Drum session at the beach

Sorry für den englischen Titel, aber es fällt mir zunehmend schwerer die deutschen Worte zu finden. Ich weiß nicht was mit mir passiert ist. Selbst mit der Schweizerin spreche ich Englisch. Und unsere neue deutsche Mitbewohnerin habe ich auch gleich zurechtgewiesen, dass sie mit mir nicht deutsch sprechen soll. Es ist unhöflich den anderen Gegenüber. Und ich kann eh kein deutsch. Grammatikalisch korrekte Sätze waren nie meine Stärke. In englisch zwar auch nicht, aber desto mehr ich spreche, desto besser werde ich. Ich habe das Gefühl ich denke bereits in englisch. Vorher beim Abendessen haben mich die Holländerin und die Norwegerin für mein englisch gelobt. Was für ein Lob! Die Norwegerin spricht nämlich fließend wie ein Muttersprachler! Ich glaube das wird noch was mit uns. Der englischen Sprache und mir. Of course!

Das Leben im Hostel gefällt mir immer besser. Man lernt die Anderen sehr schnell kennen. Und ziemlich gut. Wir verbringen 24 Stunden am Tag miteinander. Wir kennen unsere Stärken und Macken. Was hat die Norwegerin heute zu mir gesagt? „You love yellow and orange!“ Nach zwei Tagen. Ja ok. Ich habe auch alles in den Farben. Mein Schlafsack. Meine Tasche. Mein Kissen. Mein Nähtäschchen. Mein Fingerhut. Meine Haarbürste… Aber trotzdem. Wir haben uns schnell kennengelernt. Wir verstehen uns. Es ist immer interessant sich mit ihnen zu unterhalten.

Nun zum eigentlichen Thema. Heute hat unsere Orientierungswoche begonnen. Das heißt wir haben einen Einblick in die meistgesprochene einheimische Sprache, Twi, erhalten. Im Vergleich zur deutschen Sprache ist es möglich diese Sprache in kurzer Zeit zu lernen. Obruni. Das wichtigste Wort. Alle Ghanaer rufen uns so. Es heißt einfach nur „weiß“, aber es ist nicht diskrimierend gemeint. Die Leute hier benutzen es nur solange wie sie deinen Namen nicht kennen. Unsere Programmkoordinatorin spricht mit uns auch über die Unterschiede zwischen den Kulturen. Es ist eine interessante Unterrichtsstunde.

Anschließend machen wir uns auf den Weg ans Meer. An einen schönen Strand. Dort werden wir unser Mittagessen zu uns nehmen und anschließend einen weiteren Einblick in die Kultur erhalten. Mit dem Minivan fahren wir durch die Stadt. Durch das alltägliche Verkehrschaos. Der Verkehr in Accra wird weder mit Geschwindkeitsschildern, noch durch Ampeln und erst recht nicht mit Blinker geregelt. Es nur eine einzige Regel. Wer hupt darf fahren. Oder so ähnlich. Auf jeden Fall haben die Fahrer die linke Hand am Lenkrad und die rechte Hand ist permanent auf der Hupe! Unvorstellbar? Für mich nicht mehr. Wir nennen es hier den alltäglichen Wahnsinn. Trotz dieser chaotischen Fahrweise habe ich immer noch keinen Unfall gesehen. Ich weiß nicht wie sie es machen, aber es ist immer knapp.

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Wir sind am Strand. Ich sehe Palmen. Ich höre das Rauschen der Wellen. Ich rieche Salz in der Luft. Ja hier sind wir richtig. Ich fühle mich wohl. Wir setzen uns an einen Tisch. Bekommen frisch gepressten Ananassaft serviert. So fruchtig! Perfekt. Ich sitze im Strandstuhl, stecke meine Füße in den Sand, strecke mein Gesicht der Sonne entgegen und lausche. Den Wellen. Den Einheimischen. Dem Gitarrenspieler. Glücklich. Das ist das richtige Wort. Ich bin glücklich.

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Nach dem Essen gehen wir in den ersten Stock des Gebäudes. Ein offenes Gebäude. Man sieht die Wellen. Die großen Wellen. Man hört sie. Wir sitzen im Kreis. Jeder hat eine Trommel zwischen den Füßen stehen. Wir trommeln im Takt. Stephen gibt uns die ghanaischen Namen für die verschiedenen Trommelschläge. Dann klopft er sie vor. Wir trommeln gemeinsam. Wiederholen den Rhythmus zweimal. Viermal hintereinander. Sechsmal. Zehnmal. Bis wir alle im Takt sind. Und dann solange wie wir es schaffen. Es klingt toll.
Nun sollen wir unseren Rhythmus trommeln. Er schlägt einen eigenen. Ich schließe die Augen. Die Hände trommeln wie von allein. Sein Rhythmus fesselt mich. Ich sehe afrikanische Füße tanzen. Sie tanzen im Takt. Ja sie tanzen zu unserem Rhythmus. Ich höre das Meer. Ich öffne die Augen. Oh ich bin immer noch im Gebäude am Strand. Da sind keine tanzenden Menschen. Aber die Trommeln höre ich immer noch. Ja es ist echt. Faszinierend. Ich liebe es. Ich sehe das Meer.

Nach einer kurzen Pause in der jeder seinen Gedanken folgt beginnt die Tanzstunde. Ja wir tanzen einen afrikanischen Tanz. Einen Tanz auf den eben getrommelten Rhythmus. Aber jetzt trommelt niemand. Unser Tanzlehrer macht alle Geräusche mit dem Mund. Es klingt fantastisch. Wir machen die ersten Schritte. Zuerst zaghaft, dann immer lockerer und schwungvoller. Es macht Spaß. Einige Ghanaer beobachten uns. Wir klatschen. Im Takt. Und drehen uns. Es macht Spaß. Die Wellen rauschen. Mir ist heiß.

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Nach der Stunde sind wir alle verschwitzt. Ins Meer? Alle zögern. Ich frage unseren Manager. Er sagt es ist ok. Wir vier weiße Frauen rennen an Strand. Äh sollen wir uns hier ausziehen? Ist das respektvoll? Solche Gedanken hatte ich noch nie. Aber in dieser Umgebung kommen sie von allein. Ich renne zurück und frage unseren Manager, ob es in  Ordnung ist, wenn wir uns ausziehen. Er sagt ja. Also gut. Ich gehe zu anderen. Ziehe mich aus. Selbstverständlich habe ich meinen Bikini schon drunter. Die anderen auch. Ich fühle mich unwohl. Egal. Ich hab die Erlaubnis. Ich drehe mich nicht um. Dennoch spüre ich die Blicke der Afrikaner im Rücken wie Nadelstiche. Ich renne los. Wasser. Es ist salzig. Es ist warm. Herrlich. Ich lasse mich fallen. Verschwinde in den Wellen. Der Strandwächter pfeift uns zurück. Keine sichere Stelle. Zu hohe Wellen. Unser Manager sagt wir sollen bleiben. Die beiden streiten. Auf Twi. Wir verstehen nichts. Ich entscheide mich im Meer zu bleiben bis die beiden sich geeinigt haben. Ich renne erneut in die Wellen. Herrlich. Das Meer. Ich liebe es. Wir gehen zurück. Laufen zu unseren Kleidern. Ich fühle mich unwohl. Noch nie habe ich mich so nackt in einem Bikini gefühlt wie in diesem Moment. Schnell anziehen. Wir können hier duschen. Nein danke. Ist ok so. Ich will mich nur schnell anziehen. T-Shirt über den Kopf ziehen, Tuch um die Beine wickeln. Puuh. Jetzt fühle ich mich wohl. Aber es tat gut. Das Meer. Das Salzwasser. Ich werde wiederkommen. Aber ich werde mir einen einsameren Platz suchen. Nicht so viele Menschen. Das werde ich machen. Bis dann. Und ab in Minivan. Ein letzter Blick aufs Meer und das Geholper über die Straßen beginnt erneut.

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4 Gedanken zu “Drum session at the beach

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