Angekommen in Westafrika

Ich habe den langen aber entspannten Flug hinter mir, bin durch die Ebola Kontrolle durchgekommen, habe gefühlt 87 äußerst nette Ghanaer abgewiesen und ihnen erklärt, dass ich durchaus in der Lage bin mein Gepäck allein zu transportieren und kurze Zeit später ebenso vielen erklärt, dass ich niemanden brauche, der mich irgendwo hinfährt, selbstverständlich alles mit einem Lächeln im Gesicht – versteht sich.

So nun nochmal langsam von vorne. Mein Flug von Frankfurt nach Äthiopien verlief reibungslos, nur hat es für mich keinen Unterschied gemacht, ob die Stewardess äthiopisch oder englisch gesprochen hat. Klang alles gleich. Nur gut dass im Flugzeug immer dieselben Durchsagen kommen und ich mich dazu entschieden habe lieber meine Ohrstöpsel zu nehmen und Niko & Vinz zu lauschen. Da der Flughafen in Addis Ababa nicht groß ist, habe ich mich auch so zurechtgefunden ohne etwas zu verstehen. Der Weiterflug nach Accra fand in einem ebenso großen Flugzeug statt, wie der Flug von Frankfurt. Allerdings gab es einen entscheidenden Unterschied. Ich saß wieder im hinteren Teil des Flugzeugs in dem ca. 120 Leute Platz hatten, aber es saßen höchstens 20 in diesem Teil. Anscheindend hält die Ebola – Epidemie in Westafrika doch einige Menschen davon ab in diese Region zu fliegen. Mir war es Recht so. Ich hatte 3 Sitzplätze für mich allein und konnte mich entspannt ausstrecken und Schlaf nachholen. In Accra gelandet kam ich dann, wie bereits beschrieben, als allererstes mit dem Thema Ebola in Kontakt, allerdings im positiven Sinne. Nach Betreten des Flughafengebäudes läuft man auf ein großes Aufklärungsplakat über Ebola zu, das einen auffordert an einem Gerät seine Hände zu desinfizieren. Anschließend stand ich schon in der ersten Warteschlange. Vorne sitzen zwei Frauen mit Mundschutz jeweils hinter einem Bildschirm und lassen immer nur eine Person durch. Sie haben eine Art Wärmebildkamera und nur wenn auf ihrem Bildschirm der grüne Punkt aufleuchtet darf die Person hindurchgehen. Auch ich konnte mich und meine rot leuchtende Nase auf dem Bildschirm sehen, durfte trotzdem durchgehen. Ich gehe davon aus, dass die Leute hier auf Fieber getestet werden.

Immernoch hatte ich meinen Reisepass nicht zeigen müssen. Dann kam ein Mann auf mich zu bevor ich mich in die nächste Schlange stellen konnte und fragte mich nach dem Impfpass. Klar die Gelbfieberimpfung. Nachdem ich diese vorweisen konnte durfte ich weitergehen und kam zu einem Beamten im Glaskasten. Nachdem ich ihm meine Papiere entgegengestreckt hatte, sagte er ohne auf die Papiere zu schauen „You look so beautiful!“. Ja verstanden in diese Gegend verirrt sich wohl sonst keine weiße junge Frau. Seine zweite Frage war dann ob ich einen Freund hätte. Anstatt Formalitäten auszufüllen lächelte er mich äußerst freundlich an. So bekam ich mit dem Visa Stempel in meinem Pass auch gleich seine Handynummer mit. „Yes I will call you, of course!“. Puh geschafft und weiter zur nächsten Station. Mein Gepäck!

Ich glaube das ist das erste Mal, dass ich nicht auf mein Gepäck warten musste, sondern mein Gepäck schon einige Runden auf dem Band lief. Nur kam nun die nächste Hürde.  Wenn die Ghanaer nur nicht alle so überfreundlich wären.
– Ja ich habe zwei Gepäckstücke und ja ich erkenne sie selber. Nein Sie fahren nicht den Wagen. Bin selber groß!
– this way!
– ok thank you!
Also schiebe ich meinen Wagen durch das Labyrinth des Flughafens bis mich erneut ein Beamter anhält. Was der eigentlich von mir wollte weiß ich bis jetzt nicht. Aber er hat mich alles gefragt. Wo ich jetzt hingeh, was ich hier überhaupt mache (sieht wohl auch selten jemand wie mich), ob ich schon mal in Ghana war und noch etliche weitere Fragen. Nachdem ich ihm die Fragen teils zögerlich, teils überzeugt beantwortet hatte durfte ich weiter gehen.

Dann kam die letzte Hürde. Ich verlasse die Schiebetüre und bin gerade mit dem Fuß nach draußen getreten da stürmen schon 5 Afrikaner auf mich zu und quasseln mich mit Taxi, Auto und Hotels voll. Mehr als ein überzeugtes „no thank you“, sage ich nicht und dennoch geben die ersten auf. Jaja ich weiß man soll nicht hilfesuchend aussehen, sonst ist man eine leichte Beute aber wie soll ich bitte jemand mit dem Schild meiner Organisation finden ohne suchend umherzublicken? Also kam der nächste Schwall. Denen habe ich dann erklärt, dass ich ihr Angebot nicht brauche, weil ich abeholt werde. Dies hat sie erstmal davon abgehalten mich weiter anzuquatschen. Zumindest so lang bis sie gemerkt haben, dass da niemand auf mich wartet. Ja damit habe ich gerechnet. Ja ich weiß, dass wir Europäer die Uhren haben und die Afrikaner die Zeit. Deshalb habe ich meine Uhr gleich daheim gelassen und mich jetzt in eine Ecke gestellt und alle Männer die mich angeschaut haben angelächelt. Naja dann kam der nächste, einer in Uniform. Gehört zu den registrierten Taxifahrern in Accra. Der hat mir dann erklärt, dass ich meine Organisation anrufen soll, sonst kommt niemand. Er hat mir freundlicherweise sein Handy angeboten und für mich gewählt. Ich habe dann zwar nicht viel verstanden, aber 10min später kam mein Fahrer tatsächlich. Wir wollten mein Gepäck zum Auto tragen, aber nach 2m ging ein Platzregen los. Nein kein Platzregen. Monsun? Zumindest so was in der Art. Deshalb hat mich mein Fahrer unters Dach zurück geschickt.  Ja natürlich habe ich Zeit, kein Problem. Ich hätte nur gerne eine Dusche. Aber egal. Er meinte noch zu mir, er weiß dass mir der Regen nichts ausmacht, aber wir sollen trotzdem warten. Ja ich habe kein Problem nass zu werden. Nach weiteren 10min hat der Regen etwas nachgelassen und wir machen uns auf den Weg. Klitschnass komme ich am Auto an. Haha. Das Warten hat sich fast gelohnt.

Aber das macht nichts, mein Fahrer ist nett und erklärt mir Vieles, auch wenn er es nicht verstehen kann, wieso ich mit 21 noch nicht verheiratet bin. Damit muss er leben.

Endlich im Hostel angekommen gebe ich Anne (so heißt sie wirklich, die andere Volontärin) die Hand und stelle mich erst mal unter die kalte Dusche.

Geschafft. Ich bin angekommen. In Westafrika. In Ghana, im Land der äußerst netten und hilfsbereiten Menschen. Zumindest ist das mein erster Eindruck.

Jetzt geh ich auf Essenssuche, denn mein Magen knurrt!

Bis bald 😉

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7 Gedanken zu “Angekommen in Westafrika

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