Ein Einheimischer zeigt uns seine Stadt

Unser Hostelzimmer ist mittlerweile voller geworden. Da ist die Anne aus Holland, die 3 Mal am Tag mit ihren Freunden und ihrer Familie skyped und das Hostel noch nicht verlassen hatte bevor ich angekommen bin. Dabei kam sie einen Tag vor mir an. Eigentlich hat sie nicht mal ihr Bett verlassen. Sie hat wohl Heimweh oder so was ähnliches. Kenn ich nicht. Ich weiß nicht wie man sich da fühlt. Auf jeden Fall sieht sie nicht glücklich aus. Dann kam gestern Abend noch eine Norwegerin. Andrea. In ihrer Heimat ist schon der erste Schnee gefallen. Sie ist selbstverständlich diejenige von uns dreien, die am besten englisch spricht. Heute Mittag kam dann noch die Schweizerin. Sie heißt Rabea und kommt direkt aus Südafrika, Kapstadt. Naja was heißt direkt. Über Dubai musste sie fliegen. Sie ist Raucherin. Was heißt Raucherin. Eine Zigarette bis jetzt. Komm ich mit klar. Nur ist es von den Ghanaern nicht so gern gesehen. Hier raucht kaum jemand. Oder ich sehe die Raucher nicht. Normalerweise rieche ich sie. Sie ist aber die erste die ich rauchen sehe. In Accra gibt es keine Raucher. Die Norwegerin erklärt mir gerade, dass Rauchen in Ghana verpönt ist. Jetzt weiß ich endlich wieso ich nach Ghana wollte. Keine Raucher. Kein Salat zum Essen. Viel Fleisch. Ein Traum! Naja wie auch immer. Rabea wird mit mir ins Projekt gehen und vermutlich werden wir uns bei derselben Gastfamilie ein Zimmer teilen. Mal sehen ob wir uns weiterhin auf englisch verständigen werden oder ob wir im deutschen auch auf einer Wellenlänge sind. Soviel zunächst über meine Mitbewohner.

Nachdem wir heute morgen gefrühstückt hatten, wollte ich raus. Nana, unser ghanaischer Freund seit gestern, saß schon unten und hat gewartet. Selbstverständlich hat er sich bereit erklärt mit uns zu gehen. Uns, damit meine ich die Holländerin, die Norwegerin und mich. Wohin? „Just walk around“ war meine Antwort. Als ob ich mich hier auskenne. Er wohnt hier also soll er mir die Stadt zeigen. Er ist etwas überrascht, dass ich kein Problem mit langen Wegen habe. Naja wie auch immer. Wir laufen durch die Straßen. Zwei mal Paparazzi. Die beiden Annes mit ihren Canon Spiegelreflexkameras. Eine kleine Herausforderung für Nana, weil er unsere Schätze schon in den Händen von Dieben, uns im Straßengraben oder vorm Auto sieht. Deshalb sagt er alle 2 Minuten „watch out!“ Aber wir haben alles im Griff.

Nana: „I’m freezing!“
Andrea (Norwegerin): „I’m mealting!“
Ja, was für den einen kalt ist, ist für den anderen warm. Zur Erklärung. Der Himmel war bedeckt und wir hatten um die 25 Grad. Nicht jedermanns Sache. Meine schon!

Laufen zwei Asiaten vor uns. Fordert mich unser ghanaischer Freund auf „take a picture of them!“. Ich verstehe nicht wieso und lache nur. Er erklärt, „damit ich meinen Freunden zu Hause zeigen kann, dass die Asiaten überall sind, auch in Afrika.“ Also habe ich sie fotografiert. Die hatten gar keine Kamera mit sich. Komischer Anblick.

Nana möchte uns das teuerste Hotel von Accra zeigen. Was steht drauf? Mövenpick. Selbstverständlich. Ich erkläre ihm, dass das das beste Eis ist. Und ja selbstverständlich kann ich ihm eins mitbringen. Eis schmilzt ja nicht sofort. Ok, habe ihm versprochen das nächste Mal eins mitzubringen. Dann gehen wir rein. Durch das Tor. Am Pförtner vorbei. Als Weiße ist es erstaunlich einfach dort hereinzukommen. Bis zum Pool. Aber nur bis! Das war gemein! Stehen drei Blondinen unter der Palme direkt am Pool und schwitzen. Bestimmt ein toller Anblick.

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Danach sind wir noch zum Independence Place gelaufen. Dieser Platz ist riesig und sieht aus wie ein Stadion, mit Tribünen und vielen Sitzplätzen. Wird aber nur am Unabhängigkeitstag genutzt. Plötzlich sehe ich das Meer. Selbstverständlich will ich da sofort hin. Nana klingt nicht so begeistert, bringt uns aber dennoch zum Strand. Er erklärt uns, dass wir sehr vorsichtig sein sollen. Es ist kein schöner Strand. Er mag ihn nicht, weil hier viele „bad guys“ herumlaufen. Ok, am Strand lag viel Müll rum und ja da waren nur junge Afrikaner im Wasser und am Strand. ABER ES WAR EIN WUNDERSCHÖNER! Ich wollte ans Wasser laufen, aber stop. Wieso darf ich nicht? Ich renne immer als allererstes ins Wasser, wenn ich an einen Strand komme! Wieso soll ich mich hier hinsetzen? Versteh ich nicht. Ja ich hab ihn solange genervt, bis ich gehen durfte. Ja ich weiß, dass er Angst hat. Ja er fühlt sich für unsere Sicherheit verantwortlich. Aber er arbeitet nicht für die Organisation und es ist immer noch meine Entscheidung was ich tue. Ja manchmal ist es hier kompliziert.

Wie auch immer. Ich bin doch noch ins Salzwasser gekommen und durfte meine Hose von den Wellen nassspritzen lassen. Ich stehe bis zu den Knien im Meer, lausche den Wellen und atme den salzigen Geruch in der Luft ein. Die Sonne brennt auf meinen Armen. Ja ich habe mich eingecremt. Ich liebe einfach das Meer. Und die Sonne. Egal wo! Nana reißt mich aus meinen Gedanken heraus. Die andere Anne fühlt sich nicht wohl. Wir müssen gehen. Wie kann man sich am Meer nicht wohlfühlen? Versteh ich nicht. Sie hat Bauchweh? Dann nimm einen Schluck Salzwasser und dir gehts wieder gut. Keine gute Idee? Ok ich bin still. Ok ja ich komme.

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Jetzt weiß ich wieder wieso ich alleine reisen wollte. Ich will das machen worauf ICH Lust habe. Nicht auf andere Rücksicht nehmen müssen. Keine Kompromisse eingehen. Nur das machen was ich will. Jetzt wäre das ein langer Strandspaziergang gewesen. GEWESEN. Ich weiß wen ich das nächste Mal nicht mitnehmen werde. Nana hatte Recht gestern als er gesagt hat, dass Holländer und Deutsche sich nicht mögen. Er hat bei der WM dafür gebetet, dass Deutschland und Holland nicht im Finale aufeinandertreffen, weil sonst ein Krieg ausbrechen würde. Deshalb musste Argentinien gegen Holland gewinnen. Seine Theorie. Kann ich mit leben, solange am Ende die Deutschen gewinnen!

Genau da war die Sache mit Gott. Nana ist überzeugter Christ. Er betet zu Jesus und Gott wie er immer sagt. Ja auch mich hat er gefragt. Nein ich glaube nicht. Darauf hat er kaum reagiert. Ist halt so. Akzeptiert. Ja die Ghanaer sind sehr tolerante Menschen. Nana pflegt zu sagen „we are all the same people, black and white, all the same“. Und zurück zum Thema. Unser ghanaischer Freund ist Künstler. Er malt wunderschöne Bilder. Jede von uns dreien hat sich eins ausgesucht. Und dann ging es darum den Preis zu verhandeln. Die anderen beiden Frauen wussten gar nicht worum es ging als er „80 Cedi“ sagt. Ich, erfahren im Verhandeln in Rumänien und Italien, steige sofort darauf ein und sag „50“! Er starrt mich an und fragt mich, ob ich Gott bin. Ich bin verwirrt. Den Ausdruck kenne ich nicht. Er erklärt mir dass er den beiden Italienerinnen aus dem Hostel die Bilder je für 50 verkauft hab. Von wo weiß ich das? „You are god!“. Glaube was du willst und woran du willst. Ich auf jeden Fall glaube an mich und daran, dass ich das schöne Bild für 50 Cedi gekauft habe. Achja und die beiden anderen dank mir ebenfalls.

In diesem Sinne:

Good Bye
The nonreligios God

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Veröffentlicht in Ghana

3 Gedanken zu “Ein Einheimischer zeigt uns seine Stadt

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