Vater. Er holt uns immer von draußen Wasser im Eimer, wenn mal wieder kein Wasser aus der Leitung kommt und hilft uns, wenn die ghanaischen Simkarten in unseren Handys nicht so funktionieren wie wir es wollen.

Rejoice, die älteste (8 Jahre alt). Hat kurz geschorene Haare, weil das alle Mädchen in den öffentlichen Schulen haben müssen.

Kathy, die jüngere Schwester (6 Jahre alt). Hat ganz tolle Zöpfchen. Weint viel.

wpid-img_5910.jpg Kathy (links) und Rejoice (rechts)

David, der jüngste in der Familie (5 Jahre alt). Kann nicht still sitzen. Hat kein Feingefühl (habe ich unter anderem festgestellt, als er meine Haare gekämmt hat). Keine fein- und grobmotorischen Fertigkeiten. Braucht mehr Bewegung. Und Förderung im Bereich Feinmotorik.

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Tamara (19), angehende Krankenschwester in der Schweiz, war 4 Wochen in Port Elisabeth in Südafrika bevor sie nach Ghana kam und fliegt nach ihrem zweimonatigen Aufenthalt hier weiter nach Australien, dann auf die Fidschi-Inseln und zum Schluss auf die Mauritius bevor es wieder zurück in die Schweiz geht.

Rabea (27), war Managerin von einer Müller-Filiale in der Schweiz. Hat vor ihrem Ghana Aufenthalt auch ein Sprachtraining in Südafrika gemacht, in Kapstadt. Fliegt danach weiter nach Thailand und Neuseeland oder was sich noch so ergibt.

Wie ihr seht sind wir drei alle auf einer großen Reise. Die beiden Schweizerinnen auf Weltreise und machen nur eine kleine Zwischenstation in Afrika. Ich bleibe länger in Ghana als die beiden und bleibe danach auf diesem Kontinent. Interessante Frauen. Wir können uns gut austauschen. Sachen leihen. Tipps geben.

Die beiden Schweizerinnen haben festgestellt, dass ich sie verstehe auch wenn sie ihren Dialekt sprechen. Deshalb sprechen sie so jetzt auch mit mir. Ich muss mich jetzt bei ihnen mehr anstrengen beim zuhören, als wenn ich mich mit jemand auf englisch unterhalte. Erstes Wort auf schweizerdeutsch gelernt. Ziuschtich. Keine Ahnung ob man das so schreibt. Auf jeden Fall heißt es Dienstag.

Habe heute mit den drei Kindern im Hof gespielt. Wir haben fangen gespielt und sind durch den ganzen Hof gerannt. In der Mitte steht der Hund. Genau. Den hätte ich fast vergessen. Wir haben einen Hund. Im Hof. Nur im Hof. Ja ich habe Angst vor Hunden. Immer noch. Aber dieser Hund ist toll. Der hat mich noch kein einziges Mal beachtet. Als wir mit Mavis hier angekommen sind, ist er wedelnd zu ihr gelaufen und hat uns aber kein bisschen beachtet. Danach war ihm klar, dass wir zu der Familie gehören, weil wir mit seinem Herrchen in sein Revier gekommen sind und jetzt hebt er nicht mal den Kopf, wenn wir zum Tor hereinkommen. Er liegt immer unter dem Auto. Im Schatten. Aber beachtet mich nicht. Er ist quasi nicht anwesend. Toller Hund.

Und heute. Als wir fangen gespielt haben? Er stand mitten im Hof. Wir sind um ihn herumgerannt. Er hat sich nicht bewegt? Unvorstellbar oder? Aber wahr. Irgendwann ist es ihm zu bunt geworden und er hat seinen Platz unter dem Auto aufgesucht. Toller Hund. Er beachtet mich nicht und ich beachte ihn nicht.

Ich bin mit den Kindern draußen. Wir rennen. Mavis kommt „it rains“. Ja und? Es sind bestimmt immer noch 25 Grad. Endlich mal angenehm. Und die Kinder sind endlich mal draußen und rennen. Und lachen. Deshalb mag ich Kinder.

Ich liege im Bett. Es fängt an zu regnen. Es wird immer lauter. Ich höre nichts anderes mehr. Nur ein Rauschen. Ein lautes Rauschen. Ein Wasserfall? Etwas in der Art. Hört das auch irgendwann wieder auf? Anscheinend nicht. Habe kein Schlauchboot mit. Und auch keine Arche gebaut. Dabei sind das hier definitiv sintflutartige Regenfälle. Habe ich etwas draußen stehen? Meine Schuhe? Unter dem Dach, aber reicht das? Man ist das verdammt laut. Wohin soll das Wasser bitte verschwinden? Und noch viel interessanter ist – von wo kommt das viele Wasser? Das Rauschen wird leiser. Gott sei dank. Jetzt höre ich nur noch Wasser fließen. Überall. Es donnert weit entfernt. Ich höre das Wasser aus der Regenrinne auf die Erde fallen. Der Regen wird wieder lauter. Ich habe das Gefühl es ist noch lauter als zuvor. Ist das überhaupt möglich? Wenn ein Düsenjet neben mir starten würde, würde ich ihn auf jeden Fall nicht hören. Der Regen hier ist lauter. Ich will meine Stuttgarter Landebahn zurück. Die ist so schön leise. Selbst bei Hochbetrieb. Ich kann nicht einschlafen.

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2 Gedanken zu “Das Leben in der ghanaischen Gastfamilie

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