„El classico“ im Fußballstadion in Accra

„Today there is a big match in soccer in Accra. It is like el classico in Spain. You know?“
„Of course!“
„How do you call it in Germany? Which teams“
„Bayern agaist Dortmund“
„Yeah, do you want to watch the game?“
„Of course!“

So hat der ganze Spaß angefangen. Heute spielt die Mannschaft aus Kumasi gegen Accra. Das sind die beiden größten Städte Ghanas. Ja und ich habe eben gesagt ich gehe ins Stadion. Während dem Spaziergang durch die Stadt schließt sich die Norwegerin meiner Entscheidung noch an und später auch die Schweizerin. Selbstverständlich bleibt die Holländerin im Hostel. Ihr ist ja schon am Strand schlecht geworden.

Wir sitzen an den Tischen vorm Hostel und fragen Nana ob wir los gehen. „Oh no there’s enough time!“ Es ist 14:30 Uhr.  Und ja das Spiel beginnt in einer halben Stunde. Viertel vor stehen wir auf. Nana lässt seine Schuhe vom nächsten Straßenhändler reparieren. Es ist 15 Uhr. Wir rufen ein Taxi. Das erste wird weitergeschickt, weil es uns nicht für umgerechnet 1,50€ zum Stadion fahren will. Das zweite schon. An der Tankstelle vorm Stadion steigen wir aus und jemand drückt unserem Freund ein paar Scheine entgegen. Das Spiel hat schon begonnen. Wir hören die Vuvuzelas. Es ist laut. Viele Menschen rennen kreuz und quer. Autos parken überall. „There!“ Da rein soll ich? Ein Loch in der Wand. Gefühlt. Es sieht eher aus wie eine Gefängniszelle als ein Stadioneingang. Ich betrete die ein Quadratmeter große Zelle. Links von mir: Eisenstäbe. Rechts von mir: Eisenstäbe und dahinter ein Mensch der Geld will. Vor mir: Drehkreuz. Nana drückt der Person hinter den Stäben einige Geldscheine in die Hand. Ich soll durchlaufen. Lande in den Händen einer Polizistin. Werde abgetastet. Gibt nix zum Tasten. Darf gehen. Ich bin drin. Also fast. Wir brauchen noch einen Platz. Nana sucht eine Empore mit wenigen Menschen. Er ist für unsere Sicherheit zuständig. Wir werden fündig. Setzen uns. Geschafft. Fürs erste.

Nana zeigt auf die Tribüne zu dem VIP Bereich.  Er erklärt uns da ist sein Freund. Wären wir früher im Stadion gewesen würden wir jetzt dort sitzen. Im klimatisierten Raum. Im Schatten. That’s life. Wie Nana immer zu sagen pflegt. Aber er meinte wir haben genug Zeit, wie auch immer. Wir braten in der Sonne und wissen jetzt, dass die Gelben sein Team sind. Ok jetzt weiß ich für wen ich halten soll. Gelb. Kann ich mir merken.

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Zwei mal das leere Tor nicht getroffen. Nana das sieht nicht gut aus. Und da die Roten sind am Ball. Der Gelbe berührt den Ball und lenkt ihn am Torwart vorbei ins Tor. Das war aber das falsche. Ein Eigentor. Wie schlecht. Ich mag Eigentore nicht. Egal wer trifft freuen kann ich mich nie. Entweder ist der Ball im falschen Netz oder der Torschütze von der falschen Mannschaft. Wie auch immer. Es steht 1:0 für die Gegner. Das Stadion bebt. Die Vuvuzelas tröten. Die Fahnen schwingen. Die Fans tanzen. Nana schimpft. Die Sonne brennt.

Das Spiel geht weiter. Ich schätze es war die 20. Minute. Ich habe schon einige Spiele gesehen. Aber noch nie eine Mannschaft, die in der 21. Minute anfängt auf Zeit zu spielen. Die armen Physios tun mir leid. Müssen alle 5min auf den Platz rennen. Umsonst. Schließlich hat der Spieler schon vergessen, wo er sich verletzt hat. Typisch Fußballer. Wie auch immer. Es ist ein anstrengendes Spiel. Spielfluss? Was ist das? Gibt es hier nicht. Also beobachte ich die Menschen. Im Stadion gibt es keine Essensstände. Braucht man auch nicht. Hier laufen genug Frauen mit Getränken und Essen in Körben herum. Getragen wird alles auf dem Kopf. Versteht sich. Da ein Junge. Vielleicht 5 Jahre alt. Er trägt ein Tablett und verkauft Bonbons. Der Mann neben uns möchte eins kaufen. Der kleine weicht vom Preis nicht ab. Hmm. Also hat er seine Bonbons behalten und der Mann sein Geld. Männer mit Fahnen und Tröten rennen auf der Empore um das ganze Stadion herum und lachen. Es sind Fans von Kumasi. Das weiß ich.

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Plötzlich bleibt ein Mann vor uns stehen. Er holt seine Kamera raus. Macht er ein Foto vom Stadion? Selbstverständlich nicht. Er grinst und schaut uns an. Oh no. Der meint uns! Ok Rollentausch. Ja drei weiße Frauen im Stadion in Accra ist eine Seltenheit. Ja wir sind DIE Attraktion. Jetzt wissen wir wie man sich fühlt, wenn man von Fremden fotografiert wird. Wie eine Statue? Wie ein Außerirdischer? Ich kann es nicht beschreiben. Auf jeden Fall nicht normal. Aber ich bin ja auch nicht normal. Wer fliegt bitte jetzt nach Westafrika? Keine normalen Menschen. Deshalb lasse ich mich auch gerne fotografieren. Lächeln. Selbstverständlich.

Halbzeit. Die nächste die schlapp macht. Der Schweizerin macht die Hitze zu schaffen. Ja es ist heiß. Kauf dir Wasser. Wir gehen in Schatten. Draußen hüpfen und tanzen die Ghanaer um das Stadion herum. Sie singen. Tolle Atmosphäre. Keine Beschimpfungen. Keine Schlägereien. Nur tanzende Menschen. Links sehen wir Muslime beten. Seelenruhig. Daneben wird getanzt. Und wir werden angestarrt. Ich lächel zurück.

Die zweite Halbzeit beginnt. Dasselbe Spiel von vorn. Zeitspiel ohne jedlichen Spielfluss. Die erste Auswechslung. Der Spieler setzt sich auf den Boden und zieht die Stutzen aus. Macht man das immer so? Noch nie gesehen. Die Zuschauer pfeifen. Zeitspiel deluxe. Schönes Spiel. In der wievielten Minute sind wir? Keine Ahnung. Die Sonne scheint auf die Anzeigetafel. That’s life.

Ein Pfiff. Elfmeter. Für Accra. Nana springt auf und schreit etwas. Alle schreien durcheinander. Der Elfer sitzt. Unentschieden. Das ganze Stadion bebt. Nach ca. 5min ist Schluss. Unentschieden ist gut für uns. Niemand ist sehr frustriert.

Doch jetzt kommt das beste überhaupt. Während die Zuschauer grölen und in Scharen das Stadion verlassen finden sich alle Spieler am Mittelpunkt zusammen und bilden mit den Schiedsrichtern einen Kreis. Die Gegner legen einander den Arm über die Schulter und stehen zusammen. Ich bekomme Gänsehaut. Nana erklärt, das heißt „unity“. Wird in Ghana nach jedem Spiel gemacht. Alle stehen gemeinsam in einem geschlossenen Kreis. Wahnsinn. Und alle Europäer schimpfen über die gefährlichen Afrikaner, die nur kämpfen. Nichts davon ist hier zu sehen. Selbstverständlich grätschen sie sich wie alle Fußballer während dem Spiel um. Aber am Ende stehen alle zusammen in einem Kreis. Keiner beschimpft den Schiedsrichter. Unglaublich. Davon können sich die Europäer eine Scheibe abschneiden. Vorbildlich sind auch die Zuschauer. Ich habe vielleicht 10 Polizisten gesehen. Es waren sicher mehr. Aber auch sicher keine 100. Denkbar bei dem Derby Dortmund gegen Schalke? Definitiv nicht. Undenkbar.

Ich bewundere sie, die Ghanaer auf dem Platz und die Zuschauer.

Tolles Erlebnis. Wird mir in Erinnerung bleiben. In guter Erinnerung.

Achja, wir verlassen das Stadion. Frauen räumen auf. Tragen alles auf dem Kopf. Wirklich alles. Einen Tisch? Kein Problem. Wirklich faszinierend die afrikanischen Frauen. Selbstbewusst und stark. Hallo sie trägt einen Tisch auf dem Kopf! Ohne die Hände zu benutzen. Ich fass es nicht.

Unglaublich faszinierend. Begeisternd. Das ist Ghana.

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